tun das Ihre.
Im Moment sitze ich - abends um 23 Uhr - auf der Terrasse, ein Fan dreht sich ununterbrochen auf höchster Stufe, über mir (im Restaurant) sitzen noch zwei weitere Gäste, ansonsten ist es ruhig. Da heute der Nachtsecurity-man gefeuert wurde, mache ich das Licht aus, wenn ich hier fertig bin.
Die Khmer haben eine insgesamt interessante Arbeitshaltung, so scheint es mir nach meinen ersten Eindrücken. Arbeitslosigkeit fürchtet hier keiner - jeder ist ziemlich relaxt - die Familie wird einen schon durchfüttern und es findet sich schon sogleich wieder Arbeit. Obwohl die Menschen hier eigentlich immer in Bewegung und Arbeit sind, tun sie alles sehr langsam und i.d.R. sind sie nicht gerade sehr service-orientiert. So wird so mancher Auftrag, so manche Anfrage, so manche Bitte rasch wieder vergessen oder erst später - nachdem man mehrere andere Dinge erledigt hat - bearbeitet. Eile ist keine Tugend, manchmal schon irritierend, denn als Kunde weiß man nicht so recht, ob man eher stört, nicht verstanden worden ist, die Anfrage gerade in Arbeit ist, oder ob die Erfüllung der Kundenwünsche gar nicht möglich ist, man weiß es häufig schlicht nicht.Auch wissen die meisten Khmer genau, was sie wollen, aber auch, was sie nicht wollen - nicht immer wird eine Erklärung dafür geboten. So hat die ehemalige Nachwache sich einfach geweigert, auch auf die (Leih-)Mopeds ein Auge zu werfen. Oder das Gleiche mit den Preisen, da wird nicht gehandelt, sondern es gibt einen Preis, der gut klingt (gegenüber Ausländern gilt hier vor allen Dingen das Gebot der Spontanität - und meist klärt sich die Sache, wenn man unbedingt in Rhiel zahlen möchte), und fertig. Zahlt man den nicht, so trauert einen der Anbieter nicht nach, sondern lässt einen im Regen (oder im heißen Sonnenschein) stehen. Außerdem sind Khmer Leute, die auf einen pünktlichen Arbeitsschluss halten und schon vorher alles wegräumen. Gleichsam (meine Mutter würde das hassen) wird jegliches Geschirr, mit dem man abgeschlossen hat beim Essen, sofort abgeräumt, was doch eine gewissen Ungemütlichkeit zur Folge hat. Man fühlt die Augen der Bedienung die gesamte Zeit auf sich gerichtet (muss aber endlos lange warten auf sein nächstes Wasserglas). Man hält sich förmlich fest an seinem Teller, damit man zu Ende essen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass man noch etwas nachbestellt, z.B. einen Nachtisch, weil man sich so heimelig fühlt, wird dadurch minimiert - und scheint auch außerhalb der Vorstellungskraft eines Durchschnittskhmer zu sein. Jedoch wird dieser Eindruck relativiert in den Restaurants, die neben der zentralen Kücheneinheit, sich auf mehrere Pavillions verteilen, ein jegliches gut für eine große khmer-Familie - unter dem jeweiligen Strohdach steht ein Podest, auf dem alle liegen und sitzen, während sie schmausen, angenehm im Schatten und mit frischem Wind, der unter das STrohdach zieht. Hier wird erst mit Besen und Schaufel nach dem Fortgang der Gäste abgeräumt. Da in diesen Hütten häufig auch eine Hängematte gibt, drängt einen aber niemand zum raschen Aufbruch und ma kann herrliche Stunden seines Lebens - meist mit prima Aussicht - hier verbringen. Das alles ist für mich doch eine neue Erfahrung (lässt man meine Erlebnisse mit den unfreundlichen Taxifahrern auf den Philippinen mal außer Acht). Andererseits sind eigentlich alle immer offen für ein Schwätzchen rund ums Geldverdienen, was sehr angenehm ist, denn man lacht viel und erfährt auch einiges. Auch wird man hier angelächelt. Nach allem Dafürhalten scheint das in Vietnam anders zu sein, was ich in den letzten Tagen so von anderen Reisenden gehört habe. Wie alle Asiaten sind auch die Khmer sehr evasiv. Niemals würden sie zugeben, dass sie etwas nicht wissen (um ihr Gesicht nicht zu verlieren). Auf alle Anfragen wird deshalb irgendetwas GEANTWORTET. Ihr weiches Englisch, ihr freundliches Lächeln, ihre dunklen Augen, die einen bejahend anblicken - all das verhindert Misstrauen zum rechten Zeitpunkt. Eigentlich wird immer JA gesagt, aber nicht immer erhält man das gewünschte Produkt. Man kann das natürlich erklären, indem man den Khmer eine partiell passive Lebenstoleranz und - abgeklärtheit (wie die Kölner: Wat küt, dat küt) unterstellt (Wenn´s das eine nicht gibt, gibt´s halt irgendetwas, dafür aber eben ETWAS, also Grund genug zum Stillesein), aber manchmal ärgert es einen schon, weil es eine postiive und selbstbestimmte Planung unterminiert (kenne ich die konkreten Alternativen, dann kann ich mich entscheiden - erhalte ich aber eine Option als "blindes" Paket, dann bereut man manchmal sein Zugeständnis und seine Naivität, dem Anbieter oder Antworter vertraut zu haben)
Doch zurück zu meiner aktuellen Bestandsaufnahme, denn zwei Käfer haben nun schon ihr Leben in meinen Hosenbeinen ausgehaucht und die Mücken malträtieren mich. Neben den beiden Hunden gibt es hier im Guesthouse noch eine Menge weiterer Tiere, so habe ich heute eine Maus gesehen, natürlich massenweise Mücken (meine Malariaprovilaxe läuft auf HOchtouren), kleine, fette Käfer schwirren taumelnd und zu Tode stürzend im Duzend allabendlich um die Lichtquellen, eine Katzenfamilie wohnt zwischen Holzkonstruktion der Dachsparren und dem Blätterbaldachin und natürlich viele kleine Lizards wandern an der Decke herum, auch ein Gecko-Pärchen erfreut. Gleichfalls angenehm sind hier die Fische, die liebendgerne menschliche HOrnhaut essen - man hängt seine Beinde ins kühle Nass und die Tiere kommen freudig angeschwommen, ihre Abendmahlzeit einzunehmen, indem sie mit ihren Kiefernplatten die Haut abgrasen. Für den Menschen ein hervorragendes Hautpeeling, nur an den Zehen kitzelt es ein wenig. Heute kam noch ein besonders dicker Nashornkäfer dazu.Grillen schwängern die Luft mit ihrem Gesirre und natürlich wird man Morgends mit Vogelgezwitscher aufgeweckt. Also ein ganzer Kosmos ist hier Zuhause.
Weibchen-Gecko
Hygiene-Fische
Tausendfüssler
Was habe ich sonst noch so gemacht in der letzten Woche? Hier kann ich mir endlich mal wieder ein Motorrad leihen. sogleich fühle ich mich unabhängiger, wenn auch in der STringenz meiner Aktivitäten eingeschränkt. Gleich am ersten Tag habe ich Ewa aus Polen kennengelernt, die hier mit Tarik, ihm ägyptisch-amerikanischen Lebensgefährten gleichfalls logierte. Da Tarik bedauerlicherweise kaum einen großen Bewegungsradius hatte, da er auf die Sonne mit einem Haufausschlag reagierte und er deshalb im Hotel bleiben musste, konnten Ewa und ich etwas unternehmen, zuerst mit dem Mietmoto zum Crab-Market, am nächsten Tag nach Rabbit-Island zum Schwimmen und FAulenzen.
Keb,, eine französische Gründung des 19. Jahrhunderts, war vor 1970 eine Art St. Tropez Kambodschas - hier lebten die Reichen und Schönen. Davon ist nichts geblieben, denn all die Villen fielen den Polpot zum Opfer - ausgebrannte Ruinen sieht man noch bisweilen
Heute ist Kep ein wieder erwachter Touristenort (nicht unbedingt nur für die Ausländer, obwohl hier mindestens 60 Expats, fast alle Franzosen, für längere Zeit leben), der sich 7 Kilometer entlang der Küste dahinzieht, eingeengt durch Meer, an dem der hübsche Boulevard sich mindestens 5 Kilometer entland des (Stein-)strandes dahinwindet und durch einen Karstberg, der einen kleinen Natiionalpark trägt. Am Ortseingang wird man von einem überdimensional - fröhlich mit seinen Scheren winkenden - Krebs, dem Wahrzeichen von Kep, begrüßt - man weiß eigentlich nicht warum, denn dem armen Tier passiert eigentlich nichts anderes, als hier verzehrt zu werden - neben allerlei anderem Meeresgetier. In den Neujahrstagen pulsierte das Städtchen nur so, halb Kambodscha war vermutlich hier zu Gast. Jeder stürzte sich sogleich auf das gute Essen hier - alles Gute aus dem Meer - eine wahre Freude.
Die herrlichen Gundlagen werden verfeinert durch Pfeffer mit Limonensaft. Pfeffer hat diese Gegend einst bekannt gemacht. Bis in die 70er Jahre galt der Kampot-Pfeffer als einer der Würz-Grundpfeiler der französischen Küche, das Gewürz selber als einer der besten Pfeffer weltweit, eine Delikatesse. Er langsam ist diese Agrarproduktion wieder im Werden. Für ein Kilogramm muss man in Deutschland 180 Dollar berappen - nicht gerade wenig, wenn man sieht, in welch verschwenderischer Fülle ebendieser Pfeffer hier zum Verfeinern aller Speisen genutzt wird. Es gibt insgesamt vier Qualitäten, den grünen Pfeffer (erntefrisch), den schwarzen, grauen und roten, alle vom gleichen Pfefferstrauch, aber unterschiedlich behandelt. Heute unternimmt man kleine Schritte in Richtung neuem Ruhm- maximal 200 Pfefferpflanzen hat hier ein Bauer und nur 4000 Tonnen werden zz. exportiert. Der graue Pfeffer ist wirklich herrlich - nicht zu scharf, sondern mit einer fein abgestimmten Würze.
Also Ewa und ich sind am ersten Abend mit mit Mietmoto unterwegs zum Crabmarket und lassen es uns da schon mal schmecken mit leckeren Tintenfischen (die Augen werden von dankbaren Hunden gefuttert)
Die Krebse werden direkt vor dem Markt gefangen wie ihr hier auf dem letzten Bild erkennen könnt. An einer Weiterfahrt wurden wir dadurch gehindert, dass das Moto nach einigen Kilometern verreckte. NAch unserem Notanruf bei unserem Wirt, Tristan, warteten wir eine Weile, bis das Moto wieder ansprang und wir ein Stück zurückfahren konnten, bevor es, da wir, Tristans ansichtet geworden, stoppen wollten und es dabei wieder absoff. Tristan war auf unseren Hilferuf hin direkt auf seinem Motorrad zu unserer Unterstützung geeilt, hatte aber unterwegs eine Reifenpanne und war gerade mit einem Tuktuk zu uns unterwegs. Mittlerweile war es dunkel geworden, aber wir hatten ziemlich viel Spaß zu dritt auf dem Moto, dass immer mal wieder abstarb, weil die Zündkerzen hin waren, bis wir schließlich in einer Reparaturwerkstatt landeten, war es bereits 9 Uhr abends. So ein Moto ist doch eine feine Sache, denn man lernt hier relativ schnell, dass man einfach alles auf einem Motorrad transportieren kann. So waren wir zu dritt im Sattel eigentlich der Normalfall.
Am nächsten Tag wollten wir endlich an den Strand. Natrülich könnte man auch in Kep ins Meer springen, aber erstens gehen alle Einheimischen in voller Kleidung ins Wasser (und versauen sich dabei alle Sachen bis auf Weiteres) und zweitens - tut man dies als Ausländer am dicht bepackten Strand, dann wird man unangenehm angestart oder auch freudlich angegrinst, aber in jedem Fall macht es einfach keinen Spaß mehr, weil man sich nicht frei bewegen kann. Also, wir wollten in BADEANZÜGEN schwimmen und planschen gehen. Dazu wird des Morgens mit Boten auf Rabbit-Island übergesetzt und dann bleibt man da am Strand und nachmittags wird man wieder abgeholt. Man kann auch dort bleiben (die Restaurants am Strand sind total gut), aber die Hütten - OHNE FAN - sind meinem Kreislauf nicht zubringlich. Am Strand, der leicht ins Meer hin abfällt, kann man kostenlos in Liegestühlen rumgammeln oder in den hübschen Strandhütten in Hängematten abhängen - einerlei - es ist absolut erholsam. Vor lauter Wassergucken sind weder Ewa noch ich zum Lesen gekommen - es war ein herrlicher Tag. Die Menschen waren alle fröhlich und gut gelaunt und hatten Feierlaune zusammen mit ihren großen Familien - so richtig schöne Nauejahrstage eben. Dazu ein lauer Wind und das Meer war auch nicht pisswarm, sondern angenehm temperiert - es hat uns sehr gut gefallen (ich möchte das Ganze Morgen wiederholen)
Es folgte ein Tag im Nationalpark (kleine Wanderung von 8 Kilometer - davon meistens im Schatten)
und ein kühler Regentag, den ich lesend auf der Terrasse verbracht habe. Ewa und Tarik sind mittlerweile wieder in Phnom Penh und arbeiten (nachdem Tarik sich ein neues Visum an der Grenze geholt hat, da sein Pass geklaut worden war in Kambodschas Hauptstadt - also VORSICHT), ich aber lasse es mir gutgehen hier vor Ort. Allerdings ist es doch einsam geworden hier, denn die Feiertag sind vorbei und alles ist wieder Zuhause, Kep aber in der Regenzeit doch weitgehend verwaist. Nun, ich bin mit dem Moto einmal nach Westen zum Hidden Lake gefahren (Schwimmen war nicht wegen der vielen einheimischen Jugend dadorten, aber das REstaurant war große Klasse) und nach Kampot, einer Stadt, noch ganz unter dem Eindruck französischer Kolonialherrschaft und einer Backpackerstraße, in deren Restaurants man herrliche Fruchsäfte schlürfen kann mit Blick auf einen träge dahinfließenden Fluss, der dem Meer entgegeneilt.
Heute bin ich gen Osten (Richtung Grenze) gefahren nach Kompong Trach. Dabei habe ich mir unterwegs eigentlich fast jede Seitenstraße angeschaut, das sieht dann etwas so aus: Hier im Süden läuft gerade ein riesiges Straßen-Upgrading-Programm. Eigentlich ist im Moment alles Staub (so sieht man dann abends auch aus) und voller Sturzlöcher (man muss ganz schön aufpassen dass die Reifen keine Dellen bekommen, besonders wenn es staubig ist, weil man da kaum was sieht). Zum GLück gibt es nur relativ wenige (Privat-)Autos und nur einige Laster. Die meisten Verkehrsteilnehmer sind Motofahrer. Heute habe ich auf den Seitenwegen auch mal eine beachtliche Anzahl Radfahrer (Einheimische!) gesehen.
Die Landschaft ist intensiv landwirtschaftlich genutzt: Pfeffer (sieht man allerdings nur an wenigen Punkten zentralsiert), Mangobäume, Jackfruit,
Eukalyptus, Drachenfrucht, natürlich Reis und einige, von mir noch nicht identifizierbare Gewächse. Die Gegend ist flach und wohlstrukturiert, nur unterbrochen von einigen Kaarstbergen.
Dieser Tempel inmitten einer Höhle, umgeben von Fledermäusen, stammt aus der Vor-Ankor-Periode, wahrscheinlich aus der Funan-Epoche, also wurde ca. im 6ten oder 7ten Jahrhundert erbaut. Man sieht wie er mit dem Kalkgestein verwachsen ist in den letzten 13 Jahrhunderten.
Hier ist etwas Besonderes passiert. Die Decke einer riesigen Höhle hat nachgegeben und ist implodiert - dort wächst heute ein herrlicher Urwald - ganz überraschend, denn von außen sieht man nichts
Im Elephant-Cave
Auch im Elephant-Cave
Meine Pläne? Erst mal noch mal Rabbit-Island, dann Strand i.d. Nähe der vietnamesischen Grenze (also noch ein Mototag) und ein Ganztagesbesuch in Kampot. Dann fahre ich nach Sianoukville (um mir noch ein Visum für die Wiedereinreise nach Kambodscha zu sichern) und wahrscheinlich ein paar Tage auf den dort vorgelagerten Inseln und eine Busfahrt zur thailändischen Grenze (welches Land ich aber nicht besuchen kann, denn hier gibt es nur Transitvisa - Transit in meinem Fall wohin?)nach Kang Kong bevor ich nach Vietnam düse (oder doch eher schleiche?!) Kommentare zu meinen Ergüssen wie immer herbeigesehnt. Cathrin
Hallo Cathrin, ich rühre und wurschtel vor mich hin, denn heute Abend ist Party angesagt: 15 Leute rund, sechs weniger als eingeladen...und es wird trotzdem verdammt eng werden. Putzen muss ich auch noch und ich hoffe, keiner kommt zu früh, damit ich noch ein bissl Zeit hab.
AntwortenLöschenDas Auslandsamt sucht meine Fächerkombi in THailand. Ich will zwar nicht unbedingt nach THailand, aber was anderes und hätte mich gerne beworben, aber nachdem mein letztjähriger Antrag ja bei der ADD verloren gegangen ist, ist mein diesjähriger bisher wohl auch noch nicht in Köln eingegangen. Das ist zum Ausflippen, echt.Windhuk ist auch dabei, allerdings Mittelstufenkoordinator...Na ja, da meine Anträge ja offensichtlich nie ihren Weg finden, wird das eh nie was...nerv.
Ich finde, Kambodscha hört sich jetzt nicht so nett an. Dabei reizt es mich eigentlich sehr. Aber nächstes Jahr liegen die Ferientermine eh so bescheiden, dass man Asien wegen Hitze nicht machen kann. Ostern ist erst Mitte April. Dazu kommt, dass allein die Studiosusreisen wieder mal richtig angezogen haben. Na, mal sehen. Vielleicht sollte ich einfach in dein Burma-Traumhotel fahren :-p
So, werde mal weiterwirbeln,
lG Nico
Warum räumst Du nicht auf, nachdem die Gäste gegangen sind, dann lohnt es sich wenigstens. :-) Cathrin
AntwortenLöschenAllerliebste Tierlein in lebender und gebratener Form, außerdem drehen lauter Fans um Dich ihre Kreise, was willst Du mehr? Ich hoffe es geht Dir gut und Du bleibst gesund! aragorn
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