Im Duong Home (das Haus befindet sich in Privatbesitz der Familie Duong seit nunmehr 5 Generationen) im NOrden CanThos, in der Nähe der Ausfallstraße nach Long Xuyen gelegen, wurde der Film L´Amant von J.J.Anaud gedreht. Allerdings nur wegen des Ambientes, denn tatsächlich hat das Haus selbst keinen Bezug zum eigentlichen Geschehen. Dieses fand statt in Sa Dec, an welchem Ort Marguerite Duras Vater Mathelehrer an der dortigen Oberschule war (das Lehrerhaus existiert nicht mehr - heute befindet sich hier der Bau des People´s Commitee), wohl aber noch die Schule, in der heutzutage die Primarschule logiert. Besichtigen kann man allerdings das Haus von Marguerite Dumas Liebhaber, dem chinesischstämmigen Huynh Thuy Le, der, damals 23 Jahre alt, die 15-jährige Marguerite auf einem Fährschiff (über den Mekong) kennen- und liebenlernte (daran kann man ersehen, wie breit die Deltaflussarme des Mekong sind, man findet Zeit, sich zu verlieben...) Dieses wunderschöne Haus - im Interieur ganz im chinesischen Stil , außenzu eine französische Kolonialvilla - steht ruhig in einem kleinen Vorhof (der hintere Garten ist nicht mehr) direkt an der Uferstraße. Die Möbel strahlen in Mother-in-Perle-Intarsienarbeiten, die an das, das gesamte Vorderhaus einnehmenden Entree, angrenzenden Schlafräume sind von wunderschön gearbeiteten Glas und Holzwänden mit aufwändigen Schnitzereien umgeben. Man kann hier auch (für teures Geld) übernachten, allerdings wohl nicht sehr komfortabel, die Matratzen unter den fein gestickten Moskitonetzen machten einen recht harten Eindruck. Besonders beeindruckt war ich von dem seidenweichen Lichteinfall, der nur durch die Vordertür und den Hintereingang, jeweils gebrochen durch eine Geisterwand, in die Räumlichkeiten hineinstrahlt und sich in dem Perlmut der Möbel bricht. Ein wunderschöner Ort zum Verweilen und bleiben - was Marguerite Dumas auch tat. Allerdings zog sie es vor, mit ihrem Liebhaber in Saigon zu leben für zwei Jahre bevor die Liason auseinanderging, besonders auch, da Huynh Thuy Le von seinen Eltern hernach ehrenhaft mit einer Vietnamesin verheiratet wurde. Dankenswerterweise veröffentlichte M.Dumas ihren Roman erst, als sowohl ihr Liebhaber, als auch dessen Frau (aus der Ehe stammen 5 Kinder, die heute in Canada, Frankreich und in den USA leben) verschieden waren. Natürlich habe ich alles fotographisch dokumentiert, einschließlich der Autographen von Dumas, Annaud und der Schauspieler, aber leider.... unerreichbar, weil mein Kamerachip formatiert werden möchte...
Übrigens habe ich mein Ohr weiterhin schulen dürfen bzgl. traditioneller Musik, denn, um uns den Abend zu verkürzen und damit mir Ut nicht etwa einschlief auf der langen Rückfahrt nach Can Tho haben wir uns gegenseitig besungen, ua. mit den jeweligen Nationalhymnen (incl. Übersetzung), einiger Bauernlieder und ich gab sogar Weihnachtslieder ob meines begrenzten Liedgutkatalogs zum Besten.Immerhin hbe ich so einige vietnamesische Lieder kennengelernt - allesamt ziemlich traurig, aber wert vorgetragen zu werden. Sie handeln von der verflossenen Liebe, nachdem der Schatz "zwangsverheiratet" wurde durch dessen Eltern (weil die Liebe mit dem Sänger offensichtlich nicht statthaft da unstandesgemäß war) oder von der Unmöglichkeit der Liebe (nach dem Motto der zwei Königskinder, die nicht zueinander kommen konnten - hier trennt ebenfalls der Fluss, bzw. der Tod) und die wehmütige Weise einer Kriegsbraut, die um ihren gefallenen Liebsten trauert. Jedenfalls war das Ganze sehr schön, so gegen den Verkehr anzuträllern. Außerdem - bei einem Suppenstopp - habe ich dem vietnamesischen Schnulzenkönig lauschen dürfen - ein rechter Ohrwurmfänger! Ut erzählte mir, dass dies auch der Lieblingssänger seiner Mutter (immerhin 72 alt) sei, sie sänge immer mit, wenn er im Radio käme - kann ich gut verstehen, so was Schmalziges kann man unheimlich gut mitsummen, da sehr eingängig und schmachtig, so ein richtiger Möchte-gern-Schwiegersohn-Sound. Außerdem lernte ich einiges über das Freizeitverhalten der Vietnamesen in diesem Zusammenhang, die leidenschaftliche Karaoke-Sänger sind. Man mietet sich einen Raum in einem Karaokepalast - stundenweise - und singt, was das Zeug hält.Tanzen geht zwar auch dem wllden Rhythmus folgend allein, aber bevorzugt bleibt der Gruppentanz, von dem Ut mir vorschwärmte. Vielleicht kann ich irgendwo eine CD mit dem Schnulzenheini erwerben und Euch bei Gelegenheit mal vorspielen! Jedenfalls die Vietnamesen lieben ihn - auch die Jüngeren.
Auf meiner Reise habe ich auch noch einige Unterschiede zwischen Vietnam und seinen Nachbarländern mitbekommen. Letzens habe ich ja schon bemerkt, dass die Vietnamesen insgesamt viel wohlhabender sind. Woran sieht man das? Einmal, weil sie Kreditkarten nutzen und zwar genauso wie wir, also andauernd. Überall stehen ATM´s herum (automatic Taller Machine) und die Leute fahren mit ihren Mopeds vor und ziehen da ihr Geld. Weiterhin sind die Mopeds meist japanischer und nicht chinesischer - also Billig- - Bauart und damit entsprechend teurer. Dies gilt auch für andere technische Geräte, die hier weit verbreitet sind. Fernsehen gehört hier bereits zum Standard (man sieht das allabendlich, denn die guten Stuben sind zur Straße hin offen und so kann man den verschiedenen Programmen im Überblick folgen). Hat man Sky-Channel, dann kann man den mindestens 40 verschiedenen vietnamesischen Sendern folgen. Erstaunlich bei der hiesigen Einkommenssituation ist, dass es große Technikstores gibt, in denen man z.B. Laptops zum Preis von 30 Mio Dong (=1000 Euro) kaufen kann, die auch tatsächlich gekauft werden. Vielerorts habe ich Apple-Shops gesehen, die auch Käufer und nicht nur gaffende Massen anziehen. Handy hat hier jederman und entsprechende Läden gibt es überall (auch, wenn eine Simkarte nur ca 3 Euro kostet). Die LÄden sind gerammelt voll mit Markentechnik wie Waschmaschinen, Fans, Saftern usw. und in jedem Hotel hatte ich bisher eine Heißwasserdurchlauferhitzer, meist deutscher Hersteller - also auch nicht gerade am billigsten. Nur Privatautos gibt es noch nicht allzuviele - das kommt sicher noch, vergleicht man die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Mopeds. Die Restaurantkultur hat hier schon sehr weit um sich gegriffen. Auch Einheimische frequentieren diese offensichtlich gerne.
Zum Schluss noch ein Nachtrag zum Brennpunktthema "Karl Marx". Bei Gelegenheit des Themas kannte hier niemand Karl Marx, was mich erstaunte. Zu Recht - denn natürlich kennen die Leute hier in Vietnam Karl Marx, allerdings nicht untern seinem Namen, ER heißt hier Mieau (das Ganze noch nasalieren). Dass es sich um denselben Mann handelt, habe wir über Google herausbekommmen. So - nun aber erst einmal Schluss- bis bald. Cathrin
Cafe (Cafe, kalte Getränke, Tee – zweiter Typ auch Kuchen
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Ich freue mich über einen Kommentar!