Sonntag, 13. Januar 2013

NEU am 13.1.


Meine Lieben, gestern (mittlerweile ist es 5 Tage später, aber zwischen zeitlich war keine Chance Internet zu bekommen!) ist es passiert! (Naja, meiner großen Liebe bin ich noch nicht begegnet, aber…) Wider jeder Erwartung und Hoffnung begegnete ich in den Abendstunden endlich einigen frei herumlaufenden Pinguinen und zwar jenen der seltensten Art, nämlich den mit den gelben Federn in der Stirn. Mein Herz schlug wild und mein Atem stockte meist komplett, weil ich vergaß zu atmen. Wie nicht anders zu erwarten, regnete es in Strömen (wie schon den ganzen Tag) und ich kam gegen 19 Uhr in meinem Hostel an der südlichen Ostküste an. Die Wirtin meinte nur, sie (=die Pinguine) kommen jetzt an Land und bevor ich mich´s versah, habe ich mir schnell meine Regenhose, Regenjacke und meinen breitkrempigen Hut übergestülpt und los ging´s. Ich war der erste Besucher am Ort des Geschehens. Das Tageslicht war eingetrübt ob der Kübel voller Wasser, die über der neuseeländischen Menschheit offenbar zu jeder Jahreszeit ausgeschüttet werden, aber ausreichend hell, den Ort in Augenschein zu nehmen: Es handelt sich nämlich auch um einen außergewöhnlichen Ort, eine Küstenbastion, die aus versteinertem Wald besteht. Von der Aussichtsplattform sah man nichts, aber unverdrossen stieg ich die Stiegen zu den Felsen hinunter und stellte mich zuerst einmal in den Regenschutz der Treppe (der nicht ganz hielt, was er versprach, da zwischen den Holzlatten Zwischenräume waren), damit erstens die Linse meiner Kamera nicht voll mit Regentropfen wäre – und damit die Bildqualität eine gewisse Qualitätseinbuße hätte hinnehmen müssen – und zweitens die Kamera nicht vollends ihren Geist aufgäbe ob der in sie eindringenden Nässe (das Blitzlicht funktioniert nicht mehr seit der letzten Robbenkolonie, die ich an der Westküste besucht habe). Aber egal jetzt, mein Blick schweifte umher und sah zuerst nichts. Aber ich hörte neben den Möwen andere Laute – junge Pinguine schreien nach ihren Eltern, die mit dem Futter, dass sie über den Tag gesammelt haben im Meer, zu ihnen unterwegs sind nun in der Abenddämmerung. Da …. Ein weißer Punkt, ein sich    b e w e g e n d e r    Punkt! Ziemlich weit weg, aus Richtung Meer sich aber nähernd. Sofort – allen Regen missachtend – habe ich meine Kamera in Anschlag gebracht und tatsächlich, mit maximaler Zoomkraft ist ein PINGUIN zu erkennen. In meinem linken Augenwinkel bewegt sich etwas im sich den Klippen hinneigenden Grünzeug – tata – ein zweiter Pinguin betritt die Bühne des Geschehens. Während der Regen weiter wütet und im Hintergrund dramatische Wellenkonstellationen sich an den Felsen brechen, habe ich nur Augen für die Pinguinhandlung in meiner Nähe. Die beiden Akteure treffen aufeinander, scheinen miteinander zu kommunizieren bevor sie sich in Hab-acht-Stellung  - die Flügel wie Weihnachtsengel ausgebreitet - gegeneinander stellen. Ein dritter Pinguin entsteigt dem Meer und hoppelt in meine Richtung – ich kann mein Glück kaum fassen. Mittlerweile kommen immer mehr Leute, neben einem spanischen Paar, zwei englische Freundinnen und ein paar Holländer, von denen eine Dame alle herumstehenden Anschlagtafeln, die über das Leben der Pinguine und ihre Seltenheit und ihre Schutzmaßnahmen erzählen, ziemlich laut ins Holländische übersetzt (soweit ich verstehe, einigermaßen fehlerfrei, obwohl sie offensichtlich einige Vokabeln nicht weiß). Derweil hüpft der Neuankömmling näher und schnattert, er scheint etwas, jemanden zu suchen und tatsächlich kommt ein weiterer Pinguin aus dem Grün (also sitzen die Jungen in der Felsabdeckung und das wachende Elternteil kommt dem Fressen einsammelnden Elternteil entgegen) und die beiden treffen sich und scheinen sich zu begrüßen in einem geordneten Ritual, das  in ausführlichem Putzen mündet. Insgesamt werde ich an diesem Abend 17 Pinguine zählen – ziemlich viele, wie mir später eine Dame im Hostel mitteilt garniert mit dem Kommentar „Hoffentlich erholt sich die Population weiterhin – ich habe dort nie mehr als fünf oder sechs auf einmal gesehen!“ Ich bin mittlerweile am Ausflippen, habe schon zwei Einminütige Filme mit Pinguinen als Hauptdarstellern gedreht des Inhalts, dass die Akteure sich schlicht bewegen, also laufen, hüpfen, rutschen oder sonst wie ihre Position verändern. Der Wind spielt hervorragend mit, indem er einschläft (ist ja auch die richtige Tageszeit dafür, zum Schlafen meine ich). Irgendwann nach einer halben Stunde merke ich, wie durchgefroren ich bin und nass trotz des Regenzeugs. Da hilft nur eine warme Dusche und en schön heißer Pfefferminztee mit Milch. Was für ein Erlebnis!




So verheißungsvoll hat der Tag gar nicht begonnen Eigentlich sogar genau das Gegenteil. Die lange Strecke, die mir bevorstand, würde keine Erlebnisse bringen, denn natürlich kann man wegen des Regenfilms keine Landschaft erkennen, alles sieht der belgischen Küste im Spätherbst ähnlich (von den fast dreitausend Meter hohen Bergen ahnt man NICHTS): Weiden mit Kühen und Schafen drauf und sonst nichts außer Betrübnis. Sogar die zahlreichen Schafe, die endlich in der Mehrzahl gegenüber den Kühen sind, blicken, kniehoch im triefend nassen Gras stehend, ratlos, konsterniert in jedem Falle aber mutlos in der Gegend herum, aus ihrer Wolle tropft es traurig hernieder, das Grün, vor Grünheit strotzend, bleibt ungefressen. Ab und an erahnt man bodennahe Feuchtigkeit im Konzentrat, also Flüsse, Meeresstrand oder Überschwemmungen. Die größte Sensation passiert um die Mittagszeit, als ich …. Durchfahre, dass mich stolz als Hauptstadt der Wurst begrüßt. Ich kaufe in der Metzgerei am Straßenrand („alles hausgemacht“) drei Würste – Honig-Minze geschmacklich grundiert und bin fasziniert von dem Fleischer, der wirklich wie ein Fleischer aussieht – grob, großporig, rotgesichtig, übergewichtig, haarlos, schweissnass, Schnauzer, riesige Pranken, nur die blutverschmierte Schürze fehlt (er trägt eine saubere Schürze, nur einige Knicker drin). Jedenfalls scheint er etwas von Würsten zu verstehen, die sehen gut aus. Und seine zupackende Art, den Stolz, den er über seiner Arbeit verspürt, das ist ansteckend optimistisch für den Tag. Also doch nicht umsonst gelebt! 

Überhaupt: Der Stolz auf die Arbeit hier, die Landwirtschaft! Nicht zufällig labeln sich die Orte hier als Hauptstädte von irgendwas, was man aus dem Boden ziehen kann oder aus Tieren herstellen kann. Die Kapitalen der Süßkartoffel und der Karotte habe ich schon erwähnt. Auch die Hauptstadt der gumboots war mir bereits der Erwähnung wert. Aber eigentlich eher im Spaß oder fatalistisch (je nach Wetterlage), aber mal im Ernst – diese Titel werden hier tatsächlich stolz getragen. Farmer zu sein ist eine durchaus prestigeträchtige Tätigkeit, andererseits erwirtschaften 10 Prozent der in der Landwirtschaft Beschäftigten 58 Prozent des derzeitigen Bruttoinlandprodukts! Schafe sind, seit die Nachfrage nach Wolle ins Bodenlose gesunken ist, nicht mehr das Non-plus-ultra, sondern haben bereits ein historisches Aroma, aber als touristischer Spaß für die Familie (Schafschurwettbwerbe, Schafrodeo, der Tag auf der Farm, Wettbewerbe der Hütehunde u.Ä. ) reichen sie allemal. Andererseits frage ich mich, was man hier sonst so beruflich machen kann. Es gibt praktisch keine Industrie. Bodenschätze gibt es kaum (Gold, Silber, Jade, Arsen, Kohle – alles Verlustgeschäfte und nicht von langer Dauer. Ihre einzige historisch zu rekonstruierende Funktion bestand in der Erschließung des Landes, denn Städte (na ja?) wurden gegründet, Bauern und Baumfäller folgten, die fortan das Wirtschaftsgeschehen dominierten. Dienstleistung wird zwar groß geschrieben, verkauft wird aber kaum Selbstproduziertes. Handelt es sich tatsächlich um etwas in Neuseeland Hergestelltes, dann hat es auch sogleich seinen Preis, vor allen Dingen aber, dann hat es einen „Label“ der verkündet „proudly produced in Neuseeland“ Einfach mal 2 Bilder von der Stimmung hier:



Habe noch ein paar Bilder von den Seelöwen, die ich zwischenzeitlich gesehen habe, hinzugefügt. Cathrin




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