Also
Freunde (bisher seid ihr ja ganz intim nur zu zweit - liebe Karo, liebe Nicoletta) hier endlich mein zweiter
Blog-Eintrag, hoffentlich in Zukunft wesentlich häufiger. Gerade sitze ich im
Gate-Bereich, bereit zum Abflug nach Miami, das Boarding soll irgendwann in
einer halben Stunde beginnen und ich habe große Entscheidungsschwierigkeiten,
ob ich jetzt diesen Block schreiben soll, oder doch besser die Leute beobachten
soll. Also mache ich mal beides, sozusagen als Reiseimpression. Hier sitzt so
ziemlich alles Volk, was man bei einem Flug nach Miami erwartet also gegenüber
von mir im MOMENT EIN älterer Herr (umringt von seiner untergewichtigen,
faltig-ebenfalls älteren, aber in Trainingsanzug und knalligem rosa Oberkleid
angetanem Weibe, seiner Tochter (verheiratet mit Ehemann aside – sie
telefonierend, er: essend (macDonalds Coke und irgendeine Pizza o.Ä. – sie
beißt jetzt auch einmal zu - mmmmmh
lecker – Mutter, nun ebenfalls essend mit türkisfarbener Plastikhandtasche,
durch Goldhalskette und Brillenband fast erwürgt, aber kräftig zubeißend in
eine Salamipizza, gleichzeitig mit spitzen Grallen festhaltend ein Cola im
Pappbecher), also der ältere Herr, er schläft, Hemd halboffen (mit grauem
Haarbusch hervorluckend – Haarwuchs auch aus den Ohren puschelnd), Mund
standhaft geschlossen, die Welt um sich ignorierend, ein Pool der Ruhe –
Altmännerbeine (staksig) stecken in dunkelbrauen Wollstoffhosen – das bei
dieser Hitze, aber der Traveller weiß, das schwerste Gepäck zieht man beim Flug
an und die weißen, mit Pillings übersäten Socken stecken in wildlederbraunen
Seglerschuhen, das ganze meditativ ausgerichtet: recht aufrechte Sitzhaltung,
die Hände leicht in der Leistengegend abgestützt – Typ Buddha, nur die grauen
Stoppelhaare passen nicht dazu, die linke Seite plattgeschlafen, die Rechte
Seite wacker stehend, Soldatenschnitte. Die Tochter in rotem, fließenden Kleid,
nur an der Brust gerafft, sonst Hochsommerlich, dem schwül-heißen Wetter
durchaus angemessen, die Pizzapapierreste knüllend in der rechten Hand in rhythmischen
Bewegungen, gleichzeitig der Mutter übersetzend, weitergebend usw , die bemüht
scheint, am Telefonat teilzuhaben (wahrscheinlich Vorwarnung der Verwandten in
der Heimat, die die Gruppe abholen sollen oder Tratsch? – Ah – etwas
Ungewöhnliches: Bomben- Feueralarm im Flughafen (nicht in Gate 9 , wo ich bin?) - wahrscheinlich hat wieder jemand sein Gepäck stehen lassen und der halbe
Flughafen wird abgetrennt, damit keiner zu Schaden kommt – ein lautes
Schrillen, alles schaut wach. Wer ist sonst noch hier auf dem neutral braun-schwarzen,
Schmutz verbergenden Teppich postiert? Also international-amerikanisch, also
viele Schwarze, insbesondere schöne, ausdrucksvolle Frauen, schlank oder
wolkig-mollig, allesamt mit großen, ausdrucksstarken Augen, halbnackt, enge,
körperbetonte Kleidung, meist in gedeckten Farben mit Tigerlilis Mustern – im
Trend: lange Kleider, geschürzte Brüste, draller Schmuck, Tatoos. Männer wie
Frauen schlafend, sich unterhalten (verhalten), telefonierend. Auffällig: keine
Asiaten (an der Westküste habe ich manchmal schon geglaubt, ich sei bereits in
China, denn z.B. in Banken, Kaufhäusern, Geschäften sind dort bisweilen alle
Chinesen, sprechen Mandarin bzw. meist Kantonesisch (MIST!). Die schlafenden
Personen (es ist Mittag) liegen häufig bequem zurückgelehnt in Knochenkissen,
also so Weichwürsten, die den Nacken stützen und etwaiger Verkrampfung
vorbeugen sollen. Das Ehepaar mit Familie spricht übrigens Spanisch,
Kommunikationsversuche mit dem alten Schläfer scheinen erfolgreich, er versucht
zwar immer wieder einzunicken, die Gattin sucht dies jedoch durch Rascheln,
Zeigen von Gegenständen, Papierchecks usw. zu unterbinden in regelmäßigen . Die
Männer hier, teils auch tatooed (die Jüngeren), Sonnengläser (drinnen!),
T-Shirts, Muskelshirts, Hawaihemden, Polos, kurzärmelig, Farben eher hell,
Hosen Jeans, halblang, gemustert und beige. Im Hintergrund nun gackernde Gänse,
leicht hysterisierend. Neben mir ein Flugmensch, also einer , der für eine
Fluggesellschaft arbeitet, Handyinformationen saugend (ohne Gegensprecher –
Terminplan: aha – wichtig!), unruhig, die Beine beständig leicht in Bewegung,
die Knie nach außen federnd in leicht angewinkelter Position. Spanisch ist
eindeutig die dominierende Sprache. Auch alle Lautsprecheransprachen werden nur
in Spanisch gemacht – wird Zeit, wieder etwas für Basissprachkenntnisse zu
unternehmen. Aber eigentlich auch störend trotz aller Exotik. Natürlich passt
Spanisch irgendwie in die Karibik, aber doch nicht, wenn man zu den USA gehören
will. Was verbindet die Menschen dort außer Lebensoptimismus, der Möglichkeit
der Individualität bis zum Abwinken, die tiefe Religiösität: doch nur die
Sprache. Hier (wie auch in den restlichen USA) scheint es eher eine mehr
diffuse Vaterlandliebe. Soldaten sind gern gesehen (laufen hier immer in
Volltracht rum), Vaterlandsverherrlichende Denkmäler allerorten, amerikanische
Fahnen, teils Straßenvollbeflaggung, eine außerordentliches Gespür für Fairness
und Nichtschummeln, d.h. keiner versucht ernsthaft, die
Geschwindigkeitsbegrenzungen wesentlich zu überschreiten (10 Meilen/h sind
quasi erlaubt – ein Kompromiss zwischen bürgerlichen Freiwillen und
Polizeilicher Observation) und ein Gemeinsinn – man wartet nicht, wenn der
Mülleimer im Park durch den Wind umgeweht wird, bis der städtische Ordnungsdienst
daherkommt, sondern sammelt gemeinsam, ohne viel Aufhebens schnell alles ein.
Also, es ist irgendwie irritierend, dass die Leute sich wie Amis fühlen, aber
als Mutters Sprache Spanisch sprechen. Also, jetzt kommt gleich der Aufruf zum
Boarding, die Leute stehen so langsam auf, jeder hat natürlich seinen Platz
(übrigens auch sehr amerikanisch, dieses wohlorganisierte, klaglose Kjuen (man
schreibe es englisch, ich weiß aber nicht wie, also aussprechen und dadurch
verstehen) – ich dachte, das gibt es nur in England, aber die Amerikaner sind
ganz groß dad´rin und total aggresiv, wenn sie glauben, man hat sich
vorgefuscht (zweimal ist mir das passert – dabei habe ich mich gar nicht
vorbeigedrängelt, sondern bin von dem Clerk zum zweiten Desk aufgerufen worden
und der am ersten Desk musste halt mal aufs Klo, da dauerte es eben länger –
ist doch nicht meine Schuld. Die eine Amerikanerin habe ich dadurch geschockt,
und damit vermutlich der Europäer in ihren Augen auf immer ruiniert, dass ich
sagte: Urlaub oder Stress, was sei ihr lieber und irgendetwas über Stress
philosophierte . So nun schluss, sonst ist der Flieger ohne mich weg.
Hi Cathrin! Endlich ein neues Lebenszeichen von Dir. Und sogar 2 Fotos! WOW- eine starke Leistung... . Tschuldigung. Vielleicht solltest Du eher eine Art Tagebuch schreiben und nicht jede mail einzeln beantworten. Ich habe mich zwar gefreut, aber doch oft vergeblich im blog nach Neuem gesucht. Mit mehr Neuigkeiten hast Du auch mehr Leser !!! Und: Fotos! Was ist mit schönen Bildern? Bin nun mal unvrbesserlich neugierig. Freue mich auf mehr von Dir!!! Liebe Grüße auch von Micha aus dem kühlen,sonnigen Krefeld in die Welt. Deine Ute
AntwortenLöschenOHHHHHHHHH NEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIINNNNNNNNNN!
AntwortenLöschenJetzt hast Du Jose verpasst! Jose steht traurig mit seiner Rose am Flughafen von Puerto Rico, wohin ihn sein Schicksal verschlagen hat,weil Fortuna ihn für Dich vorgesehen hatte - warum sonst die Verwechslung bei der Fluggesellschaft ??!!
Und das war nämlich so:
Jose war eigentlich unterwegs, um sich ein grüngelb-gestreiftes Hemd zu kaufen. Dummerweise war der Taxifahrer Chinese mit schlechten Ortskenntnissen und setzte ihn - statt an der Mall- am Flughafen ab. Dort ging er nun erst einmal Kaffee trinken, denn er dachte: "Wenn ich schon hier bin, wer weiß, wozu es gut ist..." Und dann sah er Dich! Du stiegst soeben aus der Maschine und hievtest den riesigen Rucksack am Co-Piloten vorbei UND Jose traf es wie der Schlag: SCHICKSAL!
Sofort rannte er los, um eine Rose zu kaufen. Die Schlange war allerdings sehr lang und so musste er warten.
Derweil hattest Du beschlossen, dass Puerto Rico doof ist und stelltest Dich an die nächste Schlange, um möglichst schnell von der Insel zu verschwinden. Dabei hast Du übersehen, dass Dein Riesenrucksack nun quer über den Weg lag und Jose, in seinem Eifer, Dich anzusprechen, hasteste auf dich zu, sah den Rucksack nicht, fiel darüber, schlitterte über den glattpolierten Boden und krachte mit der Rose voll in die nächste Säule, wo er bewusstlos liegenblieb, während Du in aller Ruhe das Gespräch mit der Dame am Schalter beendet und den armen Jose gar nicht wahrgenommen hast!
Sobald er wieder zu sich gekommen war, lief er laut schreiend durch die Halle und rief verzweifelt: "Wo ist sie? Wo ist sie?" Aber da warst Du schon im nächsten Flieger. Na toll.
Konsequenzen:
1. Jose sitzt leise schnüffelnd auf dem Flughafen in Puerto Rico und wartet auf Deine Rückkehr.
2. Fortuna ist sauer, weil sie das doch eigentlich so gut eingefädelt hatte mit den falschen Flügen.
3. Karola und ich sind erleichtert, dass Du nicht für immer auf Puerto Rico bleibst.
4. ... und noch erleichterter, weil wir Deine Kisten nicht per Schiff in den nächsten Sommerferien nach Puerto Rico verschiffen müssen (Sechs Wochen Karo und ich auf einem Schiff----ahoi!)
Danke fuer Deine wunderschoene Geschichte - ich trauere um Jose, aber nicht um Puerto Rico. Hier in Costa Rica ist es klasse. Umarmung Cathrin
AntwortenLöschenNa toll: TED! Ted aus Santa Fe ist gerade jetzt auf Heimaturlaub...In einer Woche muss er nach Afghanistan zurück *Mist*
AntwortenLöschenHi, Cathrin schön von Dir zu lesen. Aber wsrum bist Du incognito unterwegs? (Anonym). Wüßte gerne Deine ungefähre Reiseroute. Ansonsten Danke für die Karte! Du hast sogar Zeit zu schreiben. Toll. Wenn Du schon soviele Bilder gemacht hast, zeige sie doch mal. Denke viel an Dich. Liebe Grüße auch von Micha und Bademeister aus dem sonnig-herbstlichen Krefeld Deine Ute
AntwortenLöschenLiebste Cathrin,
AntwortenLöschenhatte deinen Eintrag hier schon gesehen und fast gelöscht... aaaaahhhh.. wollte nur die anderen Versuche löschen ;-) Puhhh.... Hab dann vor lauter Scheck gar nichts mehr geschrieben!!! Bin gespannt auf weitere Abenteuer!! Auch wenn ich mit Fortuna fieber ;-)
LG Karo