Tja, dass ich total frustriert bin und mir auch einigermaßen die Verve zum Schreiben heute abgeht, das habe ich Euch ja nun schon berichtet. Es gibt also wieder keine Bilder - ich kann es nicht fassen, denn ich habe soooooviiiiele tolle Aufnahmen gemacht. Von Ca Mau bin ich weiter nach Can Tho - ins Herz des Mekong-Deltas gereist. Can Tho ist eine der Städte, die ich mag. In einem schönen Hotel, direkt an der Wasserfront, mit einem schönen Balkon gesegnet, wohne ich, zwischen dem Fluss und mir nur eine Promenade, von der eine überlebensgroße Ho-Chi-Min-Statue freundlich herübergrüßt. Tagsüber ist es heiß und sehr schwül - ab und zu regnet es, aber es folgt keine Abkühlung, sondern es wird nur noch schwüler! Aber Abends ist es herrlich - warm, aber angenehm und der Fluss bringt eine leichte Brise. In aller Ruhe kann man das Geschehen auf der Promenade beobachten und es gibt so viel zu sehen! Am ersten Tag habe ich eine Bootstour gebucht zu den "schwimmenden Märkten", also flussaufwärts zu den Orten Cai Rang und Phong Dien, wo die (Groß-)Händler am Morgen ihre Waren losschlagen, allerdings alles auf Bötchen und Sampans. Es ging also morgens um 5 Uhr frühl los - das war verdammt früh, aber zum Sonnenaufgang um Viertel vor Sechs wollte ich unterwegs sein, denn in der Früh ist am meisten auf den Märkten los. Ich erlebte einen herrlichen Sonnenaufgang in der kleinen Schaluppe, auf der mich die Fährfrau Mang den CanThoRiver, einen der Deltaarme des Mekong, hinauf beförderte. Die Märkte waren schön und aufregend und lebhaft (eine Wassermelone und eine Ananas habe ich mir dort gekauft), aber die Bootstour, die für mich alleine durchgeführt wurde (ich hatte Gruppentarif gebucht, aber leider kam keine Gruppe zustande), führte auch zu einer Reiskuchenfabrik (eher ein Familien geführtes Kleinunternehmen) und durch die wunderbare und geheimnisvolle Kanallandschaft. Mittags, wieder in CanTho, habe ich mir ein MOtorrad geliehen (meine Unfallwunden sind schon wieder ganz gut verheilt, naja, der rechte Ellbogen tut noch ganz schön weh, aber wenn ich nicht weiterfahre, dann lasse ich es wahrscheinlcih bald ganz sein - also Auf ein Neues), bin die Strecke bis fast nach Phong Dien noch einemal die Küstenstraße abgefahren und habe dabei die Fahrt durch das dichte Straßengewühl in CanTho, die immerhin die größte Stadt hier im Delta ist, genossen. Danach, es fing an zu regnen, bin ich noch in nördliche Richtung gefahren, um mir das Duong House (Genaueres zu diesem Haus, wenn Andreas das Rätsel gelöst hat, was ich ihm per Mail zugeschickt habe) und den Binh Thuy Tempel (wer hier verehrt wird, das habe ich allerdings nicht verstanden, der Tempel ist jedenfalls chinesisch angehaucht, hat aber auch ein vietnamesisches Pantheon dabei!?) anzuschauen.
Die nächsten drei Tag habe ich eine Tour durch das Delta gebucht, nach einigem Zögern wieder mit einem Motorraddriver, aber so ein SErvice macht das Reisen einfach unkompliziert (der Driver kennt den Weg, konzentriert sich auf den Verkehr, während ich herumschauen kann und kann sich muttersprachlich unterhalten und einem überhaupt viele Tipps geben) und man bekommt wirklich viel zu sehen in kürzester Zeit. Dabei ist das Reisen völlig individuell. Es gäbe so viel zu erzählen, aber ich fürchte, das NIederschreiben auch nur eines kleinen Teils überfordert mich bereits. Da nun die Bilder scheint´s weg sind (ich kann es immer noch nicht fassen, es darf einfach nicht wahr sein - es waren sooooooooooooooooo tooooooooooooooooolllllle Bilder dabei!1 Richtige Kompositionen, denn ich habe die Minireise sooooooooooooooo genossen!), will ich aber wenigstens die Eckpfeiler kurz umreißen, damit ihr eine Vorstellung und ich eine Gedächtnishilfe habe.
Mein Fahrer war Ut, ein Student der vietnamesischen Literatur, 23 Jahre alt, wunderbar gelaunt, hilfsbereit und interessiert (außerdem war er ein guter Fahrer), da er erst seit einem Monat sich etwas Geld als Tourguide verdient. Sein Englisch war ausreichend gut und wir hatten beide viel Spaß und haben eingies voneinander gelernt. Im Austausch zu etwas Englisch-Verbesserung (Seine Aussprache im Englischen war manchmal schwer zu verstehen, da starker Vietnam-Accent - der Englisch-Unterricht ist hierzulande eher theoretisch, also Lesen, Schreiben, dem Lehrer, der niemals in einem englischsprachigen Land war, nachsprechen - bloß keine Unterhaltung!) habe ich etwas Vietnamesich gelernt (die Aussprache ist schon ziemlich schwer - meine Umschrift ist nicht besonders hilfreich, wohl aber das Nachsprechen, wenn Ut mir etwas vorgesagt hat). Er ist das Nesthäkchen von 9 Geschwistern und stammt aus dem südlichen Delta, also vom Lande. Daher konnte er mir auch viel vom Landleben und von der Landwirtschaft hier erzählen.
Am ersten Tag fuhren wir Richtung HohChiMinCity, also nach Nordosten, über Land. Irgendwelche kleinen Straßen, viele Zwischenstops zum Schauen, eine Überquerung der erst im vorletzten Jahr fertiggestellten Brücke (TEil eines Riesenprojekts, bei dem das Delta über drei neue Brücken verbunden wird), die sich über den breitesten Mekong-Delta-Arm, den Hau Giang, als längeste Kabel-Brücke Südostasiens spannt, eine herrliche Fährfahrt hinüber nach An Binh Island, auf der gegenüber Vinh Long liegenden Uferseite des Co Chien River. An Binh ist ein von Kanälen durchzogener Fruchtgarten, wo wir nachmittags nachdem der Sturzbachregen nachgelassen hatte, entlang der Wasserwege eine Spritztour mit dem Fahrrad gemacht haben, nachdem wir in unserer Unterkunft, einem sogenannten Homestay (eher ein Hostel) in einem schönen Garten gelegen undmit vielen Hängematten ausgestattet, angekommen waren. Das Abendessen war im Preis inbegriffen und es war eine allerbeste Überraschung. Es gab Fisch, den man mit STäbchen abgrätete und zusammen mit Salat, Sprossen und Gemüsen in ein Reispapier einrollte und genüsslich verspreisen konnte. Außerdem gabe es noch REis und diverse Fleischgerichte und Scampies - also, wir haben nicht alles geschafft, es war herrlich, aber zu viel. Das Frühstück war französisch - baguetteseitig und karg!
Der zweite Tag war eher gemächlich. Die Route führte über die Vinh LOng Insel zurück, diesmal Richtung Westen, um mit der Fähre bei Long Xuyen überzusetzen nach einer recht beschaulichen Landpartie. Einen interessanten Stopp haben wir dabei in Sa Dec eingelegt, einer alten französischen Kolonialstadt. Dort haben wir ein besonderes Haus angeschaut (wird noch nicht verraten, da Teil des Andreas Schmidt-Rätsels) - hier trafen wir auf ein Fernsehteam und ich wurde für das vietnamesische Kulturprogramm interviewt! - und einen Cao Dai Tempel, der mit seinem Eklektizsmus faszinierte. Eine Rast in einem flussseitig gelegenen Teastall brachte mir den Eiskaffee hier angenehm näher. Der Kaffee wird italienisch gebraut, ist also extrem stark. DAs Ganze wird in ein Glasvoll mit Eiswürfeln geschüttet und zischt so richtig, wenn der heiße, dickflüssige Kaffee auf das Eis trifft. Man kann auch Milch dazu nehmen, allerdings gibt es nur extrem pottsüße Dosenmilch, da die Leute hier auch noch Zucker zum Kaffee mögen, verzieht es einem den Mund vor Süße - ich geniesße ohne Zucker und ohne Kondenzmilch.Die Weiterfahrt erfolgte durch die diversen Blumengärten, denn Sa Dec ist bekannt für seine Blumenzucht.
Die Weiterfahrt zu unserem Zielort Chau Doc an der kambodschanischen Grenze zog sich hin und so lernte ich noch etwas einfach Wunderbares kennen, die Hängematten-Restaurants. Entlang der Schnellstraßen gibt es große, überdachte Hallen, die voll behängt mit Hängematten sind. Hier kann man im wahrsten Sinne des Wortes abhängen, dabei etwas Kaltes trinken (hier: Kokosmilch gekühlt) und sich beim nächsten Foodstall etwas zum Essen holen (in unserem Fall Reissuppe mit Ente und frischem Gründgemüse - ein GEnuss) - über einem nur die Decke und ein Fan - ich habe, ich kann mich nicht entsinnen, wann ich so etwas das letzte Mal gemacht habe, ein Mittagsnickerchen eingelegt, seicht geschaukelt im Wind (aufgewacht bin ich, weil ein dicker schwarzer Käfer aus den Höhen des Dachfirstes hinabstürzte und sich hernach noch in meinen Haaren verfing - aber er war harmlos, hat sich wahrscheinlich mehr al sich erschrocken). Bevor wir in Chau Doc ankamen, legten wir noch einen Zwischenstopp bei einem der älteren Brüder von Ut ein, der einen kleinene Bauernhof hat und Woschä, Zuckerrohr und Enten/Gänse für den lokalen Markt produziert. Zur Feier meiner Anwesenheit wurde die Großmutter aus ihrer Liegestatt (sie kann nicht mehr gehen) in den Repräsentationsraum geholt, da ich der erste Ausländer war, den sie jemals in ihrem Haus begrüßen konnte. Da des Bruders Familie der Hoa Hao Religion anhängt, lernte ich sogleich auch noch etwas über diese zweite - neben der Cao Dai - vietnamesische Sonderreligion. Erst nach Einbrucch der Dunkelheit erreichten wir so Chau Doc. Auf der Suche nach einem Nachquartier verschlug es uns nach Sam Montain und zu seinen Tempeln, die hell erleuchtet waren. Den Chua Xu Tempel und den dazu gehörigen Markt konnte ich mir so nach etwas genauer anschauen, zumal Ut einige Zeit im Tempel beschäftigt war (er bat um eine gute Reise).
Der letzte Tag was wiederum sehr intensiv und sehr lang. Losgefahren sind wir ohne Frühstück um halb sieben in der Früh und angekommen in CanTho - tja, da war es bereits 22 Uhr vorbei. Den Morgen haben wir im Tra Su Bird Sanctuary verbracht, einem Wiederaufforstungsprojekt nach der Agent Orange Zerstörung des Deltas. Ich fand diese Wiederaufforstung sehr erfolgreich. Man erkennt den künstlichen Charakter der Gesamtanlage nicht, stattdessen ist man von Luftwurzlern und grünlichem Brackwasser umgeben, während einen kleine Nachen zu den Brutstätten der Reiher bringen - ein phantastisches Erlebnis. Weil´s so schön war, habe ich noch eine zweite Runde bezahlt! Danach gab es einige Geschichtslektionen. Zuerst in Ba Chuc, hier ermordeten die Pol Pot ein ganzes Dorf mit fast 4000 Menschen (nur 2 Einwohnerinnen überlebten das Massaker), weil sie aufgrund der starken kambodschanischen MInderheit in diesem Gebiet Gebietsanspruch erhoben und die kambodschanischen Flüchtlinge bis hierher verfolgten. Na das war jedenfalls der Anlass, dass die Vienamesen nach Kambodsccha einmarschierten und es von PolPot befreiten.
Die nächste Geschichtslektion bekam ich in Tup Duc. Hier - in einer flachen Gegend, in die Berge wie Findlinge geseetzt sind, fanden die VietCong gut Unterschlupf in den Höhlen. Die Amerikaner versuchten, die Verstecke durch schiere Vernichtung der landschaftlichen Grundlagen, also der Zerbombung der Karstberge, zu zerstören. Den Berg bei Tup Duc nennen die Vietnamesen deshalb den 2 Billionen Dollar HÜgel, da Zerstörungsmittel in dieser WErthöhe hier zerdeppert wurden - jedoch vergeblich bezogen auf die Absicht. Man kann also in den ehemaligen Vietcong-Unterschlüpfen herumstolpern (es ist dunkel und steinig und abschüssig) - eine interessante Geschichtslektion! Tup Duc ist heute allerdings als Familienholidaypark ausgebaut, so dass ich auch noch eine STraußenfarm und einen Krokodilweiher gesehen habe. Alles in allem fuhren wir am letzten Tag fast 200 Kilometer - und das Moto fuhr nur 40 in der Stunde. Alles in allem eine phantastische Tour - ich hoffe, ich kann die über 500 Bilder und diverse Filme retten, die ich gemacht habe, alles andere wäre sehr traurig.
Morgen geht es nun nach Saigon, von dort berichte ich wahrscheinlich Neues, wenn mich die Depression ob meines Bildverlustes nicht hinwegschwemmt.
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