Hallo, meine Lieben! Eine halbe Stunde bleibt mir noch, dann wird hier im Hotel das Internet abgeschaltet. Natürlich habe ich wieder tolle Dinge erlebt, die ich gerne mit Euch teilen würde - am besten live. Denn eigentlich vermisse ich manchmal schon jemandem, mit dem ich über das alles mich austauschen kann. Alleine Reisen ist sehr schön, aber mit anderen reisen, das wäre doch noch schöner. Da könnte man mehr lachen - ich glaube, das fehlt mir, das gemeinsame Lachen.
Mein Spanisch ist aber wieder ganz rege, so dass ich mit allen und jedem, der nicht schnell genug auf irgendeinem Baum ist, parliere und meine Sprachkenntnisse ausprobiere. Über mein schlechtes Wortgedächtnis ärgere ich mich mächtig, denn manchmal muss ich vier oder fünfmal etwas nachschlagen, nachfragen, nachlesen usw. bis ich es geschnackelt habe, z.B: Das Wort für Abfall (es ist mir gerade mal wieder entfallen) benutzte ich täglich mehrere Male und trotzdem - manchmal einfach weg (ah: basura) Immerhin spreche ich im Spanischen schön langsam - die anderen verstehen mich ganz gut. Ich bin auch prima darin, um den heißen Brei herumzureden - irgendwie mache ich mich verständlich, wenn ich auch viele Wörter nicht weiß, dann wird solange erklärt, ohne Scham gestiguliert und gezeigt, aber auch Storys erfunden, bis mein Gegenüber - belohnt sei seine Geduld - mich endlich versteht! Was mich ehrlich freut, ist auch, dass ich einen immer größeren Prozentsatz dessen verstehe, was andere mir erzählen. Oft verstehe ich jetzt schon so viel, dass ich nur noch einzelne Worte nachfragen muss. Natürlich verstehe ich nicht jedes Wort, aber - das ist für mich ganz toll, da ich normalerweise immer ganz korrekt bin und auch ziemlich infexibel-steif und erst jedes Wort verstehen muss, bevor sich mir der Sinn erschließt - mittlerweile kann ich ganz gut im Kontext Folge leisten, wenn ich das Thema mal verstanden habe. Aber bei der Schildkrötennacht - das war furchtbar. Ich bin in einer kleinen Gruppe von Ticos (Costa Ricanern) gelandet. Hätte ich nicht schon etwas von Schildkröten gewusst hätte, ich hätte überhaupt nicht gewusst, wovon der Führer da spricht. Also, etwas Neues habe ich jedenfalls so nicht gelernt. Ein Typ mit Tussi als Freundin (wir sollten alle in Dunkel gekleidet kommen ohne Kamera und Lichtquellen, Tussi in Schweifröckchen und Stöckelstacksen, aber man muss natürlich schön sein bei Nacht und Nebel am Strand) hat sich nicht entblödet, sein Handy anzustellen (= Lichtquelle), woraufhin die "Polizei" unserer Gruppe die Schildkrötenbeschau verbieten wollte. Also - lautes Palaver. Wenn ich Schildkröte wäre, dann wäre ich längst abgehauen, einfach eine Zumutung. Eine Schildkröte fühlte sich dann auch gestört und hat den Rückzug angetreten, mit der Folge, dass - dadurch, dass ihr Hinterteil mit rotem Licht angestrahlt wurde - 30 Menschen ihr ergriffen zum Meer folgten, wohin sie die Flucht ergriff. Eine andere Schildkröte war offensichtlich schon im Geburtsdelirium und konnte uns nicht mehr entkommen, so dass wir dem Geburtsvorgang einiger Duzend Eier Folge leisten konnten, aber nur kurz, damit alle mal gucken können. Da es Neumond war, haben wir eigentlich außer einigen purzelnden Eier gar nichts gesehen. Was ich gesehen habe, das war ein wunderbarer Sternenhimmel, so hell, dass ich die Milchstraße sehen konnte. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so etwas Erhebendes gesehen habe - einfach wunderschön! Ich wünschte mir in diesem Moment, jede Nacht zelten zu können und unter dem Himmelszelt, nur umgeben von Meeresrauschen und schwarzem Sandstrand verbringen zu können, aber das wird wohl nichts, solange mich Fliegen und Mücken plagen. Nach diesem ziemlich unbefriedigen Abend folgte ein toller Tag - gestern. Ich stand um fünf auf, war um sechs zur Stelle am vereinbarten Platz - nur um das Padelboot auf dem Kanal entschwinden zu sehen - ohne mich, man hatte mich vergessen und war vorzeitig aufgebrochen. Dem einen Rancher tat ich wohl leid, oder aber, man sah ein, das man nicht unbedingt zu früh losfahren muss - jedenfalls schob Steve kurzentschlossen ein Boot ins Wasser - nachdem ich einen leckeren Kaffee an der "Hafenkneipe" (Hafen ist eigentlich zu viel gesagt, die Boote werden einfach auf die Bäschung hochgeschoben) getrunken hatte und dann bekam ich eine Extraführung. Wir paddelten (schwerpunktmäßig Steve im Heck - ich nur in Abständen, unterbrochen von Fotographieren und Sprechen) 3 Stunden im Nationalpark auf der Lagune und ich konnte verschiedene Vögel, Echsen und sogar ein paar Affen beobachten und einen kleinen Kaiman - es war wunderschön, ganz ruhig, oft trieben wir nur dahin, der phantastische Urwald umgab uns - manchmal kam tatsächlich ein Motorboot vorbei - Mordgelüste taten sich in meinem Busen auf, also ganz sediert war ich von dem Anblick noch nicht. Es war ein einmaliges Erlebnis. Nachmittags bin ich dann in Gummistiefeln durch den Nationalpark und - als ich schon alle Hoffnung aufgegeben hattte, direkt neben mir, seilte sich ein Affe ab - den ganzen Mittag haben die Viecher wahrscheinlich geschlafen, als ich auf der Suche nach ihnen war! Von einigen kleineren Echsen habe ich sehr schöne Aufnahmen gemacht und herrlich bunte Schmetterlinge flatterten vorbei, während ich die ganze Zeit parallel zum Meer ging, die Wellen hörte (es war unheimlich schwer, mich nicht hineinzustürzen, aber ist eben verboten, wegen den Schildkröten - andererseits wird man sofort von tausendenden von Fliegen angeflogen, die begierig das Salz auf der schweißigen Haut in sich hineintrinken - sehr lästig), die Palmen wogten im Wind, ich schwitzte ungeheuerlich, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 95 Prozent, die Temperatur war über 30 Grad, allerdings lag der Wanderweg im Schatten - ich lief mir eine superdicke Blase am Fuß und außerdem , da wo der Gummischuhrrand ist, wurde meine Haut ganz wund wegen des Schwitzens - aber egal - ich sah die Geier am Strand (sie warten auf die schlüpfenden Schildkröten und wissen diesen Leckerbissen zu schätzen) und ich sah und hörte die Affen - endlich. Jetzt zum Schluss: Heute bin ich dreieinhalb Stunden mit dem Boot Richtung Süden gebraust - Toll! Dabei habe ich tatsächlich ein Faultier gesehen und ganz viele Pelikane und so eine Art Flamingos, jedenfalls staksten sie im Wasser und waren rosa. Jetzt bin ich in einer Hüttenlodge in Puerto Viejo im Südosten Costa Ricas - Traumstrände erwarten mich hoffentlich morgen, falls kein Regen kommt, leihe ich mir ein Fahrrad und alles wird wieder schön. Ich berichte weiter! Bis bald . Cathrin
HI! Mit der Bitte Kurzkommentare zu vermeiden, nimmst Du Dir die Chance, dass wir überhaupt mailen. Ich guck nämlich fast nur die persönlichen SEiten an. Mails sind Schulkram.
AntwortenLöschenSag mal, WO wohnst Du eigentlich? Machst Du auch nen Sprachkurs oder nur Ausflüge?
Ich habe nicht den Eindruck, dass Du allein reist. Denk nur an die Typen, die dich zum Bus gefahren haben und Kevin, den Ruderer. Du lernst so viele Leute kennen - das ist doch klasse. Ich beneide Dich total! Aber ich kenne das Gefühl als Alleinreisende, ABER: Genieß Dein Einzelzimmer ;-) In Frankreich waren die Zimmer so klein, dass ich froh war, mein Zimmer nicht teilen zu müssen.
Also: Erleb einfach weiter viel und mach tolle Fotos wie das vom Drachen!
Morgen ist Jahrmarkt in Wissen. Du verpasst also nichts :-) Lg Nico
Liebe Cathrin,
AntwortenLöschenich kann mir vorstellen, dass es zu zweit ein schöneres Reisen ist und dass du oft die Gespräche vermisst! Aber es hat ja auch Vorteile: du brauchst dich mit niemanden absprechen, was ihr wie macht. Auf Reisen lernt man den anderen immer ganz anders kennen und das ist nicht immer das, was man sich so von dem anderen gedacht hat... Und du hast doch auch schon ganz interessante neue Menschen kennengelernt!
Fühl dich virtuell ganz lieb gedrückt!!!
Liebste Grüße
Karo