Sonntag, 23. September 2012



Gerade habe ich ein paar Bilder in den Blog gepostet (das dauert ziemlich lange, so drei/vier Minuten per Bild, da ich nicht weiß, wie ich die Bilder verkleinern kann – dank Karo erscheinen die einmal von mir geposteten dann aber im Normalformat – na ja, meine Unkenntnis im Bildverkleinern ist der Grund dafür, dass ich ziemlich bescheiden bin im Bildposten), dann war das Internet schon wieder abgeschaltet und so schreibe ich nun auf Vorrat, ohne Eure Kommentare berücksichtigen zu können. Ich wollte einfach mal hier so von meinem Leben berichten, was beileibe nicht nur angenehm ist (wenn auch meistens). Also zuerst einmal – ich habe Zeit. Um das zu lernen, habe ich jetzt erst einmall 6 Wochen gebraucht. Aber es stimmt tatsächlich – alles braucht seine Zeit, damit ich es angemessen aufnehmen kann und nicht nur abarbeite. Manchmal bin ich noch im Zwiespalt, weil ich so viele Dinge machen und erleben möchte und andere Sachen gemacht werden müssen, z.B. Zähneputzen, die einfach Zeit wegzunehmen scheinen. Aber dem ist natürlich nicht so. Es sind notwendige Vorgänge und die brauchen ihre Zeit. Also – ich wache auf (meist ohne Wecker – ein total neues Gefühl für mich. Oft sogar noch besser – ich wache VOR dem Wecker auf und mag mich gar nicht mehr auf die andere Seite rollen, sondern strotze vor Energie und springe aus dem Bett. Draußen ist es schon hell, aber noch nicht sonnig (die Sonne kommt, wenn sie denn kommt, immer erst gegen sieben, halb acht hervor). Ich stehe also auf, trete vor die Tür, begrüße den Tag, noch halb im Traum. Die Luft ist noch angenehm kühl-warm (ca 24 Grad) Dann schlurfe ich zurück in mein Zimmer, lüfte die Decken, das Kissen, setze mih erst einmal hin, um über die Nacht und meine derzeitigen Gefühle zu reflektieren. Dann Duschen (genussvoll) – selbst wenn die Dusche kalt ist, geht schon – dann werde ich etwas rascher wach. Dann krame ich meine Klamotten zusammen (das geht schnell, es sind nur wenige – toll) und dann krame ich die Dinge zusammen, die ich im Laufe des Tages brauche oder die Dinge, die ich in einem Safe packen will (sofern vorhanden) oder , die falls kein Safe vorhanden ist, so am Körper verpacken muss, dass sie nicht wegkommen, aber auch nicht stören. Dann: Zähneputzen (muss sein, auch wenn ich es echt ungern tue, aber der Geschmack im Mund ist doch dann besser und außerdem fürchte ich mich ziemlich vor dem Zahnarzt, also putzeN) Dann Frühstück – vielleicht schon mal ein kleiner Spaziergang, vorher noch etwas im Reiseführer lesen – gucken. In der ganzen Zeit habe ich jetzt gerade mal 3 Bücher gelesen, weil es einfach so viel zu gucken gibt. Der Tag geht vorbei mit REISEN – also packen, heben, Bushaltestelle suchen, Bus erwarten (auf einen Sitzplatz hoffen), Busfahren, Umsteigen, ankommen, irgendein Zimmer in Besitz nehmen. Falls ich mehrere Tage bleibe, dann ist der Tag gefüllt mit „den Ort erobern“, also durch die Gegend gehen, hinsetzen, gucken, gehen, hinsetzen, gucken, fotographieren, Kleinigkeit essen, gehen, gucken, fotographieren. Dazwischen: Entweder Regenzeug anziehen und zusehen, dass ich und der mich umgebende Rest – vor allem der aus Papier – nicht allzu nass werden. Oder: Schwitzen. Hier an der Karibik habe ich ständig einen Schweißfilm auf der Haut. Alles scheint feucht. Atmen ist schwer, das Warten auf die frische Brise – so sie denn mal kommt – ist sehnsüchtig. Das Erobern des Ortes verlangt aber auch viele Opfer, nämlich, dass ich mich nicht ausruhe – also einen maximalen Ortsplatzwechsel vornehme im Radius von 10 Metern zwischen Eisschrank  und Hängematte, sondern, dass ich mich bewege, meistens mit ziemlich viel Gepäck auf dem Rücken. Ich weiß gar nicht, wo die Feuchtigkeit überall herkommt, aber sie ist überall! Zwischendurch erfolgen in regelmäßigen Abständen panische Selbstschutzattacken, nämlich mit Sonnenöl (meist dann doch etwas spät) oder / und mit einem Insektenabwehr-Repellent – meist leider vergeblich. Ich habe bereits eine Kollektion an meinen Beinen von: 1) Flöhen (auch am Rücken) – dank meiner Tierliebe, die ich mir gerade deshalb abgewöhne, also Hunden und besonders Katzen 2) Mücken – trotz weißer, langärmeliger Kleidung in der Abenddämmerung (ich schwitze wie Sau!) und Salven von aufgesprühtem Antiinsektum eigne ich mich als Gesamtraumabwehr gegen Insekten für alle anderen Menschen im Saal – selbst unter meinem Rucksack haben die Viecher schon zugeschlagen – was immer ich auch auf mich sprühe, diese Tiere lieben mich. 3) Ameisen; So ein Dschungelgang macht –trotz Schatten – müde und so habe ich mich, dankbar, als ich einen größeren Stein fand, darauf gesetzt. Natürlich habe ich die Schlangenkontrolle gemacht (genau ! hingucken), aber an Ameisen habe ich nicht gedacht. Locker sind sie an meinen Gummistiefeln hochgestiegen und in mein Hosenbein hinein. Erst durch den Biss, als ich aufstehen wollte, auf diese Gäste aufmerksam geblieben, führte ich einen Veitstanz auf – eine Superkonkurrenz für die Affen – und tötete wahrescheinlich die Angreifer, ihre Leichen fand ich nicht, wohl aber ihre giftige Hinterlassenschaft an meinem Knie.4) Wanzen – an meiner Wade sind einige dieser Liebesküsse, sie sind sehr hart und jucken zum Verrücktwerden. Ich nehme mittlerweile täglich 2 bis 3 Antihistamine, damit ich das überhaupt aushalte und nicht ständig an mir rumkratze. Also – ihr seht, das Leben ist auch hier kein leichtes für mich, sondern ziemlich elementar.
Abgesehen von diesen Malaisen geht sonst alles seinen Gang – ich kann die Zeit mittlerweile ganz gut am Sonnenstand bzw. am Helligkeitsstand abschätzen (wenn mir danah ist), denn nach den Aktivitäten (gucken, gehen, fotographieren, Busfahren oder Ähnliches) heißt es aufpassen, wenn die Sonne untergehen möchte, denn das tut sie irre schnell innerhalb einer sehr kurzen Zeit (vielleicht innerhalb von 15 Minuten)Danach sieht man nicht mehr viel (Sterne, aber keine Straße). Da die Wege hier meist ziemlich uneben sind, wenn nicht löchrig, tut man gut daran, entweder in der Nähe von künstlichen Lichtquellen zu sein oder sicher im Hotel, sonst besteht Lebensgefahr (aber nicht wegen der Tiere oder wegen feindlich gesinnter Menschen, sondern weil man sich die Beine bricht). Die schwersten Entscheidungen des Tages sind in der Regel, ob ich tatsächlich meinen Rucksack tragen will. Ich habe ihn schon total oft ausgemistet, ich finde einfach nichts mehr, was ich wegschmeißen kann, aber trotzdem sind es irgendwie knapp 20 Kilogramm – einfach total schwer. Meine Schultern spüre ich dann kaum und ich schwanke sacht unter dem Gewicht und muss wohl einen ziemlich erbarmungswürdigen Anblick abgeben. Ich werde mir bei nächster Gelegenheit doch eine Räderkarre besorgen – zusätzliches Gewicht im Gleichgewicht mit komfortablerer Beförderung, denn das Tragen dieses schweren Koffers ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht leicht. Außerdem habe ich mir schon die linke Schulter ziemlich ausgerenckt, denn beim Hochhieven und Überwerfen des Rucksacks habe ich sie mir verzerrt. Tja – mal schauen, wo ich den Hauptteil des Gepäcks in Neuseeland lasse, denn da kaufe ich mir ja noch ein Zelt und mehr als 8/9 Kilogramm will ich auf keinen Fall bei meinen Zeltwanderungen dabeihaben! Als eine weitere Schwierigkeit auf dem Weg des Reisens hat sich überraschenderweise mein Haar herausgestellt. Es ist zu lang – ständig kitzelt es mich im Nacken, stecke ich es aber hoch siehts blöd aus oder – was problematischer ist – gleich total angeschweißt und fettig-stränig und hängt wie ein Trauervorhang um mich herum. Kurzschneiden habe ich wieder überlegt, aber Haare wachsen ja bekanntlich – ich habe mich noch nicht entschieden, was zu tun ist. Das mit dem Abschneiden ist vielleicht gar nicht so dumm, denn durch das tägliche Waschen sind die Haare sehr gestresst – ich brauche gar nicht mehr in eine Steckdose hineingreifen, ich sehe schon so aus! Außerdem bleichen die Haare in der Hitze hier schnell aus, sehen also sehr ungesund aus.
Ich weiß eigentlich gar nicht, womit ich so meine Zeit verbringe, ich könnte kaum sagen, was ich jeden Tag so sehe, aber es ist ungeheuerlich viel, weil ich alles gerne aufnehmen möchte. So komme ich nicht zum Lesen. Das PC-Schreiben knapse ich mir von der zur Verfügung stehenden Tageszeit ab – es ist unglaublich, wie schnell so ein Tag vergeht und gleichzeitig, wie viel Zeit man so hat. Gegensätzlich, aber wahr. So, Schluss für heute, morgen gehen diese Zeilen ins Netz und ihr könnt Euren Senf dazugeben – aber bitte ausführlich.

3 Kommentare:

  1. Ich muss sagen, deine Zeit, die so wahnsinnig schnell vergeht, hört sich viel besser an, als meine Zeit, die mindestens genauso schnell vergeht! Man merkt, dass du so langsam "angekommen bist" im Sabbatjahr!! Schön! Und du hast noch soooo viel Zeit!!!

    Liebste Grüße
    Karo

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  2. Ach ja, noch ein Tipp?! Wie sieht es aus mit einem Kopftuch? Sonnenschutz und auch Haare aus dem Nacken, bis sie lang genug sind für einen Zopf...

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  3. Hallo liebe Reisende, ich habe das Gefühl, daß Du jetzt aufnahmefähiger bist aber auch gehetzt (!?!). Du bist ja scheinbar ständig in Bewegung. Mach mal Pause-gibts in der Schule ja auch- und verdaue all diese tollen Eindrücke. Du solltest immer Zeit finden Dein Laptop zu quälen!!! Sehr schön,daß Du mehr erzählen kannst. Freue mich riesig über die Shortstorys und die tollen Bilder. Deine Augen/Brillen scheinen zu funktionieren!
    News zu Krefeld: heute Großbrand im Hafen: Hersteller von Düngemitteln!
    Hoffe sie kriegen es in den Griff. Arbeit viel aber ok. Liebe Grüße Ute

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