Seit ich das letzte Mal geschrieben habe ist schon wieder
einiges Neues passiert. Obwohl ich immer das Gefühl habe, ein ziemlicher
Lazybone zu sein – langes Schlafen, spätes Insbettgehen, dazwischen Freizeit –
es geht mir also meistens gut. In den letzten Tagen bin ich viel herumgefahren.
Das Wetter war sehr wechselhaft – teilweise Nebel und Niesel, aber vor allen
Dingen Kühle. Hier meine Wanderimpression vom gestrigen Tage:
Aber der Hauptgrund für mein Nichtstun ist, dass der
Tongariro Crossing gesperrt ist, den
Track, den ich unbedingt gehen wollte. Konnte der Vulkan nicht eine Woche
später ausbrechen?! Aber keine Zeit zum Jammern. Ich bin also nicht gewandert,
sondern mit dem Auto rumgefahren, damit ich überhaupt was tue und konnte mich
gestern ob des miesen Wetters zu nichts richtig entscheiden, bis ich mich
endlich durchgerungen hatte, einmal um den Nationalpark zu fahren. Gesagt,
getan. Weit bin ich nicht gekommen, denn just, als ich die nördliche Tangente
fahre, bricht auf der Ostseite der Himmel auf ganzer Front auf und ich sehe
blauen Himmel, wärmenden Sonnenschein, der den Tongariro bescheint und mit ihm
die Schwefelfenster, die den „Ausbruch“ zeigen. Zwei Stunden bin ich nun diese
Straße hin und her gefahren, gegangen, gestelzt, denn ich wollte unbedingt
einige Fotos einfangen, so etwas habe ich noch nie gesehen!. So einen richtigen
Ausbruch stelle ich mir nun allerdings etwas anders vor, nämlich lebhafter und
begleitet von Knallen, Stein- und Lavaauswurf, flammendes Inferno also. Nichts
von alledem war zu sehen, allerdings qualmte es bedenklich und in Sulfurgelb,
schwarz und Watteweiß an drei Stellen aus dem Berg heraus und zwar unmittelbar
an der Stelle, durch die der Track normalerweise führt. Also kein Wunder, dass
die Behörden hier alles dicht gemacht haben (auch die Wanderhütten auf der
Südseite des Vulkans) und an den Straßenzufahrten stehen sogar Wachen. Meine
Laune besserte sich sofort wie ihr euch denken könnt. Plötzlich fiel mir auf,
dass die Straßen mit wolllüstig saftiggelbem Ginster bewachsen sind, der im
Wind wogt und die Farbpalette aufs Grellste steigerte. Jetzt zeig ich euch aber erstmal, wie ein wieder zum Leben erwachter
Vulkan aussieht, nämlich so:
Auf der Westseite des Vulkanplateaus – es gibt insgesamt 3 Vulkane (im Norden den Tongariro,
nach dem der Nationalpark benannt ist – der, im Kraterbereich total zerfleddert
von so vielen Ausbrüchen in der Vergangenheit, aber seit 1928 war totale Ruhe
- ist praktisch zusammengewachsen mit
dem weiter südlich liegenden, ganz ebenmäßig kegelförmigen Ngauruhoe (der im
„Herr der Ringe“ den entscheidenen Finalweltkrater darstellt), der also genau
nur einmal ausgebrochen ist.
Hier ein Foto, auf dem ihr seine ebenmäßige Form
gut erkennen könnt.
Im Norden – dazwischen liegen etwas 3 Kilometer windgepeitschtes
Hochmoor – steht dann der höchste der drei Vulkane, der Ruapehu. Letzteren habe
ich – von Süden kommend – zuerst gesehen und für den Tongariro gehalten, der
aber eigentlich der kleinste und unscheinbarste der drei Vulkane ist. Den habe
ich schon Weitem gesehen als ich aus dem Wanganui-Nationalpark kam und den habe
ich dann auch bis zur Schnellgrenze besuchen können. Eigentlich waren die
Vulkanologen ziemlich überrascht, dass ausgerechnet der Tongariro ausgebrochen
ist, denn alle Anzeichen wiesen auf den Ruapehu, das eben derselbe kurz vor
einem Ausbruch steht – kommt vielleicht auch noch, bleibe noch ein Weilchen
hier in der Gegend.
So ein Vulkan ist schon eine komische Landschaft. Normale
Gebiege treten irgendwie als Masse auf, schön aufgefaltet und gegeneinander
gestemmt oder einfach hochgewachsen wie ehemalige Korallenriffe. Jedenfalls
treten sie in Massen, massiv, auf. Vulkane entspringen einfach dem flachen
Land, erheben sich konisch und sind da. Wenn bisher nur einmal ausgebrochen,
bzw. entstanden, dann ganz gleichmäßig, konisch, schwarz, mit weißem
Wattehäubchen, falls Schneezeit ist (luftige Höhen erlauben solches auch im sonstigen
Sommer, in Tongariro NP bis auf knapp 3000 Meter, also auch im Sommer
Scheezeit) Jedenfalls wirkt so ein Vulkan schön, wie ein Diamant, aber völlig
unorganisch, wie ein Raumschiff, das aufgesetzt hat.
So schlecht das Wetter gestern war, so gut war es vorgestern
und auch heute. Vorher hatte ich auf gut Glück schon eine Trip in den
Wanganui-Nationalpark gebucht und da hatte ich Glück. Der Wanganui-River gehört
zu den sieben so genannten großen Tracks hier in Neuseeland, also zu
Wanderstrecken, die ob ihrer Schönheit eine besondere Hochachtung und daraus
folgend auch Ausstattungsförderung erfahren (so eine Weltnaturerbe-Ausstattung
der Wanderpfade). Der Wanganui-River wird natürlich auch über einige (3)
mehrtägige Wandertouren erschlossen, die tatsächlich durchs Unterholz führen.
Auch hat man neuerlich einige Mountainbike-Wege hergerichtet (die sind aber wirklich nur für Mountainbiker
geeignet, gehen über Stock und Stein – im wahrsten Sinne des Wortes). Aber die
Hauptsache isst die Wasserwanderung mit Kanoes und Canadiern. Die sind nun am
schwierigsten zu organisieren wenn man allein reist – den für eine Person
allein macht hier niemand etwas. Man muss also eine Gruppe finden. In meinem
Fall war es dann so, dass ich mit dem Auto genau zu dem Camping-Platz
zurückgefahren bin, auf dem ich vorgestern üernachtet hatte (ich habe also das
Taxigeld gespart) und dann mit 14 anderen Leuten (genau 7 Parchen!) in einem
Jetboot 32 Kilometer stromaufwärts gefahren wurde, dann ein ca. 40 minütiger
Walk zu einer im Nowhere stehenden Brücke (Kaffeerast), dann den sehr bequemen
Weg zurück, Jetboot-Fahrt, aber dann, ca. 13 Kilometer von dem Ausgangspunkt
Pipikiri, da waren auf einer Insel aus Geröllsteinen, die der Fluss
aufgeschichtet hat, einige Padelboote und eben auch ein kleines gelbes Einmann
(äh-frau)kajak für mich „geparkt“. Die nächsten 3 Stunden ging es dann ans
Paddeln in völliger Einsamkeit (na ja, zweimal gestört durch vorbeirasende
Jetboote) – es war herrlich.
Unterwegs konnte ich meiner Tierbild-Sammlung wieder eines
hinzufügen. Das ist um so erstaunlicher, als dass hier in Neuseeland wirklich
vergleichsweise wenige Tiere leben. Die Wälder sind stumm – oft hört man nichts
wenn keine Wind ist. Nur vereinzelt hört man Vögel, am auffälligsten die
sonderbaren Laute des Tui, sehr selten Insekten (ich habe glaube ich, bisher
nur zweimal eine Hummel oder Biene?, allerdings gibt es Fliegen – die
Neuseeländer jubeln, denn Fliegen heißen, dass der Sommer kommt, und ekelhafte
Sandfliegen, die einem gemeingefährliche Stiche beibringen) gesehen und nur
eine Schmetterlingsart, eine kleine orange-schwarz gezeichnete. Es gibt
wirklich hier sehr wenige Tiere. Die einzigen Tieren, die man hier öfter sieht,
sind totgefahrende (killdriven) Possums. Das befriedigt dann auch noch das
Jagdglück des Durchschnittsneuseeländers. Hier also meine Trophäe:
Außerdem gab es noch armdicke Aale (unser Führer Thomas
schwärmte die ganze Zeit von den smoked eels) zu bestaunen (Fernaufnahme von
der Brücke hinunter ins Tal):
Auf dem letzten Meter, und genau das meine ich, einen Meter
bevor das Kajak aus dem Wasser gezogen werden konnte, bin ich dann doch noch
gekentert und patschnaß geworden – herrliche Abkühlung, zumal ich mich ja dann
auch sogleich trocken anziehen konnte. Es war ein toller Tag, der dann noch
gekrönt wurde durch die freie Sicht auf die Vulkane (Kostproben meiner Bilder
siehe oben). Die Brücke im Nowhere
führte natürlich früher einmal tatsächlich
in ein Somewhere. Nach dem ersten Weltkrieg hat man in dieser Gegend Parzellen
für Veteranen ausgelost und bis 1984 haben die letzten drei durchgehalten. Eine
Gravel-Road war – neben dem Fluss, der damals noch mit Steamdampfern befahren
wurde und um die Jahrhundertwende (vom 19. zum 20.Jahr´hundert war der Fluss
die Hauptverkehrsroute in Nord-Süd-Richtung), die einzige Verbindung zur
Außenwelt für die Schaffarmer und die Brücke verkürzte ihren Weg erheblich.
Heute führt auf der ehemaligen Verbindungsstraße (bzw. ihren Resten) die neue
Mountainbike-route entlang mehr schlecht als recht – aber toll war die Strecke
wohl nie. Ich glaube, die Brücke war weniger für den Verkehr als vielmehr für
die Hoffnung gedacht und gebaut worden, das zeigt schon die halsbrecherische
Art, in der sie gebaut wurde:
Sie wurde tatsächlich auch kaum benutzt, denn für die
Fußgänger und die Pferde, mit denen man die Wolle zur nächsten Kreuzung (ca. 50
kilometer entfernt) transportierte reichte die parallel geführte „swinging“
Bridge, deren Überreste immer noch über dem Tal hängen.
Übrigens finde ich die Ortsnamen hier einigermaßen schwer zu
memorieren. Die Maorinamen klingen oft sehr ähnlich oder haben zu viele Vokale. Obwohl meist schwer
auszusprechen, haben sie jedoch allesamt auch etwas lyrisches und wenn man
nicht weiß, dass es Ortsnamen sind, so fallen einem dazu vielerlei Geschichten
ein, mir jedenfalls meist wild-romantische. Hier eingie Beispiele nur aus
meiner jetzigen näheren Umgebung: Whakahoro, Pukaira, Maharanui, Mangapapa,
Mangapurua, Ohinepane, Ohauora, Ohopane.
Einige Namen finde ich allerdings anzüglich, z.B. Pipiriki oder Pokaka. Zum
Glück sprechen die Maori kein Deutsch, dann würden sie die jeweilige
Eindeutigkeit verstehen, ich warte auf den Ortsnamen Pipikaka, (kaka bedeutet
allerdings auf Maori Papagei und pipi „Schalentier“ ) Besonders gerne
wiederholen die Maori mehrere Silben (kaka, riri, papa usw.), vielleicht zur
Bestärkung? Nun ja, man kann natürlich alles akademisch nachschlagen (habe ich
in meinem Reiseführer auch getan – Internet hilft manchmal auch), aber ich
finde es schöner, von diesen Worten und ihren vermeintlichen Inhalten zu
phantasieren.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Ich freue mich über einen Kommentar!