Gerade habe ich ein paar
Bilder in den Blog gepostet (das dauert ziemlich lange, so drei/vier Minuten
per Bild, da ich nicht weiß, wie ich die Bilder verkleinern kann – dank Karo
erscheinen die einmal von mir geposteten dann aber im Normalformat – na ja, meine
Unkenntnis im Bildverkleinern ist der Grund dafür, dass ich ziemlich bescheiden
bin im Bildposten), dann war das Internet schon wieder abgeschaltet und so
schreibe ich nun auf Vorrat, ohne Eure Kommentare berücksichtigen zu können.
Ich wollte einfach mal hier so von meinem Leben berichten, was beileibe nicht
nur angenehm ist (wenn auch meistens). Also zuerst einmal – ich habe Zeit. Um
das zu lernen, habe ich jetzt erst einmall 6 Wochen gebraucht. Aber es stimmt
tatsächlich – alles braucht seine Zeit, damit ich es angemessen aufnehmen kann
und nicht nur abarbeite. Manchmal bin ich noch im Zwiespalt, weil ich so viele
Dinge machen und erleben möchte und andere Sachen gemacht werden müssen, z.B.
Zähneputzen, die einfach Zeit wegzunehmen scheinen. Aber dem ist natürlich
nicht so. Es sind notwendige Vorgänge und die brauchen ihre Zeit. Also – ich
wache auf (meist ohne Wecker – ein total neues Gefühl für mich. Oft sogar noch
besser – ich wache VOR dem Wecker auf und mag mich gar nicht mehr auf die
andere Seite rollen, sondern strotze vor Energie und springe aus dem Bett.
Draußen ist es schon hell, aber noch nicht sonnig (die Sonne kommt, wenn sie
denn kommt, immer erst gegen sieben, halb acht hervor). Ich stehe also auf,
trete vor die Tür, begrüße den Tag, noch halb im Traum. Die Luft ist noch
angenehm kühl-warm (ca 24 Grad) Dann schlurfe ich zurück in mein Zimmer, lüfte
die Decken, das Kissen, setze mih erst einmal hin, um über die Nacht und meine
derzeitigen Gefühle zu reflektieren. Dann Duschen (genussvoll) – selbst wenn
die Dusche kalt ist, geht schon – dann werde ich etwas rascher wach. Dann krame
ich meine Klamotten zusammen (das geht schnell, es sind nur wenige – toll) und
dann krame ich die Dinge zusammen, die ich im Laufe des Tages brauche oder die
Dinge, die ich in einem Safe packen will (sofern vorhanden) oder , die falls
kein Safe vorhanden ist, so am Körper verpacken muss, dass sie nicht wegkommen,
aber auch nicht stören. Dann: Zähneputzen (muss sein, auch wenn ich es echt
ungern tue, aber der Geschmack im Mund ist doch dann besser und außerdem
fürchte ich mich ziemlich vor dem Zahnarzt, also putzeN) Dann Frühstück –
vielleicht schon mal ein kleiner Spaziergang, vorher noch etwas im Reiseführer
lesen – gucken. In der ganzen Zeit habe ich jetzt gerade mal 3 Bücher gelesen,
weil es einfach so viel zu gucken gibt. Der Tag geht vorbei mit REISEN – also
packen, heben, Bushaltestelle suchen, Bus erwarten (auf einen Sitzplatz
hoffen), Busfahren, Umsteigen, ankommen, irgendein Zimmer in Besitz nehmen.
Falls ich mehrere Tage bleibe, dann ist der Tag gefüllt mit „den Ort erobern“,
also durch die Gegend gehen, hinsetzen, gucken, gehen, hinsetzen, gucken,
fotographieren, Kleinigkeit essen, gehen, gucken, fotographieren. Dazwischen:
Entweder Regenzeug anziehen und zusehen, dass ich und der mich umgebende Rest –
vor allem der aus Papier – nicht allzu nass werden. Oder: Schwitzen. Hier an
der Karibik habe ich ständig einen Schweißfilm auf der Haut. Alles scheint
feucht. Atmen ist schwer, das Warten auf die frische Brise – so sie denn mal
kommt – ist sehnsüchtig. Das Erobern des Ortes verlangt aber auch viele Opfer,
nämlich, dass ich mich nicht ausruhe – also einen maximalen Ortsplatzwechsel
vornehme im Radius von 10 Metern zwischen Eisschrank und Hängematte, sondern, dass ich mich
bewege, meistens mit ziemlich viel Gepäck auf dem Rücken. Ich weiß gar nicht,
wo die Feuchtigkeit überall herkommt, aber sie ist überall! Zwischendurch
erfolgen in regelmäßigen Abständen panische Selbstschutzattacken, nämlich mit
Sonnenöl (meist dann doch etwas spät) oder / und mit einem
Insektenabwehr-Repellent – meist leider vergeblich. Ich habe bereits eine
Kollektion an meinen Beinen von: 1) Flöhen (auch am Rücken) – dank meiner
Tierliebe, die ich mir gerade deshalb abgewöhne, also Hunden und besonders
Katzen 2) Mücken – trotz weißer, langärmeliger Kleidung in der Abenddämmerung
(ich schwitze wie Sau!) und Salven von aufgesprühtem Antiinsektum eigne ich
mich als Gesamtraumabwehr gegen Insekten für alle anderen Menschen im Saal –
selbst unter meinem Rucksack haben die Viecher schon zugeschlagen – was immer
ich auch auf mich sprühe, diese Tiere lieben mich. 3) Ameisen; So ein
Dschungelgang macht –trotz Schatten – müde und so habe ich mich, dankbar, als
ich einen größeren Stein fand, darauf gesetzt. Natürlich habe ich die
Schlangenkontrolle gemacht (genau ! hingucken), aber an Ameisen habe ich nicht
gedacht. Locker sind sie an meinen Gummistiefeln hochgestiegen und in mein
Hosenbein hinein. Erst durch den Biss, als ich aufstehen wollte, auf diese Gäste
aufmerksam geblieben, führte ich einen Veitstanz auf – eine Superkonkurrenz für
die Affen – und tötete wahrescheinlich die Angreifer, ihre Leichen fand ich
nicht, wohl aber ihre giftige Hinterlassenschaft an meinem Knie.4) Wanzen – an
meiner Wade sind einige dieser Liebesküsse, sie sind sehr hart und jucken zum
Verrücktwerden. Ich nehme mittlerweile täglich 2 bis 3 Antihistamine, damit ich
das überhaupt aushalte und nicht ständig an mir rumkratze. Also – ihr seht, das
Leben ist auch hier kein leichtes für mich, sondern ziemlich elementar.
Abgesehen von diesen
Malaisen geht sonst alles seinen Gang – ich kann die Zeit mittlerweile ganz gut
am Sonnenstand bzw. am Helligkeitsstand abschätzen (wenn mir danah ist), denn
nach den Aktivitäten (gucken, gehen, fotographieren, Busfahren oder Ähnliches)
heißt es aufpassen, wenn die Sonne untergehen möchte, denn das tut sie irre
schnell innerhalb einer sehr kurzen Zeit (vielleicht innerhalb von 15
Minuten)Danach sieht man nicht mehr viel (Sterne, aber keine Straße). Da die
Wege hier meist ziemlich uneben sind, wenn nicht löchrig, tut man gut daran,
entweder in der Nähe von künstlichen Lichtquellen zu sein oder sicher im Hotel,
sonst besteht Lebensgefahr (aber nicht wegen der Tiere oder wegen feindlich
gesinnter Menschen, sondern weil man sich die Beine bricht). Die schwersten
Entscheidungen des Tages sind in der Regel, ob ich tatsächlich meinen Rucksack
tragen will. Ich habe ihn schon total oft ausgemistet, ich finde einfach nichts
mehr, was ich wegschmeißen kann, aber trotzdem sind es irgendwie knapp 20
Kilogramm – einfach total schwer. Meine Schultern spüre ich dann kaum und ich
schwanke sacht unter dem Gewicht und muss wohl einen ziemlich
erbarmungswürdigen Anblick abgeben. Ich werde mir bei nächster Gelegenheit doch
eine Räderkarre besorgen – zusätzliches Gewicht im Gleichgewicht mit
komfortablerer Beförderung, denn das Tragen dieses schweren Koffers ist im
wahrsten Sinne des Wortes nicht leicht. Außerdem habe ich mir schon die linke
Schulter ziemlich ausgerenckt, denn beim Hochhieven und Überwerfen des
Rucksacks habe ich sie mir verzerrt. Tja – mal schauen, wo ich den Hauptteil
des Gepäcks in Neuseeland lasse, denn da kaufe ich mir ja noch ein Zelt und
mehr als 8/9 Kilogramm will ich auf keinen Fall bei meinen Zeltwanderungen
dabeihaben! Als eine weitere Schwierigkeit auf dem Weg des Reisens hat sich
überraschenderweise mein Haar herausgestellt. Es ist zu lang – ständig kitzelt
es mich im Nacken, stecke ich es aber hoch siehts blöd aus oder – was
problematischer ist – gleich total angeschweißt und fettig-stränig und hängt
wie ein Trauervorhang um mich herum. Kurzschneiden habe ich wieder überlegt,
aber Haare wachsen ja bekanntlich – ich habe mich noch nicht entschieden, was
zu tun ist. Das mit dem Abschneiden ist vielleicht gar nicht so dumm, denn
durch das tägliche Waschen sind die Haare sehr gestresst – ich brauche gar
nicht mehr in eine Steckdose hineingreifen, ich sehe schon so aus! Außerdem
bleichen die Haare in der Hitze hier schnell aus, sehen also sehr ungesund aus.
Ich weiß eigentlich gar
nicht, womit ich so meine Zeit verbringe, ich könnte kaum sagen, was ich jeden
Tag so sehe, aber es ist ungeheuerlich viel, weil ich alles gerne aufnehmen
möchte. So komme ich nicht zum Lesen. Das PC-Schreiben knapse ich mir von der
zur Verfügung stehenden Tageszeit ab – es ist unglaublich, wie schnell so ein
Tag vergeht und gleichzeitig, wie viel Zeit man so hat. Gegensätzlich, aber
wahr. So, Schluss für heute, morgen gehen diese Zeilen ins Netz und ihr könnt
Euren Senf dazugeben – aber bitte ausführlich.
Ich muss sagen, deine Zeit, die so wahnsinnig schnell vergeht, hört sich viel besser an, als meine Zeit, die mindestens genauso schnell vergeht! Man merkt, dass du so langsam "angekommen bist" im Sabbatjahr!! Schön! Und du hast noch soooo viel Zeit!!!
AntwortenLöschenLiebste Grüße
Karo
Ach ja, noch ein Tipp?! Wie sieht es aus mit einem Kopftuch? Sonnenschutz und auch Haare aus dem Nacken, bis sie lang genug sind für einen Zopf...
AntwortenLöschenHallo liebe Reisende, ich habe das Gefühl, daß Du jetzt aufnahmefähiger bist aber auch gehetzt (!?!). Du bist ja scheinbar ständig in Bewegung. Mach mal Pause-gibts in der Schule ja auch- und verdaue all diese tollen Eindrücke. Du solltest immer Zeit finden Dein Laptop zu quälen!!! Sehr schön,daß Du mehr erzählen kannst. Freue mich riesig über die Shortstorys und die tollen Bilder. Deine Augen/Brillen scheinen zu funktionieren!
AntwortenLöschenNews zu Krefeld: heute Großbrand im Hafen: Hersteller von Düngemitteln!
Hoffe sie kriegen es in den Griff. Arbeit viel aber ok. Liebe Grüße Ute