Hallo Leute, meine Empfangszentrale ist ab heute in Phnom Penh, also in Kambodscha. Neues Land, neue Freud´. Der Abschied von Burma ist mir wirklich schwer gefallen. Das Wasserfest, also das Neujahresfest steht vor der Tür und überhaupt gibt es noch gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaz viel zu sehen und zu besuchen und zu tun in Myanmar. Da will ich noch mal hin, ganz klar! Der Tag gestern war dann doch noch prima, denn ich habe eine Frau, die ich in Mingun kennen gelernt hatte, wiedergetroffen in meinem Hotel und so haben wir den Tag weitgehend zusammen verbracht, den AUng Sui-Markt erkundet (wenn ich zurück nach Deutschland geflogen wäre heute, hätte ich mindestens 10 Kilos Souvenirs angelandet vor allen Dingen Schmuck und Lackwaren, aber auch kleine Holzkästchen und Schnickschnack, noch mehr Marionetten, Perlmut und Jadewaren, wunderschöne Papierschirme, Stoffe en masse und Nähkleinkram und vielleicht auch ein paar graue Perlen und einen Rubinring (der aber auch hier sehr teuer ist, aber eben einfach schön)), Fruchtsäfte (also: zerstampfte Früchte mit etwas Zucker, Eis und Wasser) getrunken und das Gold der Shwedanon-Pagode im abendlichen Glanze des Sonnenuntergang gebadet angeschaut - danach ein kühles Bier (das hier als Gefrierglotz nach dem Zapfen kredenzt wird, schmilzt dann innerhalb von 10 Minuten und muss schnell getrunken werden, bevor es schal wird) im Nachgang zu einem Liter leckeren Tees. Als Wetternachricht sei nochmals auf den Hitzeschock hier hingewiesen - gestern waren es 38 Grade und somewhat humid - ich war schon mächtig abgeschlafft, zumal es in der Nacht nicht wesentlich abgekühlt ist und der Fan vergeblich gegen meine Hitzewellen anrotierte. Also ich sage Euch - so auf dem Bett zu sitzen, ganz ruhig, nur gleichmäßig atmend, sonst nichts machen, den vorbeifahrenden Zügen und dem Surren der Luftmaschine lauschend und dazusitzen und am ganzen Körper einen Wasserfilm zu haben und zu warten, dass der Schweißtropfen salzig ins Auge hineinläuft und dabei zu denken, dass ihr Schnee schippen müsst - so stelle ich mir ein kleines Stückchen Glück vor! Geht nicht gegen Euch, aber ich habe so ein zutiefst zufriedenes Gefühl mit mir selbst, dass ich dem Winter dieses Jahr entflohen bin! (Natürlich mit der Einschränkung des feucht-regennassen Sommers (?) in Neuseeland). Endlich mal Sonne (für mich nun seit gut 7 Wochen ununterbrochen - endlich, endlich , endlich - ich werde hier noch ganz heiter, kaum noch eine Spur meiner sonst üblichen destruktiven Winterdepression) Hier noch einige Impressionen des gestrigen Tages:
Irgendwie klappt in Burma alles für mich, so habe ich heute Morgen meine Sachen gepackt (nachdem ich meine Reinigungsklamotten abgeholt hatte) und meine Marionetten noch einmal fotographisch gesichert und bin dann zum Frühstück runter (mein Zimmer war unterm Dach im 4.Stock - kein Fahrstuhl) und da erfahre ich, dass ein kostenloser Hoteltransport in 20 Minuten zum Flughafen unterwegs ist. Ich kann noch in Ruhe speisen und meine restlichen Kyat in Dollar umwechseln, und verbringe die nächsten 70 MInuten Straßenchaos in einem netten Plausch mit einigen gerade angekommenden Franzosen, wobei ich mein Französisch wieder einmal etwas aufpolieren kann, dann sitze ich melancholisch gestimmt am Flughafen und versuche mir über die Situation klarzuwerden. Anzukommen in einem neuen Land, das ist etwas ganz Außergewöhnliches. Tief drinnen ist eine kleine Furcht, dass alles fremd ist und mit Mühsal verbunden und der Abscchied vom Bekannten, Liebgewonnenen macht es nicht besser. Was wird sein, werde ich wieder mal übervorteilt, muss ich mich streiten (also feilschen und werde wahrscheinlich über den Leisten gezogen, weil man ja als Neuankömmling nichts weiß), andererseits fehlt einem jede Souveränität, alles wird neu sein, NEU sein, ERSTMALIG sein - das erlebt man nie mehr, diese Spannung, dieser Stolz, eintauchen zu können und etwas zu sehen (zum Erleben ist es noch nicht - zu frontal), was man noch nie geschaut hat - wie wird es sein, werde ich es mögen? Dann der erste Moment der Ankunft, der entscheidene Moment, das erste Gefühl - ja oder nein? Ein erster Blick auf die Menschen, auf das Singsang ihrer Stimmen, ganz neu, mit nichts bisher Dagewesenem zu vergleichen - das Sein und das Werden - wen werde ich treffen, was werde ich sehen - alles ist in diesen ersten Minuten, voller Fucht und Tatendrang, purer Überdruss und pure Freude befangen, alles ist möglich, vieles bereits ausgeschlossen, da nur jetzt gegenwärtig. Ist das Gefühl des Willkommenssein da - oder nicht? Später kehrt man zurück, weiß schon einiges, kennt vieles, handelt routinemäßig, aber im ersten Moment, der schwerste und leichteste Moment zugleich, alles noch blank und ungezeichnet, nur Gefühl - das macht ganz wacht vor Anspannung und sehr müde vor lauter Anstrengung. Jede Tür muss das erste Mal geöffnet werden und man weiß nicht, was dahinter ist - will ich mich darauf einlassen, muss ich mich darauf einlassen, kann ich mich darauf einlassen - man weiß es nicht, Es gibt halt nur die Möglichkeit es zu machen, sonst nichts- purer Aktivismus, bei mir meist verhalten, langsam, bedächtig, Kontrolle behalten im Chaos, im Dahinschwimmen und Davongleiten, soweit, dass man Stehen bleiben kann zum Verschnaufen und Überblick behalten oder auch Davongleiten lassen. Tja, also heute:Phnom Penh. Der Einflug: In Wetterleuchten, ganz schwarz aufgetürmte Wolken, hinein in die Nacht, ja, in die Nacht! Der erste Eindruck der STadt - hier wird STrom gespart! Magere Straßenbeleuchtung, keine Hausbeleuchtung, einige Straßen, wie Strahlen vom Fluss abzweigend - dazwischen: Dunkelheit, der Flughafen - dunkel mit Ausnahme des eigentlichen Gebäudes, kein gleißendes Licht über dem Rollfeld. Das Hotel hat ein Taxi geschickt, der Fahrer wartet (für mich überraschend, da das HOtel mich nicht informiert hat) mit meinem Namensschild ungeduldig auf mich, die Straßen voll mit Autos und hunderten Mopeds, dazwischen vereinzelt Rikschas, der Fahrer auf einem Hochsitz hinter dem Passagiersitz, der nach vorne blickt, die Ampelphasen 75 Sekunden auf Rot, auf Warten,, neben mir ungeduldige TukTuks, kleine Sitzkisten von einem Motorrad gezogen, Der Verkehr fließt viel reger als in Yangoon, hunderte von Restaurant ziehen am Fenster vorbei, die meisten erleuchtet mit Gaslichtern. 12 Kilometer zum Hotel, 12 Dollar wert - heute verlassen mich meine Dollarnoten schneller als ich denken kann (Lunch, Ausreisesteuer, Visum, Taxifahrer ...)Das Zimmer für die heutige Nacht (morgen bekomme ich ein neues Zimmer mit nur einem, dafür aber breiten Bett, also meinen Maßen angemessen - ein burmesischer Guide meinte in Pagan (es war nicht unfreundlich gemeint, nur etwas sorgenvoll, ich könnte zwischen den Tempelwänden in den Treppenaufgängen stecken bleiben) Be careful, you are a fat Lady) dann: ruhig, kühl, sauber, gemusterte kühle Steinfliesen, weiß-rot geschmücktes Bett aus dunklem Holz, eine Duschkabine, sogar ein Fernsehen - vielleicht sollte ich heute mal TV-Schauen?! Bin so überwältigt vom Neuen, dass etwas Fades mir wahrscheinlich ganz gut tun kann.
Kambodscha ist ja auch eine Erinnerung - nach dem Vietnam-Krieg, einer meiner ersten politischen Erfahrungen, die allabendliche Invasion zur Abendbrotzeit via Fernseh-Nachrichten zu verfolgen, dann der nächste Krisenherd - PolPot, etwas mehr als dreieinhalb Jahre und über 2 Millionen Tote, ein Volk zurückgestoßen in einen übelwollenden STeinzeitmaoismus, wahrscheinlich ein Trauma - diese Scham, also offenbar wurde, was vorher schon geahnt war und von vielen sicher auch schon gewusst - heute soll das Durchschnittsalter hier bei etwas über 20 Jahren sein - hier bin ich also Totaloldi. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich hier dermaleinst Urlaub machen würde, meine vordringlichste Sorge, ob ich mir ein Motorrad mieten kann. Na - jedenfalls, Phnom Penh ist wieder so wurselig wie alle asiatischen Städte, nichts erinnert an die Wüstungen von damals auf den ersten Blick, Verfallserscheinungen, angelaufener Beton, angerostete Gitter, unebene Bürgersteige (falls überhaupt) - Alltag in jeder Menschenanhäufung in dieser Weltgegend (Ausnahme: Singapore). Hier werde ich also endlich einmal mehr GEschichte schnuppern, bin schon ganz fibberig. Erinnert mich aber auch an meine Besuche in Polen, in Ausschwitz, nachzuvollziehen, was zum Glück vorbei ist, hier jetzt schon bald 34 Jahre (verdammt, so alt bin ich mittlerweile schon, dass ich mich noch an die News von damals erinnern kann...)
...so viel Pressemeldungen gab es 1979 auch wieder nicht darüber, es kam ja mit einem Schlag (Einmarsch der Vietanmesen) ans Tageslicht, und viele Linke aus meinem Bekanntenkreis wollten's nicht wahrhaben, abgesehen davon hatte der Westen auch nicht hingeschaut, der allseits geachtete Sihanouk hatte den Khmer zur Macht mitverholfen usw. Herzlichst, Aragorn
AntwortenLöschenAber damals habe ich mit Begeisterung (internationale) Politik studiert. C
AntwortenLöschenDas tust du ja nun immer noch, vor Ort :-)
AntwortenLöschenHerzallerliebste Cathrin, deine Fotos werden immer besser. Ich möchte später mal einen Abzug vom Rikschafoto oben haben. Auch die Hände finde ich phantastisch. Der Blick für Kleinigkeiten auf dem Weg liegt Dir!
AntwortenLöschenDer zu enge Gang im TEmpel erinnert mich an ein "nettes" Erlebnis letzte Woche: Ich hab nicht in den Sitz bei der SA gepasst. Ich musste mit einem Mann tauschen! Seit gestern ist WW angesagt!
Die Südafrika-Reise war ein voller Erfolg. Zwar gab es wieder kleinere Dinge zu bemängeln, aber alles in allem hatte ich wieder mal eine sehr gute Zeit und kann Deinen Überlegungen zum Eintreffen in einem neuen Land nur zustimmen. Das ist übrigens sehr gut geschrieben zu Beginn, ich überlege, Deine Sätze in mein neues Reisetagebuch aufzunehmen.
In Afrika hatte ich das Glück im Krüger und Hluwedingsda sehr viele Tiere zu sehen: mehrere Einzelelefanten und eine Herde, mehrere Nashorngruppen und ein Babynashorn, drei Krokos auf dem Hotelgelände, ebenso Nilpferde, Gnus, ein Leopard, Impalas, Warzenschweine, Unmengen von Vögeln, Giraffen, Paviane, Meerkatzen, Zebras, Kaffernbüffel und Geier, die wie im Dschungelbuch auf einem Baum hockten. Ach, und ein Baum, in dem ein Adler unten und ein Geier oben saßen, total irre.
Kapstadt ist wunderbar, ein Mix aus New Orleans, New York und St. Augustine. Das hat mir auch unheimlich gut gefallen. Auf dem Tafelberg war ich auch und in der Pinguinkolonie.
Ich weiß nicht, woher das kommt, aber in Afrika war ich nur dabei Leute anzulächeln und alles lächelte zurück, redete mit mir...kaum bin ich hier am Flughafen ist alles vorbei. Liegt das an Deutschland oder mir? Meine Freundin hat mir ein Foto geschickt, auf dem ich dick, aber unerhört glücklich aussehe :-)
Hajo hat gefragt, wie ich das mache: gestern Afrika, heute Westerwald. Ich glaube, ich brauche das mittlerweile - zwei Wochen weg von allem. Ich habe die zwei Wochen über vielleicht dreißig Minuten über Schule geredet. Ich hatte so viel zu sehen und zu tun, dass ich gar nicht zum Nachdenken gekommen bin!
Ich befürchte, dein Wiedereinstieg wird schwer...Hast du eigentlich schon was gehört?
Genau wie du denke ich zu beginn der Reise: Ohhh, ob das alles gut geht. Und dann läuft es eigentlich immer. Ich freu mich schon wahnsinnig auf die nächste Reise...
Kambodscha muss ich übrigens auch noch machen...Da beneide ich dich mal wieder. Da werden wohl viele Fotos nicht so schön und harmonisch werden...Du gehst doch zu den Killing Fields?
Ganz liebe Grüße aus dem Westerwald, Deine Nico
P.S.: Deine Tierermunterungsmail vor den Ferien hat es in mein Tagebuch geschafft.