Dienstag, 15. Januar 2013

Neuer Blog vom 15.01.


Blog 14.01.2013
Zwischenstation in Omaru (ca. 100km nördlich von Dunedin – Ostküste, Süd-Island NZ) Das Wetter ist wechselhaft, immer auf der Kippe zum Regen, der aber zum Glück oft nicht kommt. Stattdessen hin und wieder sogar ein paar Strahlen der Sonne. Eigentlich wollte ich ja der Kälte und der Nässe ein Jahr entkommen, denn in meiner Stimmung bin ich doch sehr abhängig vom Sonneneinfluss (oder eben nicht!). Daraus ist dank Neuseelands nun nichts geworden. Der Sommer hier ist dieses Jahr extrem schlecht. Das Wetter wankelmütig bis nass, so dass eine Unternehmensplanung outdoor kaum möglich ist, wenn man nicht durch den Regen stiefeln will. Trotzdem: Wenn man nichts weiter zu tun hat, als seine Umgebung zu entdecken (auch, wenn die erhoffte Flexibilität kaum möglich ist – so habe ich heute meinen Aufenthalt hier in Omaru verlängert, muss aber natürlich voll meine Nacht im Hostel in Mount Cook bezahlen plus Strafbonus von 5 Dollar, also eine teure Nacht, außerdem sehe ich die Anfahrt – eingedenk der Wetterprognose – zum Mt. Cook Morgen nur im Dauerregen! Aber nunja – ich habe es versucht!)

Jedenfalls hier an der Ostküste gibt es endlich Tiere zu gucken und zwar mit großer Sicherheit. Die Seesäugetiere Pelzrobben und Seelöwen und die diversen Pinguinarten (4 gibt es hier in NZ) sind absolut ortsbeständig. Man muss also nur zu einer bestimmten Tageszeit bzw. Jahreszeit vorher checken an einen bestimmten Ort gehen, fahren, wandern etc. und da sind sie – die Tiere. Nicht immer in Massen, aber doch in erklecklicher Anzahl. Es wundert mich, dass die Pelzrobben die jahrelange Nachfrage nach ihren Pelzen überstanden haben, denn es ist nichts leichter als sie abzuschlachten. Sie haben einen ähnlichen Biorhythmus wie ich, also tagsüber bequemes Schlafen und ab Dämmerung kommt dann die Lebensfreude und –aktivität auf, d.h. für Seemammals, dass sie über Tag wie die Patten auf irgendwelchen Felsen „ausruhen“, also in unterschiedlichen Positionen fast unbeweglich auf Felsen vor sich hindösen (Sensation, wenn eine Robbe mal aufblickt oder sich sogar in Positur wirft) – die Seelöwen liegen stattdessen am Strand und bewerfen sich in regelmäßigen Schwüngen mit Sand als Schutz vor den Insekten, sind also wesentlich aktiver als die Pelzrobben. Ebenso wie die Seeelephanten präsentieren sich alle Meeressäuger also tagsüber gut sichtbar auf den immer gleichen Plätzen, normalerweise leicht mit jedem Padelboot zu erreichen (heute natürlich ausgeschildert durch den DOC und leicht mit Auto, zu Fuß oder mit dem Rad (falls man lebensmüde ist) anzusteuern.). In der Dämmerung hüpfen, schlurfen, bewegen sich irgendwie ins Wasser, wo sie mit eleganten und schnellen Schwimmbewegungen überzeugen und auf Futtersuche gehen, die hier an der Ostküste reichlich ist, da das Landschelf rasch abbricht in eine tiefe Meeresschlucht (Überlebensraum der Junggesellen-Pottwale), im Fallgebiet gibt es super leckere Sachen (aus Sicht der Robben und ebenso aus meiner!).Hier noch einmal ein paar Nachschläge von den diversen Kuschel-Möglichkeiten, Pelzrobben auf Felsen zu betten:







Außer diesen Tieren sieht man ohne Schwierigkeiten ebenso Pinguine an Land – zwar nicht so viele, aber doch an den ausgezeichneten Plätzen noch ausreichend; die sehr seltenen Gelbaugenpinguine habe ich zweimal gesehen (einmal 17, ein anderes Mal 4 Exemplare) und gestern wartete ich  - gegen gutes Geld in diesem Fall – auf die nächtliche Ankunft der kleinen Blau-Pinguine (wie ich gelernt habe, die kleinste Pinguinart, ca. 1 kg je Tier). Also das war ein Vergnügen. Die drolligen kleinen Kerle leben hier in zwei geschützten Kolonien (eine ist geöffnet für die zahlenden Touristen), in denen ihnen sichere Nistplätze zur Verfügung gestellt werden. Brutzeit ist eigentlich das ganze Jahr, aber Oktober bis Februar ist hier am Strand die meiste Action. Die Eltern legen i.d.R. zwei Eier, dann wird bebrütet und sobald die kleinen Pingus geschlüpft sind geht ein Elternteil während des Tages auf die Futterjagd, während der andere Elternteil bei den Kleinen bleibt – die beiden wechseln ganz partnerschaftlich orientiert regelmäßig jede 5 Tage oder so. Jedenfalls jagen die Pinguine über Tag im Meer, treffen sich dann aber ca. 500 Meter vor der Küste in festen Gruppen und landen dann in eben jenen Gruppen an. Das war äußerst erstaunlich anzuschauen. An dem kleinen Kieselstrand strandeten also etwa halbstündlich Gruppen von 20 bis 40 knuffigen, kleinen blauen Pinguinen, man konnte sie schon ca 200 Meter im Meer draußen erkennen, da einige teilweise in die Luft hüpfen (sieht aus wie Delphinschwimmer) und dann rasen alle pfeilschnell auf den Strand zu und lassen sich anspülen durch die Wellen (mehr oder weniger, einige brauchen mehrere Wellen zur unterstützung). Dann rappeln sie sich schnell auf und laufen schnell den Strand hoch zu den Felsen die ihnen gute Deckung bieten. Dort bleiben sie erst einmal gruppenweise stehen, putzen sich, streiten sich, kommunizieren irgendwie miteinander und tun eigentlich sonst nichts. Erst wenn die nächste Gruppe anlandet und an der genau selben Stelle sich putzen, streiten, kommunizieren will, dann rückt die erste Gruppe beherzt weiter vor, nämlich auf das einzig freie Gelände (das frei gemacht wurde zur Freude und Erbauung der dem Spektakel beiwohnenden Touristen), das erst vorsichtig beäugt und auf Feinde kontrolliert wird (das gelbe Licht , mit dessen Hilfe die Zuschauer die Tiere sehen, soll für die Pinguine nicht wahrnehmbar sein) um dann im Eilschritt oder auch schlitternd oder in Folge der schnellen Schlitterung auch kugelnd überquert zu werden bevor die Tiere sich auf ihre Nester verstreuen (die Gruppenmitglieder haben jeweils ihre Nester eng beieinander, das scheint der Grund für ihre Gruppenbildung zu sein) zu ihrer laut schreienden Brut zu watscheln, nein, eher zu streamen. Die Küken sind deutlich – auch für das menschliche Ohr – zu unterscheiden an ihrem Gebrüll, das individuell zuordnenbar ist. Das ganze Schauspiel – in ziemlicher Kälte (ich hatte einfach alles an, was ich anziehen konnte übereinander) durchgeführt, dauerte etwa 2 Stunden, bevor ich den Rückzug ins Hostel gegen 11 Uhr anpeilte. Heute Abend versuche ich das Ganze noch einmal zu sehen ohne Eintrittspreis, denn nicht alle Pinguine halten sich im Reservat auf, sondern viele nesten auch entlang des endlosen Strandes von Omaru – bei den Eisenbahnlinien soll es jeden Abend einige Irrläufer zu sehen geben – vielleicht kann ich dann auch Fotos machen, denn beim DOC ist das offiziell verboten, weil einige Hirnis die Tiere mit Blitzlicht verschreckt hatten Dabei kann man ganz gut, wenn die ersten Tiere anlanden, Bilder machen – ich werde sehen. Jedenfalls stand der ganze gestrige Tag unter dem Zeichen der Tiere. Ab Mittag war ich bei den Pelzrobben und den Shags und der Möwenkolonie (deren Verhalten mich etwas an Hitchcocks „Vögel“ erinnerte, wenn man sich annäherte, obwohl die Kücken schon recht flügge sind) und abends dann meine Dosis Pinguine – rundum befriedigend!!!
Ansonsten war Fotographieren verboten - also es gibt nur Bilder in meienm Kopf! Der abgebildete Pinguin ist ein Gelbaugenpingu von den Catlins - aber ich wollte Euch nicht so ganz bildlos lassen



 Aber noch anderes Getier habe ich in den letzten Tagen gesehen - meien stolze Ausbeute präsentiere ich Euch hier:









Bevor ich die Küste weiter nach Norden gefahren bin, habe ich 3 Tage Halt gemacht in Dunedin und dabei u.a. eine Zugfahrt erlebt ins Ortago Hinterland, dass ich am Tag vorher schon einmal (auf anderen Streckenführungen) besucht habe - hier einige Impressionen von den Landschaften










Heute habe ich – wider Erwarten, da ich in einem 4-Bett-Share-Room eingecheckt habe – ein Einzelzimmer erwischt, denn keiner ist sonst hier in diesem Raum einquartiert (ändert sich vielleicht heute Abend noch, aber so ist es sehr angenehm). Ich habe mir zuerst einmal schnell meine Haare gefärbt  (was zu meinem Frust in den letzten Wochen nicht möglich war) und muss auch sonst noch einiges machen mit dem PC zur Reiseplanung (Visa, Hotels, Ausdrucke vorbereiten etc.)und zur Planung, wenn ich nach Deutschland zurückkehre. Alles, was Technik betrifft und Zuhause problemlos ist, muss ich hier doch minuziös planen und mein Augenmerk darauf ausrichten, angefangen bei dem ständigen Kampf beim Rechargen um die meist einzig verfügbare Steckdose, keinen Drucker, Internet ….Manche Dinge dauern Tage (z.B. ist meine Jugendherbergskarte ausgelaufen am 31.12. und meine neue Karte ist mir natürlich nicht nach Neuseeland geschickt worden – die neuen Karten werden aber auch erst ab November ausgestellt -, so dass ich bereits Anfang Dezember bei Jugendherbergswerk angefragt habe mir eine entsprechende Bescheinigung per Mail zu schicken. Mit einigem Glück werde ich in dieser Woche diese Bestätigung meiner Mitgliedschaft irgendwo (wahrscheinlich in Christchurch) ausdrucken können. ). Also ich habe endlich mal einen Ruhetag eingelegt und habe dazu auch die entsprechende Privatsphäre – wie angenehm. Glück hat so viele Facetten! Ich sitze hier in einem angenehm baufälligen Holzhaus in ersten Stock in einem Erker mit riesengroßen Fenstern, schaue auf einen Rasen auf dem ein einzelner Hostelgast liest, sehe Autos die Straße (#1) in einiger Entfernung (weit genug weg um nicht zu stören, solange ich das Fenster nicht auf mache) entlangfahren, sitze im Warmen (Elektroöfchen angemacht), habe mein Heimatpaket gepackt (aufs Gramm, denn alles kostet!), in dem ich meine Wanderstiefel (die mir nur Blasen beschert haben), Reiseandenken, Reiseführer, Wanderstöcke nach Hause zurückschicke und werde noch einiges über meine Weiterreise lesen, mailen, telefonieren, nähen (meine Ausbesserungsarbeiten habe ich schon geleistet ), Schuhe putzen und Wäsche gewaschen, meinen Koffer für den Weiterflug neu gepackt und ausgemistet usw. Nun steht noch wichtiger Schreibkram an und dann ev. noch Pinguinsuche – ein weitere angenehmer Tag!

Das animiert mich, hier ein Resumee meines Neuseeland-Aufenthaltes durchzuführen. Mein Aufenthalt hier war angenehm, ist es immer noch. Das Wetter, über das ich oft geklagt habe, hat aber auch den Vorteil, dass es nicht tropisch ist, also nicht zu heiß für Outdoor-Aktivitäten und meist angenehme Luftfeuchtigkeit. Ich bin natürlich so ein Wetter wie hier gewöhnt. Die Sonne (falls sie scheint) scheint etwas heißer, der Regen fällt katastrophenartig viel (im Milford-Sound = Westküste der Südinsel, an der es 200 Tage im Jahr regnet und zwar mehr als 6 Meter Regensäule!!!), aber insgesamt ist das Klima hier sehr vergleichbar und damit bin ich körperlich – trotz Übergewicht und Alter – gut adaptiert. Alles, was ich mir angeschaut habe – und das war doch viel – hat mich erfreut, war ungewöhnlich und außergewöhnlich – ich bin beeindruckt. Den Städten mangelt es rundherum an Flair und insgesamt an Kultur, ein Land zum Einwandern wäre deshalb Neuseeland – trotz seiner umwerfenden Landschaft – für mich nicht, ich bin doch eine Citypflanze! Die Küche ist ziemlich rüstig und gewöhnlich (Fish and Chips) und gutes Essen bekommt man nur an einigen Orten und dann zu horrenden Preisen. Fisch und Austern und ähnliches Getier gibt es allerdings gut verfügbar, oft an Pommesbuden – lecker!! Sehr gut ist durchgängig aber das japanische und indische Essen (Einwanderer!), auch Chinesisch bekommt man hin und wieder (obs gut ist weiß ich nicht, da nicht probiert). Besonders beeindruckt haben mich die Pflanzen- und – im Süden – die Tierwelt! Obwohl es vergleichsweise wenige Tiere hier gibt. Die Ruhe in den Wäldern ist während der Wanderungen oft bedrückend, man hört nur den Wind oder etwas Wasser, aber kaum Insekten (nie hätte ich gedacht, dass ich dieses Getier einmal vermissen würde – nun ja, in Asien wird es ja wieder genügend Gevölk geben) oder gar Vögel. Hört man Vögel, dann nur Einzelexemplare, jedes Tier wird zur besonderen Begegnung, ja zur Sensation! Natürlich gibt es Haustiere, vom Menschen importierte Tiere, wie Schafe und vor allen Dingen Kühen/Rindern zuhauf. Auch Pferde sieht man oft, manchmal Hunde, seltener Katzen oder Schweine. Aber das ist eben nicht nonchalente im Vorbeigehen zufällig und das Gemüt erhebend. Die Menschen sind angenehm! Höflichkeit ist hier nicht nur eine Zier, sondern eine Selbstverständlichkeit (ganz im Gegensatz zu vielen jungen Deutschen, die noch nicht einmal wiedergrüssen!?) Endlich ein Land, in dem Danke, Bitte, Entschuldigung zu sagen normale Umgangsformen sind, tägliche Rücksichtsnahme alltäglich ist – wunderbar.Es wir gekjut beim Bus, der Busfahrer wird begrüßt und man bedankt sich nach erhaltender Serviceleistung bei ihm, die menschen sind behilflich und hilfsbereit, aufmerksam gegenüber Fremden und rücksichtsvoll im Umgang ganz allgemein. Gleichzeitig herrscht das Gebot der Toleranz und alle Menschen tragen sich in ihrer Individualität. Geeint werden alle durch die englische Sprache (im Gegensatz zu den USA sprechen hier die Chinesen sogar in der ersten Generation der Einwanderer schon Englisch) und ihren Stolz auf ihre Republik. Das international zusammengewürfelte Völkchen lebt hier etwas ab von der Welt, aber in genauer Kenntnis der Welt (die Neuseeländer reisen viel, haben internationale Verwandtschaft (sehr repräsentativ erscheint mir Rosi von dem Hostel in Te Ataun: Sie ist irischer Abstammungs, ihre Vorfahren wanderten nach USA und Australien während des eines der diversen Goldräusche ein. Ihre vier Kinder sind liiert bzw. verheiratet mit einer Malaiin, einer Deutschen, einer Chinesin und einem ersteingewanderten Polynesier) und haben überwiegend auch schon im Ausland für eine Zeitlang gelebt), trotzdem ist Auswanderung nicht nur ein Schlagwort – ich sprach mit vielen älteren Neuseeländern, deren kinder in Australien, USA oder Kanada oder im Pazifik leben, weil es hier in NZ wenig Jobopportunities gibt. Das Land ist agrarisch geprägt und stolz darauf. Meinem Eindruck nach zeichnet die Neuseeländer ein lakonischer Humor aus – zusammengefasst: Man lebt gerne hier, man hat gerne Nachbarn, aber bitte hinter einem Gartenzaun oder sonst einem Zaun, der das eigene Land abgrenzt! Gleichfalls geprägt ist das Land vom Meer, denn eine Küste ist – egal, wie hoch man sich befindet (es gibt immerhin 27 Dreitausender allein auf der Südinsel) – nie weiter weg als eineinhalb Stunden mit dem Auto (was man hier allerdings auch braucht, denn der öffentliche Verkehr ist bestenfalls unorganisiert, wenn nicht chaotisch zu nennen). Da das Land ziemlich teuer ist, auch für Europäer, die das ja eigentlich nicht gewöhnt sind, sollte man seinen Aufenthalt gut planen wenn man älter als 30 Jahre alt ist (die Jüngeren haben ein work and travel Visum und haben Zeit und Vierdienstmöglichkeiten zuhauf), aber in jedem Fall sollte man einen Aufenthalt planen. Für mich war und ist es eine Freude, hier zu sein. Ich fühle mich wohl hier, würde auch gerne noch etwas länger bleiben….Denn die Naturwunder (Vulkane, Erdbeben, Geothermik, Meerestiere, Farne, Bäume ….) sind so zahlreich, so außergewöhlich, so begeisternd, so dass ich hier noch einige Zeit verbringen könnte, zumal auf den vielen sehr gut ausgebauten Tracks, das würde mir viel Spaß machen (nur das Wetter sollte etwas besser sein). Vielleicht nach der Pensionierung! Aber falls nicht – es hat sich in jedem Fall gelohnt, hier zu sein!

1 Kommentar:

  1. Das war ja mal ein toller NZ-Rundumschlag am Ende! Das HUndesteinchen, die Seelöwen, die Landschaft - allesamt klasse Bilder, wirklich wunderschön, der PInguin im Sand ist auch super fotografiert. Dann guten Weiterflug und schön, dass Dir das alles so guit gefallen hat. Hoffentlich wird der nächste Stop auch so toll, das jedenfalls kann dir keiner mehr nehmen.
    Deine Nico

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über einen Kommentar!