Dienstag, 8. Januar 2013

Heute letzter Sonnentag


Wie beginnt mein neuer Blog? Natürlich – mit dem Wetter! Die letzten Tage waren sehr gut bis ordentlich, d.h. übertragen auf das Wetter, dass seit Wanaka zuerst die Sonne schien und ebenso in Queenstown und dann tatsächlich auch noch einen Tag in Te Anau. Die restlichen Tage waren wechselhaft, d.h. entweder bewölkt und manchmal etwas sonnig oder bewölkt und manchmal etwas regennass. Zum Glück stimmt die Wettervorhersage hier praktisch nie. Ich möchte nicht so weit gehen und behaupten, dass man getrost mmer das Gegenteil dessen annehmen kann,  was der Wetterdienst behauptet – denn dass würde ja wiederum eine Vorhersehbarkeit bedeuten und dem ist leider nicht so. Aber auf die Neuseeländer an sich kann man sich schon verlassen, insofern sie um eine Wetterprognose für die nächsten 24 Stunden gebeten werden, denn die meisten leben ja auf dem Lande, sind verwandt, befreundet mit oder sind gar selbst  Bauern oder Landvolk im weitesten Sinne und wissen die Zeichen des Himmels zu deuten – Morgen soll es wieder mies werden, vor allem im Westen (ich fahre Morgen Richtung Osten!:-)) . Im Doc-Center (Department of Conservation – Naturschutzbehörde) hing für Morgen sogar eine Sturmwarnung aus, die für die ganze Südinsel gilt , bei Campbridge soll es Windgeschwindigkeiten von 140km/h geben! Ihr seht, ich lebe in einem gefährlichen Land zz. Draußen hört man schon den Wind pfeifen und knattern – eine steife Brise und der Regen wird nicht allzu lange auf sich warten lassen fürchte ich (ich möchte Morgen gerne wieder mal einen Versuch machen, die Küste zu besuchen, dieses mal etwas weiter süd-östlich) - Je weiter ich südlich reise, desto kühler wird es. Hier in Te Anau, im Süden der Südinsel, ist es merklich kälter als im Norden. Insbesondere der Wind ist meist kalt, egal ob Westerlies (die sind auch noch stürmisch) oder Easterlies, beide kommen aus der Antarktis. Scheint die Sonnen, dann brennt sie hernieder, doch sie erwärmt die Luft nicht, so dass es, sobald man in den Schatten tritt, sofort kühl bzw. kalt ist. Regen im Sommer heißt hier auf 1500 Meter Höhe Schnee – an sonnigen Tagen ist dies sehr dekorativ, wenn man die Bergspitzen mit ihren Puderzuckermützen vor blauem Himmel sieht, doch hört der Spaß auf, wenn selbst im Sommer auf Wanderungen Lawinengefahr besteht. Viele Menschen gehen hier schwimmen – dies scheint also möglich. Aber selbst bei sonnigen Tagen gefriert mir einiges, wenn ich meinen Zeh in das (eiskalte ) Wasser der Flüsse und Seen oder sogar des Meeres stecke. Eigentlich geht das nur mit Neophrenanzug, der hier – wie ein Badeanzug – für viele Neuseeländer zur Standardausrüstung gehört. Ich habe das Gefühl – hervorgerufen durch das Wetter, als sei hier ständig (ein goldener) Spätherbst (nur die Tage sind viel länger, hier ist es hell bis ca 22 Uhr). Wandert man (oder treibt irgendeine andere Schweiß treibende Sportart), dann ist das Klima hier natürlich sehr angenehm, denn der ständig frische Wind erfrischt, die heiße Sonne wärmt, der Regen – nunja, der ist eigentlich nur nass und nach zwei Tagen ist man depressiv!

Aber das war meine Sache in den letzten Tagen nicht, denn das Wetter, wie gesagt, war ordentlich und so möchte ich noch über einige Unternehmungen schreiben, die ich hier in Te Anau gemacht habe. Te Anau ist das Tor zum Fjordland Nationalpark und der Te Anau See bildet die Grenze zwischen den südlichen Südalpen (die heißen hier wirklich so, weil sie von Österreichern im letzten Jahrhundert erforscht, kartographiert und durchwandert wurden). Obwohl sich die Südalpen entlang der gesamten Westküste der Südinsel durchziehen, hatte ich erst hier das Gefühl, in den Alpen angekommen zu sein. Ein probates Mittel für exilierte Süddeutsche, die z.B. in Australien leben, sich von ihrem Heimweh kurzfristig zu kurieren. Einige Täler kann man erwandern bis zu den Küstenfjorden, 2 Täler (alle Täler münden hier in Fjorden) sind durch Straßen erschlossen (und mithin touristisch leicht zu erkunden, was ich getan habe). Die Fahrt zum Milford Sound erinnerte mich Streckenweise ganz an das Hochtal vor Mittenwald, ein Passdurchbruch an die Scharnitz und die Taleinfahrt an das Garmischer Land – alles allerdings 500 Meter niedriger, d.h. es ist so, als würde das Meer anstatt des Murnauer Sees an de Gestade Bayerns tippen. Wirklich jeder erzählt einem hier, dass die Südinsel viel schöner als die Nordinsel sei. Gewohnt an die Alpen (die ich liebe) finde ich die Nordinsel im Fazit aber wegen ihrer geothermischen Aktivitäten und ihres vulkanischen Ursprungs viel exotischer und überraschender, unbefragt der Herrlichkeit der südlichen Landschaft, die hier im Raum Te Anau eine Mischung zwischen Alpen und Norwegen ist.

Gleich am ersten Tag – immer in Erwartung baldiger Regenmassen – machte ich meinen Ausflug in den Doubtful Sound. Doubtful – so genannt von dem uns schon bekannten James Cook, damals noch Lieutenant seines Zeichens und noch nicht Capitan von Rang (obwohl er die Endeavour schon führte). Cook segelte die Westküste herunter (nachdem er in Cooks Cove seine letzte Rast eingelegt hatte) und seine Mannschaft freute sich schon auf einen Landgang, als sie den Doubtful Sound entdeckten, denn so ein 40 km langer Fjord ist ja windgeschützt und prima zum Ankern, um frisches Wasser zu fassen und etwas zum Essen zu besorgen (oder vielleicht auch , um einige wohlgesonnene Eingeborene zu treffen – dies wäre aber voraussichtlich nicht der Fall gewesen, weil hier nur Maori auf der Suche nach Jade unterwegs waren und die wären ganz sicher nicht freundschaftlich gesinnt gewesen, mussten sie doch um den Erlös ihrer anstrengenden Reise bangen bei sichtbarer Konkurrenz), aber Cook entschied sich gegen einen Zwischenstopp, denn der hielt es für äußerst doubtful, ob er sein Schiff gegen die Westerlies wieder aus dem Sound herauskreuzen hätte können. Jedenfalls frustrerte er seine Leute und segelte mit ihnen weiter gen Westen, wo er nach sechs weiteren Wochen an Bord Australien entdeckte.
Ich für meinen Teil wollte hingegen den Sound erkunden. Dies geht allerdings nur auf einer touristisch organisierten Tour, die ich mir leistete (mein Konto sieht mittlerweile bedenklich aus!) Die Sonne schien bisweilen,  aber auch Wolken verdunkelten den Himmel  je näher ich (und unter mir das mich tragende Schiff) dem Fjordausgang Richtung Süd-Westen kam. Nachdem ich mit meinem Auto in den Nachbarort Manapuri geparkt hatte, direkt am Hafen, ging es auch sofort los über den Manapurisee für eineinhalb Stunden. Der Wind frischte auf und ich war froh, dass ich neben meiner Jacke auch noch einen Fleecepullover und mein Regenzeug dabeihatte, sonst wäre es doch recht kühl geworden. Danach kam der kulturelle Teil, denn zwischen dem See und dem Sound gibt es einen Landübergang und ein Gefälle von 178 Metern, dass zur Energiegewinnung mittels eines der größten Wasserwerke genutzt wird (gleiches Prinzip wie das Wasserkraftwerk am Walchensee). Dieses Wasserkraftwerk galt es anzuschauen, denn die Neuseeländer sind total stolz auf dieses Bauwerk, was in völliger geographischer Isolation gebaut wurde und somit als eines der größten technischen Wunderwerke hier gilt (vgl Österreich und Kapaun) – Als wir (ich und alle anderen Insassen des Touristenbusses) aus dem Tunnel, der uns in 20 Meter Tiefe gefahren hatte, hinaufkamen, da schien die Sonne, so dass die Fahrt über den Bergrücken hinunter in den Sound die wahre Freude war – eine herrliche Sicht auf den Sound, umgeben von urwüchsiger Landschaft, noch nie berührt von Menschenhand, wunderbar! Die Schiffsfahrt bei wechselndem Wetter dauerte dann immerhin hin und zurück 5 Stunden, die ich allesamt draußen auf dem Vorschiff zubrachte, nur unterbrochen von Tee- und Kaffeeladungen, die im Preis inbegriffen waren (das Fresspaket „Luxus“ war auch nicht schlecht). Eine Seehundkolonie haben wir besucht, Delphine und Pinguine gab es leider nicht zu sehen – aber man kann nicht alles haben, dafür sah ich 5 Stunden lang einen grandiose Landschaft, links und rechts steil aufragend mit schnellbedeckten Gipfeln allerorten.










Demgegenüber war mein zweiter Tag in Te Anau ein Sonnenmeertag und das wirkliche Highlight hier und ich hatte meine Freude an einem ganz speziellen Ausflug in den Milford Sound. Im Milford Sound selbst war ich nicht lange, habe auch auf eine weitere Bootsfahrt verzichtet und der Fussweg zum Wasserfall war gesperrt nach all den Regenfälltagen wegen Steinschlaggefahrt. Aber ich bin die ganze Strecke langsam abgefahren, bei jeder Besonderheit ausgestiegen, habe mehrere kleine Spaziergänge gemacht zu irgendwelchen landschaftlichen Schönheiten, die hier reich vorhanden sind und es war ein einfach herrlicher Tag. Kurz vor dem Homer-Tunnel (wenn man von Te Anau kommt, fährt man zuerst die Seitenmoräne entland am TeAnauSee und dann kommt man in einige Hochtäler, die vor Jahrtausenden ein Gletscher ausgeschliffen hat und schließlich nähert man sich dem Pass (The Divde), von dem aus man 3 Täler überschauen kann (und an dem sich 2 der insgesamt 9 great walks Neuseeland treffen), um schließlich nach einem letzten Hochtal im Talschluss auf den Homer-Tunnel zu stoßen, der die letzte Barriere vor dem eigentlichen Fjord, dem Milford Sound, darstellt.), als ich bereits auf dem Rückweg war und eigentlich noch eine ca. zweistündige Wanderung zum Key Summit hätte machen wollen, sah ich einen Kea, eine nur hier ansässige Papageienart am Parkplatz. Die Vögel sind hier verschrien als Clowns! Nicht scheu, einigermaßen einfallsreich, um an menschliches Essen zu kommen und recht helle. Also, den wollte ich fotographieren, nachdem ich eigentlich nur mal kurz angehalten hatte, um die herrliche Aussicht Richtung Sound zu dokumentieren. Schlussendlich habe ich dort mehr als 2 Stunden zugebracht, weil ein Camper, der hinter mir eingeparkt hatte, große Probleme mit seiner Batterie hatte und nicht starten konnte und mein Auto als Starthilfe benötigt wurde …













Jedenfalls gelangen mir im Zuge der verschiedenen Hilfsmaßnahmen, bei denen ich bestenfalls als freundlicher Zuschauer fungierte, denn ich habe von Elektrik keine Ahnung, noch einige lustig-gute Aufnahmen von dem Kea.






Gestern wollte ich eigentlich dann die Wanderung unternehmen auf dem Weg in den Fordland NP, zu der ich am Vortag nicht mehr gekommen war, aber ich war so müde, dass ich mein Auto auf einer Almwiese abgestellt habe und erst einmal drei Stunden vor mich hingeschnarcht habe bei geschlossenem Fenster, denn die hiesigen Sandflys sind wirklich eine Strafe des Herrn auf einer ansonsten von allem giftigen und gefährlichen Getier freien Insel. Diese giereigen Wesen (nur die Weibchen, denn die brauchen Blut, damit ihre Eier befruchtet werden können, so wie ich es verstanden habe) sind schnell und wendig und finden mit Sicherheit in kürzester Zeit genau das Fleckerl Haut, was man nicht mit einem spezeillen Repellent eingerieben hat. Sie kosten auch manchmal nur so im Vorbeiflug, aber i.d.R. beißen sie sich fest. Man merkt es, aber man sieht die Viecher nicht sofort, weil sie so klein sind. Allerdings lieben sie das Licht und wenn man die Autoscheiben hochkurbelt, dann finden sie sich bald an der Festerscheibe ein, so dass man sie relativ vollzählig zerdrücken kann. Aber bei manchen dauert es denn doch etwas zu lang, so hatten also 3 Totgeweihte doch noch eine Henkersmahlzeit an mir. Die Stiche jucken entsetzlich und dauerhaft und manchmal platzen sie auch auf – jedenfalls hinterlassen sie eine Anzahl von Narben – eines der wohl häufigsten Andenken an Neuseeland für viele Touristen. Da habe ich eigentlich Glück gehabe, dass ich noch im Frühfrühling hier angekommen bin, denn erst in den letzten 3 / 4 Wochen haben sich die Sandflys zu einer wirklichen Plage entwickelt. Insbesondere durch das regnerische, aber doch auch warme Wetter der letzten Dezemberwoche kamen viele von Ihnen ins Leben.

Heute war das Wetter durchwachsen und ich war faul und immer noch müde und habe bis 10 Uhr geschlafen, so lange, wie schon lange nicht mehr. Dann wollte ich unbedingt noch den Krimi zu Ende lesen und schließlich war es schon um 12, als ich endlich den Dreh bekommen habe und – Tja, fremdgewandert bin, denn ich bin eine Tagestour auf dem Keplertrack entlangmaschiert und zwar den leichtesten Teil entlang des Flusses, der TeAnauLake und Manipurilake miteinander verbindet. Schnell wurde über das Hostel ein Busabholdienst organisiert, so dass ich  nur in eine Richtung gehen brauchte um dann abgeholt zuwerden beizeiten. Alles war sehr bschaulich und gemütlich und es war eine wunderbare kleinen Wanderung entlang des schnell dahinfließenden Flusses. Der Track ist wie alle offiziellen Wanderwege hervorragend ausgebaut und leicht zu finden und heute ging es ja kaum einen Berg hinauf – nur maximal 50 Meter rauf und runter parallel zum Fluss für ca. 3 Stunden (9,5 km). Der Urwald hier ist viel lichter als im Norden, der Boden ist mit Farnen und Moosen bewachsen, darüber wachsen hohe Bäume auf geraden Stämmen mit feinem Blättergeflimmer, die Sonne kommt leicht bis zum Waldboden, der herrlich federnd des Wanderers Füße schont. 








Zum Schluss noch das Nicoletta-Getier:


1 Kommentar:

  1. Danke fürs "Nicoletta"-Getier! :-) Ist echt nett!
    Hübsch ist auch das Cathrin-in-Bayern-Bild :-p
    Cook wurde auf Hawaii aufgegessen. Hab ich in dem spannenden Buch gelesen, was ich Dir empfohlen habe...Aber da willste ja eh nicht hin...In Papua hättest Du noch Chancen, das Topffeeling zu erleben, da hab ich auch mal so nen superspannenden Bericht über ne alleinreisende Engländerin gesehen, die in ihrem Häusle bei der Urbevölkerung unter der Decke hängend ein kleines, stinkiges Knochensäcklein fand. Sollte der Projekttag "Asien" zum Thema haben, könnte das doch ganz interessant werden: Bau Dein eigenes Knochensäcklein oder so. Dann legen wir Hünchenteile drei Tage in die Junisonne und präsentieren sie am letzten Tag :-) Gerade war Am hier und wir haben uns Projekte überlegt. Ich find Schattentheater super ... oder das Basteln eines riesigen chinesischen Neujahrsdrachen (das Problem ist die Kohle). Und wenn mir nichts einfällt tanze ich diesmal Bollywood ;-)
    Morgen ist Haj hier. Habe auch gerade Muffins gebacken, weil der mich bisher auch immer mit Kuchen bewirtet hat. Am war Testesser, sagte, die sind lecker. Auch Dr-Oetcker-Backbücher ist Verlass.
    Morgen beginnt das Abitur.
    Hadere immernoch, welche Kamera ich mir zulege...
    Ansonsten plagen mich kleine Alltagsprobleme wie Krankenkasse, überteuerte Arztrechnungen, der BER-Flughafen (neuester Witz: "Kennste den? In Berlin wird ein Flughafen gebaut.")Ich bin kein Freund der Grünen, aber endlich reagiert in Berlin mal einer auf das Desaster.
    Sag, wie lange noch NZ? Bernd Ks Kinder sind auch da.
    Bleibst Du da jetzt für immer :-) ? Komme dich dann nächstes Jahr besuchen! Lg nico

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