Zuerst: Liebe Karo, danke für Deine Sprachnachricht - schade, dass wir uns nicht haben sprechen können, ich hatte keine Info, dass Du dran warst - ich war indeed viel am Internet die letzten zwei Tage! Dir retour alles Liiebe - pflege Dich und gedeihe!
Und hier nun die Nachrichten für alle:
Einige Nachträge gibt es bereits zum gestern Geschriebenen.
So habe ich im AA-Heft (AA = das neuseeländische Äquivalent zum ADAC) einen informativen Text zur Ortschaft
Blackball gelesen, die die Touristen animieren soll, dort Station zu machen.
Neben der Tatsache, dass Neuseeland diesem Ort die Gründung der nationalen
Kommunistischen Partei verdankt infolge eines Bergarbeiterstreiks1908, die für
eine halbstündige Mittagspause erfolgreich kämpften (die Informationstafeln zu
diesen beiden Ereignissen stehen neben dem lokalen Hilton Hotel (sic)), heute
hingegen von der Produktion von Salamiwürsten wirtschaftlich überlebt, kann man
als Tourist heutzutage „enjoy a game of tennis, go gold panning (the famous
Croesus Track takes you from Blackball across the Paparoa Range to Barrytown)
or possum hunting at night.
Im selben Heft wartete eine Überraschung auf mich, nämlich ,
das es hier an der Westküste (trotz 300 Regentagen im Jahr)1845 Stunden
Sonnenschein geben soll und damit liegt diese Gegend – gemessen in Sonnenscheindauer
– zwischen München (ca. 2200 Stunden) und dem Westerwald mit 1445
Sonnenscheinstunden! Das kann ich nach den letzten Tagen kaum glauben, denn
obwohl der Westerwald ja nun fürwahr ein Regenloch ist (im Jahre 2100 soll es –
insofern die Wetterveränderungen weiterhin anhalten – zu den einzigen drei
Regionen in Deutschland gehören, in denen noch keine Versteppung stattgefunden
haben wird, sondern noch Grünland (DANK REGEN UND BASISFEUCHTIGKEIT) vorherrschen
soll: Häuslekäufer – ihr investiert in eine Goldgrube!), erscheint es mir hier
noch nässer. Erklärungsmöglichkeit: Die 2575 mm jährlicher Regenfall brettern
hier genau dann herunter, wenn ich hier bin!
Einige Worte seien hier noch gesagt zum Verkehr in
Neuseeland, denn ich bin ja nun mal ständig unterwegs und stehe inmitten der
verschiedenen Verkehrsströme. Viele Neuseeländer glauben, dass ihr
Straßensystem nicht auf dem neuesten Stand sei. Meine Erfahrungen sind ganz
andere nach fast 9000 km Streckenfahrten in diesem Land. Bedenkt man, dass hier
auf der Fläche von Deutschland nur 4,5 Mio Menschen leben, die nur etwa 20
Prozent Einkommenssteuer zahlen (und ansonsten nur kleine Versicherungsbeträge)
und dass das Gesunheits- und Pensionssystem hiervon bezahlt werden, dann bleibt
eigentlich nicht mehr viel Geld für ein ständig auch zu völlig entlegen
situierten Farmen und Örtchen zu unterhaltenes Straßensystem. Manchmal werden
Straßen aus Kostengründen denn auch geschlossen (im Wanganui-NP habe ich einen
solchen Fall erlebt – ihr erinnert Euch vielleicht noch an die Brücke ins
NOwhere), aber die vorhandenen Straßen sind gut in Schuss – ständig trifft man
auf Straßenbauarbeitstrecks, Felsfälle und Washouts werden innerhalb von
Stunden entdeckt, gesichert und beseitigt! (Aber auch normale Autofahrer steigen
schon mal aus, um irgendwelche Steinbrocken von der Straße zu räumen). Es gibt
sinnvolle ökonomisch bedingte Einsparungen, so gibt es z.B. praktisch keine
Autobahnen, so dass die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit doch recht lang
ist (wenn man denn kein Tourist ist und es eilig zu einem bestimmten Ziel hat –
Stücke von Autobahnen habe ich eigentlich nur in Auckland und in einer aneren
Stadt südlich des Coromandel gesehen – sonst nirgends) – dafür wird wechselnd
immer mal wieder eine Überholspur eingeräumt oder auch – im Gebirge – eine
Haltebox oder eine kurze „Langsamfahrerspur“ bereit gestellt. Auch Bäche und
Flüsschen werden i.d.R. von einspurigen Brücken uberspannt, daran gewöhnt man
sich aber schnell (die Kennzeichnung, wer wem die Vorfahrt zu gewähren hat, ist
eindeutig). Es herrscht generell ein kontinuierlicher, aber kein dichter
Verkehr (da die Verkehrsdichte sehr gering ist, findet man auch überall leicht
Parkplätze). Da die Richtgeschwindigkeit bei 100 km/h liegt, fährt man auch
längere Strecken immer in Cohorte, da jemand, der 120 km/h fährt hier schon ein
Rowdy-driver ist und das kommt kaum vor, soweit ich es beurteilen kann (Es gibt
Warnschilder, dass Alkohol am Steuer – die Werbefigur ist hier
bedeutungsschwanger ein Maori – zu Unfällen infolge überhöhter Geschwindigkeit
führt). Das gesamt Land ist gut mit Straßen zu erreichen, die jedoch – da
alternativlos – auch zu benutzen sind. Um bestimmt Orte erreichen zu können,
muss man häufig Stunden um irgendwelche Berge oder entlang hübscher Küstenwege
fahren – es gibt keine kürzere Verbindungsmöglichkeit. In den Städten (?, na
ja, den größeren Dörfern) darf man 50 fahren, davor 70 und generell 100 –
letzteres ist oft gar nicht möglich, denn gelbe Schilder mit schwarzer Schrift
machen einen auf die MÖGLICHE Geschwindigkeit aufmerksam, meist in der Range
zwischen 25 bis 65 und d.h., dass man maximal 10 Stundenkilometer schneller
fahren kann, sonst trägt es einen aus der Kurve, denn die meisten Straßen sind
sehr gewunden. Die geraden Straßen im Flachland kann man hingegen gut mit 100
durchpflügen, aber die Autofahrer hier sind sehr rücksichtsvoll und fahren
weitgehend stress- und adrenalinfrei! Sehr nachahmenswert. Aber selbst, wenn
mit den hier verfügbaren Wagen – die Neuseeländer bevorzugen Second-Hand-Cars
aus Fernost (Südkorea, Taiwan, Japan) – der Versuch zu schnellerem Fahren
unternommen wird, wird dies meist vergeblich sein, denn schneller als 120 nach
einer halbstündigen Beschleunigung machen es die hiesigen PKWs nicht. Wenn die
geteerten Straßen keinen Sinn mehr machen, sei es wegen der
Instandhaltungskosten auf wenig genutzten Verbindungen, dann bauen sie
sogenannte Gravelroads, also Kieswege. Im Gegensatz zu den USA, wo ein solcher
Hinweis mindestens die Überlegung nach sich zieht, ob man das mit seinem
Fourwheeler riskieren sollte, sind die Gravelroads hier sehr gut. Ich kann mit
meinem normalen Personenwagen alle diese Wege entlangfahren ohne
Schwierigkeiten, wenn auch mit der reduzierten Geschwindigkeit von 30 (max.!)
und einer riesigen Staubwolke hinter mir herziehend (das Auto sollte man danach
waschen, vorher alle Fenster schließen) . Auf das Auto sind die Neuseeländer
angewiesen, wenn sie auch nicht alle – wie im Südwesten der USa – diese
riesigen Tracks fahren (eher die wenigsten!), so kann man nicht Zug fahren denn
diesen gibt es praktisch nicht, nur auf ausgewählten touristischen Strecken zu
ziemlich hohen Preisen mit wenigen Stopps. Stattdessen kann man die Strecken
zwischen den Städten gut mit dem Bus erledigen. Es gibt Busunternehmen
(Intercontinental oder Atomic), die kann man pro Strecke online buchen und sie
verkehren täglich ein- oder mehrere Male und sie sind recht komfortabel, so
dass man auch eine Tagesreise gut schafft damit. Naked Bus sollte man so früh
wie möglich buchen, denn je früher, desto billiger. Meine Fahrt von Auckland
nach Wellington (mit 6 Zwischenstopps und 11 Stunden Fahrt) kostete mich – 6
Wochen vorher gebucht – nur 31 Dollar (ca. 20 Euro). Dann gibt es
Busunternehmen (wie Kiwiexperience, Straytravel, Magic Bus), die voll auf den
Jugendtourismus abzielen, d.h. es gibt jeweils einen Reiseleiter und kurze, auf
den Geschmack der Klientel zugeschnittene Stopps an Sehenswürdigkeiten
(Sandsurfen), und die nach dem Hop on, Hop off-Prinzip organisiert sind, d.h.
man kauf im Voraus Streckenpasse, die ein Jahr gültig sind, allerdings soll man
in einer Minimalzeit (z.B. 18 Tagen) alle Strecken abfahren, erst dann kann man
alles wiederholen oder einzelne Strecken nehmen. Übernachtungen werden über das
Busunternehmen gebucht, die Reisenden melden sich 24 Stunden vorher und
erhalten ihren Platz nach dem Prinzip First comes, first gets. Ähnlich
organisiert sind die Busunternehmen, die Stunden- oder Streckenpässe verkaufen,
d.h. man kauft eine bestimmte Stundenzahl (allen bedienten Strecken wird eine
bestimmte Stundenreisezeit zugewiesen) oder eine bestimmte Anzahl an Strekcen
(irrelevant, wie viele Kilometer die jeweils gewählten Strecken haben) –
letztere kommen ebenfalls ohne Schickimicki-Tourismus-Entertainment aus (z.B. naked
Bus). Nachteile: Billig sind die Pässe – vor allen Dingen die mt Reiseführer –
nicht (kann schon mal , wenn man beide Inseln ganz bereisen will auf die 2400
Dollar kommen – ziemlich viel für junge Leute, Sonderangebote sollen einen
Ausgleich schaffen – aber da braucht man denn auch noch Glück, zur richtigen
Zeit am richtigen Ort zu sein). Auch ist man verglichen mit dem Auto ziemlich
inflexible (Vorteil: die Busse starten oft früh, man steht also früh auf), da
nur bestimmte Strekcen befahren werden, Gravelroads (dort ist meist die
schönste Landschaft) nicht und die Busse meist auch nur einmal täglich oder
sogar nur 3/2 mal die Wochen fahren.
Fährverkehr ist zu vernachlässigen (außer der Wellington-Picton-Fähre), da
es ihn quasi sonst nicht gibt. Die vorhanden Fähren sind teuer, aber einfach zu
organisieren – wie alles hier, ist es zivilisiert, d.h. einfach, perfekt
organisiert. Eigentlich sollte man meinen, dass Neuseeland günstig ist für
Radler. Dem ist nicht so. Es gibt Radler – aber sie fahren entlang der engen
Straßen, radeln lebensgefährlich, wie ich meine. Radwege gibt es kaum.
Sogenannte Mountainbikewege, die mittlerweile in vielen touristischen Gebieten
existieren bzw. im Aufbau sind, sind sehr unterschiedlich in ihrer Qualität und
ihrer Ausstattung. So habe ich einen sog. Mountainbikeweg als Betonschiene
parallel geführt zur Schnellstraße gesehen genauso wie die Wanderwege auf dem
Queen-Charlotte-Track,, die durch Wurzelwerk und dicke Steine eigentlich nicht
gut befahrbar sind und auf dem Coromandel im Norden einen Weg, der steil hoch,
steil runnter, steil hoch, steil runter usw. verlief – auch kein Vergnügen.
I.D. R. werden keine extra Anstrengungen für die Radfahrer unternommen, ihnen
werden vorhandene Wanderweg (sehr schlecht!!!) oder die Straßenränder in den
Städten, abgetrennt durch einen gelben Strich, aber meistens viel zu eng und
kaum beachtet - insbesondere durch
parkende Autos – zugewiesen. Es soll einen Radentwicklungsplan geben – ich
konnte nichts dergleichen erkennen (und für Radstrecken habe ich ein Auge nach
jahrelanger Erfahrung in Deutschland und Österreich) – Andererseits kommt
Radfahren hier mittlerweile in Mode als alternatives Freizeitvergnügen –
aufgrund der begrenzten Geldmittel und
auch der begrenzten Nutzungszeiten im Sommer glaube ich, dass das ein
Masochistenhobby bleiben wird weitgehend. Neben dem Fliegen (hierüber weiß ich
nichts, da zu teuer, doch scheinen die Möglichkeiten insgesamt gut ausgebaut zu
sein, denn überall findet man kleine Flughäfen bzw. Hubschrauberhaltestellen –
neben touristischen Rundflügen gibt es hier auch viele Innerneuseeländische
Flüge und sogar „Haltestellen-Fliegen“ ) bleibt also nur noch der eigenen Fuß
als Verkehrsmittel. Das ist zwiespältig. Einerseits gibt es diese wunderbaren
und vielfältigen Wandermöglichkeiten, die phantastisch ausgebaut und betreut
sind. Andererseits scheint der Fussgänger nicht so viel zu zählen. Man sieht
eher wenige, in den größeren Städten (vor allen Dingen aus meiner Sicht bisher
Auckland und Wellington und Napier) – dort gibt es sogar so etwas wie Fußgängerzonenund hier beginnen auch die
Cafes und Restaurantstühle auf dem Bürgersteig zu stehen, bei sonnigem Wetter =
sehr schön – stören Fußgänger irgendwie.
Die Bürgersteige sind zwar groß genug, auch gibt es häufig einen Regen- ,
Sonnenschutz. Aber man sieht vielerorts einfach keine Fußgänger und will man
selbst die Straße queren, dann schnell, denn die Autofahrer sind nicht gewohnt,
Rücksicht auf Menschen zu nehmen (im Gegensatz zu Schafen und Rindern, die der
Rücksicht nehmenden Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer sicher sein
können). Die Ampelschaltungen sind allerdings der Erwähnung wert. Für Fußgänger
sind sie nämlich sehr kurz und es gibt 3 Phasen: Stoppen (ROT), Gehen (GRÜN),
Überlegen, ob man noch gehen will/kann (ROT BLINKT). Die Grünphase ist extrem
kurz und man kommt darin nie und nimmer auf die andere Straßenseite. Die Autos
scharren schon ungeduldig, so dass man einigermaßen schnell über die Straßen
hechtet. Es gibt deshalb vielleicht auch
keine Parallelschaltung zu den Autofahrphasen wie bei uns, sondern alle Autos
fahren, zuerst die eine Richtung, dann die Querrichtung, schließlich halten
alle Autos und die Fußgänger haben Vortritt. Es ist aus diesem Grunde auch
gestattet, dass man als Fußgänger diagonal geht (also nicht so, wie bei uns,
dass man praktisch 2 Straßen über Eck queren muss) – also für alte Mütterchen
mit Krückstock ist dieses System nichts!
Damit ihr auch mal einen Gletscher im Nebel sehen könnt (das Nährschneefeld bleibt in den Wolken), habe ich ein paar aktuelle Bilder vom Franz-Josef-Glacier (den Fox-Glacier habe ich wegen Regens erst einmal gar nicht zu Gesicht bekommen!) eingestellt im Folgenden. Vorher und nachher hats gegossen (mein Schirm ist endgültig den Weg allen Irdischen gegagen) - aber zwischendurch habe ich das gesehen:
Wie immer, sind die Neuseeländer übervorsichtig und stellen überall Warnschilder auf, so dass man sich erst ängstigt , wenn man die alle gesehen hat. Würde man das Gleiche tun z.B. in den Alpen, dann waren die ganzen Alpen voll gesprerrt, da zu gefährlich!
Hier ein kleiner Vorgeschmack von den neuselländischen Ängsten (bezogen auf eigentlich öffentlich zugänglische Gletscher - dafür muss man aber bezahlen, weil man den Führer braucht) :
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