Dienstag, 1. Januar 2013

Schon wieder Nachrichten von Cathrin
Zuerst: Liebe Karo, danke für Deine Sprachnachricht - schade, dass wir uns nicht haben sprechen können, ich hatte keine Info, dass Du dran warst - ich war indeed viel am Internet die letzten zwei Tage! Dir retour alles Liiebe - pflege Dich und gedeihe!
Und hier nun die Nachrichten für alle:


Einige Nachträge gibt es bereits zum gestern Geschriebenen. So habe ich im AA-Heft (AA = das neuseeländische Äquivalent zum ADAC)  einen informativen Text zur Ortschaft Blackball gelesen, die die Touristen animieren soll, dort Station zu machen. Neben der Tatsache, dass Neuseeland diesem Ort die Gründung der nationalen Kommunistischen Partei verdankt infolge eines Bergarbeiterstreiks1908, die für eine halbstündige Mittagspause erfolgreich kämpften (die Informationstafeln zu diesen beiden Ereignissen stehen neben dem lokalen Hilton Hotel (sic)), heute hingegen von der Produktion von Salamiwürsten wirtschaftlich überlebt, kann man als Tourist heutzutage „enjoy a game of tennis, go gold panning (the famous Croesus Track takes you from Blackball across the Paparoa Range to Barrytown) or possum hunting at night.

Im selben Heft wartete eine Überraschung auf mich, nämlich , das es hier an der Westküste (trotz 300 Regentagen im Jahr)1845 Stunden Sonnenschein geben soll und damit liegt diese Gegend – gemessen in Sonnenscheindauer – zwischen München (ca. 2200 Stunden) und dem Westerwald mit 1445 Sonnenscheinstunden! Das kann ich nach den letzten Tagen kaum glauben, denn obwohl der Westerwald ja nun fürwahr ein Regenloch ist (im Jahre 2100 soll es – insofern die Wetterveränderungen weiterhin anhalten – zu den einzigen drei Regionen in Deutschland gehören, in denen noch keine Versteppung stattgefunden haben wird, sondern noch Grünland (DANK REGEN UND BASISFEUCHTIGKEIT) vorherrschen soll: Häuslekäufer – ihr investiert in eine Goldgrube!), erscheint es mir hier noch nässer. Erklärungsmöglichkeit: Die 2575 mm jährlicher Regenfall brettern hier genau dann herunter, wenn ich hier bin!

Einige Worte seien hier noch gesagt zum Verkehr in Neuseeland, denn ich bin ja nun mal ständig unterwegs und stehe inmitten der verschiedenen Verkehrsströme. Viele Neuseeländer glauben, dass ihr Straßensystem nicht auf dem neuesten Stand sei. Meine Erfahrungen sind ganz andere nach fast 9000 km Streckenfahrten in diesem Land. Bedenkt man, dass hier auf der Fläche von Deutschland nur 4,5 Mio Menschen leben, die nur etwa 20 Prozent Einkommenssteuer zahlen (und ansonsten nur kleine Versicherungsbeträge) und dass das Gesunheits- und Pensionssystem hiervon bezahlt werden, dann bleibt eigentlich nicht mehr viel Geld für ein ständig auch zu völlig entlegen situierten Farmen und Örtchen zu unterhaltenes Straßensystem. Manchmal werden Straßen aus Kostengründen denn auch geschlossen (im Wanganui-NP habe ich einen solchen Fall erlebt – ihr erinnert Euch vielleicht noch an die Brücke ins NOwhere), aber die vorhandenen Straßen sind gut in Schuss – ständig trifft man auf Straßenbauarbeitstrecks, Felsfälle und Washouts werden innerhalb von Stunden entdeckt, gesichert und beseitigt! (Aber auch normale Autofahrer steigen schon mal aus, um irgendwelche Steinbrocken von der Straße zu räumen). Es gibt sinnvolle ökonomisch bedingte Einsparungen, so gibt es z.B. praktisch keine Autobahnen, so dass die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit doch recht lang ist (wenn man denn kein Tourist ist und es eilig zu einem bestimmten Ziel hat – Stücke von Autobahnen habe ich eigentlich nur in Auckland und in einer aneren Stadt südlich des Coromandel gesehen – sonst nirgends) – dafür wird wechselnd immer mal wieder eine Überholspur eingeräumt oder auch – im Gebirge – eine Haltebox oder eine kurze „Langsamfahrerspur“ bereit gestellt. Auch Bäche und Flüsschen werden i.d.R. von einspurigen Brücken uberspannt, daran gewöhnt man sich aber schnell (die Kennzeichnung, wer wem die Vorfahrt zu gewähren hat, ist eindeutig). Es herrscht generell ein kontinuierlicher, aber kein dichter Verkehr (da die Verkehrsdichte sehr gering ist, findet man auch überall leicht Parkplätze). Da die Richtgeschwindigkeit bei 100 km/h liegt, fährt man auch längere Strecken immer in Cohorte, da jemand, der 120 km/h fährt hier schon ein Rowdy-driver ist und das kommt kaum vor, soweit ich es beurteilen kann (Es gibt Warnschilder, dass Alkohol am Steuer – die Werbefigur ist hier bedeutungsschwanger ein Maori – zu Unfällen infolge überhöhter Geschwindigkeit führt). Das gesamt Land ist gut mit Straßen zu erreichen, die jedoch – da alternativlos – auch zu benutzen sind. Um bestimmt Orte erreichen zu können, muss man häufig Stunden um irgendwelche Berge oder entlang hübscher Küstenwege fahren – es gibt keine kürzere Verbindungsmöglichkeit. In den Städten (?, na ja, den größeren Dörfern) darf man 50 fahren, davor 70 und generell 100 – letzteres ist oft gar nicht möglich, denn gelbe Schilder mit schwarzer Schrift machen einen auf die MÖGLICHE Geschwindigkeit aufmerksam, meist in der Range zwischen 25 bis 65 und d.h., dass man maximal 10 Stundenkilometer schneller fahren kann, sonst trägt es einen aus der Kurve, denn die meisten Straßen sind sehr gewunden. Die geraden Straßen im Flachland kann man hingegen gut mit 100 durchpflügen, aber die Autofahrer hier sind sehr rücksichtsvoll und fahren weitgehend stress- und adrenalinfrei! Sehr nachahmenswert. Aber selbst, wenn mit den hier verfügbaren Wagen – die Neuseeländer bevorzugen Second-Hand-Cars aus Fernost (Südkorea, Taiwan, Japan) – der Versuch zu schnellerem Fahren unternommen wird, wird dies meist vergeblich sein, denn schneller als 120 nach einer halbstündigen Beschleunigung machen es die hiesigen PKWs nicht. Wenn die geteerten Straßen keinen Sinn mehr machen, sei es wegen der Instandhaltungskosten auf wenig genutzten Verbindungen, dann bauen sie sogenannte Gravelroads, also Kieswege. Im Gegensatz zu den USA, wo ein solcher Hinweis mindestens die Überlegung nach sich zieht, ob man das mit seinem Fourwheeler riskieren sollte, sind die Gravelroads hier sehr gut. Ich kann mit meinem normalen Personenwagen alle diese Wege entlangfahren ohne Schwierigkeiten, wenn auch mit der reduzierten Geschwindigkeit von 30 (max.!) und einer riesigen Staubwolke hinter mir herziehend (das Auto sollte man danach waschen, vorher alle Fenster schließen) . Auf das Auto sind die Neuseeländer angewiesen, wenn sie auch nicht alle – wie im Südwesten der USa – diese riesigen Tracks fahren (eher die wenigsten!), so kann man nicht Zug fahren denn diesen gibt es praktisch nicht, nur auf ausgewählten touristischen Strecken zu ziemlich hohen Preisen mit wenigen Stopps. Stattdessen kann man die Strecken zwischen den Städten gut mit dem Bus erledigen. Es gibt Busunternehmen (Intercontinental oder Atomic), die kann man pro Strecke online buchen und sie verkehren täglich ein- oder mehrere Male und sie sind recht komfortabel, so dass man auch eine Tagesreise gut schafft damit. Naked Bus sollte man so früh wie möglich buchen, denn je früher, desto billiger. Meine Fahrt von Auckland nach Wellington (mit 6 Zwischenstopps und 11 Stunden Fahrt) kostete mich – 6 Wochen vorher gebucht – nur 31 Dollar (ca. 20 Euro). Dann gibt es Busunternehmen (wie Kiwiexperience, Straytravel, Magic Bus), die voll auf den Jugendtourismus abzielen, d.h. es gibt jeweils einen Reiseleiter und kurze, auf den Geschmack der Klientel zugeschnittene Stopps an Sehenswürdigkeiten (Sandsurfen), und die nach dem Hop on, Hop off-Prinzip organisiert sind, d.h. man kauf im Voraus Streckenpasse, die ein Jahr gültig sind, allerdings soll man in einer Minimalzeit (z.B. 18 Tagen) alle Strecken abfahren, erst dann kann man alles wiederholen oder einzelne Strecken nehmen. Übernachtungen werden über das Busunternehmen gebucht, die Reisenden melden sich 24 Stunden vorher und erhalten ihren Platz nach dem Prinzip First comes, first gets. Ähnlich organisiert sind die Busunternehmen, die Stunden- oder Streckenpässe verkaufen, d.h. man kauft eine bestimmte Stundenzahl (allen bedienten Strecken wird eine bestimmte Stundenreisezeit zugewiesen) oder eine bestimmte Anzahl an Strekcen (irrelevant, wie viele Kilometer die jeweils gewählten Strecken haben) – letztere kommen ebenfalls ohne Schickimicki-Tourismus-Entertainment aus (z.B. naked Bus). Nachteile: Billig sind die Pässe – vor allen Dingen die mt Reiseführer – nicht (kann schon mal , wenn man beide Inseln ganz bereisen will auf die 2400 Dollar kommen – ziemlich viel für junge Leute, Sonderangebote sollen einen Ausgleich schaffen – aber da braucht man denn auch noch Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein). Auch ist man verglichen mit dem Auto ziemlich inflexible (Vorteil: die Busse starten oft früh, man steht also früh auf), da nur bestimmte Strekcen befahren werden, Gravelroads (dort ist meist die schönste Landschaft) nicht und die Busse meist auch nur einmal täglich oder sogar nur 3/2 mal die Wochen fahren.  Fährverkehr ist zu vernachlässigen (außer der Wellington-Picton-Fähre), da es ihn quasi sonst nicht gibt. Die vorhanden Fähren sind teuer, aber einfach zu organisieren – wie alles hier, ist es zivilisiert, d.h. einfach, perfekt organisiert. Eigentlich sollte man meinen, dass Neuseeland günstig ist für Radler. Dem ist nicht so. Es gibt Radler – aber sie fahren entlang der engen Straßen, radeln lebensgefährlich, wie ich meine. Radwege gibt es kaum. Sogenannte Mountainbikewege, die mittlerweile in vielen touristischen Gebieten existieren bzw. im Aufbau sind, sind sehr unterschiedlich in ihrer Qualität und ihrer Ausstattung. So habe ich einen sog. Mountainbikeweg als Betonschiene parallel geführt zur Schnellstraße gesehen genauso wie die Wanderwege auf dem Queen-Charlotte-Track,, die durch Wurzelwerk und dicke Steine eigentlich nicht gut befahrbar sind und auf dem Coromandel im Norden einen Weg, der steil hoch, steil runnter, steil hoch, steil runter usw. verlief – auch kein Vergnügen. I.D. R. werden keine extra Anstrengungen für die Radfahrer unternommen, ihnen werden vorhandene Wanderweg (sehr schlecht!!!) oder die Straßenränder in den Städten, abgetrennt durch einen gelben Strich, aber meistens viel zu eng und kaum beachtet -  insbesondere durch parkende Autos – zugewiesen. Es soll einen Radentwicklungsplan geben – ich konnte nichts dergleichen erkennen (und für Radstrecken habe ich ein Auge nach jahrelanger Erfahrung in Deutschland und Österreich) – Andererseits kommt Radfahren hier mittlerweile in Mode als alternatives Freizeitvergnügen – aufgrund der begrenzten Geldmittel  und auch der begrenzten Nutzungszeiten im Sommer glaube ich, dass das ein Masochistenhobby bleiben wird weitgehend. Neben dem Fliegen (hierüber weiß ich nichts, da zu teuer, doch scheinen die Möglichkeiten insgesamt gut ausgebaut zu sein, denn überall findet man kleine Flughäfen bzw. Hubschrauberhaltestellen – neben touristischen Rundflügen gibt es hier auch viele Innerneuseeländische Flüge und sogar „Haltestellen-Fliegen“ ) bleibt also nur noch der eigenen Fuß als Verkehrsmittel. Das ist zwiespältig. Einerseits gibt es diese wunderbaren und vielfältigen Wandermöglichkeiten, die phantastisch ausgebaut und betreut sind. Andererseits scheint der Fussgänger nicht so viel zu zählen. Man sieht eher wenige, in den größeren Städten (vor allen Dingen aus meiner Sicht bisher Auckland und Wellington und Napier) – dort gibt es sogar so etwas wie  Fußgängerzonenund hier beginnen auch die Cafes und Restaurantstühle auf dem Bürgersteig zu stehen, bei sonnigem Wetter = sehr schön  – stören Fußgänger irgendwie. Die Bürgersteige sind zwar groß genug, auch gibt es häufig einen Regen- , Sonnenschutz. Aber man sieht vielerorts einfach keine Fußgänger und will man selbst die Straße queren, dann schnell, denn die Autofahrer sind nicht gewohnt, Rücksicht auf Menschen zu nehmen (im Gegensatz zu Schafen und Rindern, die der Rücksicht nehmenden Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer sicher sein können). Die Ampelschaltungen sind allerdings der Erwähnung wert. Für Fußgänger sind sie nämlich sehr kurz und es gibt 3 Phasen: Stoppen (ROT), Gehen (GRÜN), Überlegen, ob man noch gehen will/kann (ROT BLINKT). Die Grünphase ist extrem kurz und man kommt darin nie und nimmer auf die andere Straßenseite. Die Autos scharren schon ungeduldig, so dass man einigermaßen schnell über die Straßen hechtet. Es gibt deshalb vielleicht  auch keine Parallelschaltung zu den Autofahrphasen wie bei uns, sondern alle Autos fahren, zuerst die eine Richtung, dann die Querrichtung, schließlich halten alle Autos und die Fußgänger haben Vortritt. Es ist aus diesem Grunde auch gestattet, dass man als Fußgänger diagonal geht (also nicht so, wie bei uns, dass man praktisch 2 Straßen über Eck queren muss) – also für alte Mütterchen mit Krückstock ist dieses System nichts! 

Damit ihr auch mal einen Gletscher im Nebel sehen könnt (das Nährschneefeld bleibt in den Wolken), habe ich ein paar aktuelle Bilder vom Franz-Josef-Glacier (den Fox-Glacier habe ich wegen Regens erst einmal gar nicht zu Gesicht bekommen!) eingestellt im Folgenden. Vorher und nachher hats gegossen (mein Schirm ist endgültig den Weg allen Irdischen gegagen) - aber zwischendurch habe ich das gesehen:





Wie immer, sind die Neuseeländer übervorsichtig und stellen überall Warnschilder auf, so dass man sich erst ängstigt , wenn man die alle gesehen hat. Würde man das Gleiche tun z.B. in den Alpen, dann waren die ganzen Alpen voll gesprerrt, da zu gefährlich!
Hier ein kleiner Vorgeschmack von den neuselländischen Ängsten (bezogen auf eigentlich öffentlich zugänglische Gletscher - dafür muss man aber bezahlen, weil man den Führer braucht) : 




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