Mittwoch, 13. März 2013



11.3.2013
Da bin ich nun, in einem Land meiner Träume – ich nenne es nach wie vor „Burma“, denn Myanmaresen klingt irgendwie nicht so angenehm wie Burmesen, ist aber im Moment ohnehin egal, denn ich bin im Staat der Shan, im Zentralgebiet des Landes. Die Politik ist mild gestimmt (wer hätte das gewagt anzunehmen vor 3 Jahren als kurz nach dem vernichtenden Orkan eine „Pseudo“abstimmung über eine weitgehend unbekannte Verfassung von der Militärregierung erzwungen wurde und Hilfslieferungen und menschliche Hilfe abgelehnt wurden trotz der fruchtbaren Bedingungen im Delta), Aun San Sutschi ist an jedem Zeitungsstand zu sehen (eingefallen und krank mit tiefen Rändern unter den Augen und eingefallenen Wangen sieht sie aus), der Visabeamte in Singapore hob nur leicht mahnend den Finger mit dem Hinweis „Das nächste Mal in Berlin“ und schon hatte ich meine Einreisegenehmigung! – gültig für 28 Tage innerhalb eines Vierteljahres – am Flughafen in Yangon dann die Überraschung: Visa on Arrival – wie valide und ob auch für Deutsche konnte ich in der kurzen Zeit nicht herausfinden, sicher aber ist, ich könnte mein Visum ohne Schwierigkeiten verlängern auf 6 Wochen. Neue Töne auch sonst: Das größte Abenteuer in Yangon war die Suche nach einer funktionierenden Cash-Maschine (ATM), seit November bevölkern sie die ehemalige Hauptstadt, allerdings eher unauffällig oder nicht funktionsfähig – ein Einbahnstraßensymbol und ansonsten myanmesische Schriftzeichen weisen den geneigten Möchtegernbenutzer darauf hin (der Kontrollausdruck schreibt dann „failed“ – immerhin!). Gleich am Flughafen hat die Cashmachine bereits ihren Geist aufgegeben, die Money Exchanger bieten allerdings für Dollar, Euro und Singapore Dollar einen Kurs, der etwas besser als die internationale Zeichnung ist – die Phantasie-Umrechnungskurse, von der Regierung vorgeschrieben, gibt es zumindest am Flughafen nicht mehr. Viel Aufwand wird betrieben, um die Burmesen zum Geldautomaten zu bringen (oder zumindest die gehobene Mittelschicht), allerdings reagieren diesen Apparate nicht auf internationale Kreditkarten. Nun – beim 4 Versuch hat´s geklappt! Glücklicherweise, denn auch hier sind die Preise ganz schön angezogen, besonders Hotels und Transportmittel kosten schnell eine ganze Menge, so dass 40 Euro Tagessatz schnell verbraucht sind – ich hatte schon Angst, dass meine teuer erkauften Dollar hier nicht ausreichen für meine drei Wochen. Nun habe ich mich noch einmal mit Kyat eindecken können und so wird es schon klappen (Hotels und Transportmittel Schiff und Bahn müssen allerdings nach wie vor mit Dollar bezahlt werden oder der „Wechselkurs“ in Kyat ist so miserabel, dass man es besser sein lässt, da die Preisauszeichnungen in diesem Sektor alle ausschließlich in Dollar sind. Ist doch auch mal nett: Die allseits akzeptierte Zweitwährung (allerdings bekommt man keine Dollar ausgehändigt, sondern Wechselgeld läuft immer in Landeswährung) und die Stromanschlüsse sind vom Klassenfeind übernommen! Und die Technikfreaks stehen auf Apple und Samsung.  
Der erste Eindruck von Burma ist – größer könnte der Gegensatz zu Singapore nicht sein – dass alles ruhig ist hier, irgendwie verschlafen. Selbst im größten Trubel ist alles wie in Watte gepackt, ruhig, langsam, zeitlupig. Yangoon prunkt mit breiten Straßen, die allerdings noch nicht sehr gefüllt sind. Vor allen Dingen Taxis kurven herum und auch Firmenlaster, Busse und chinesische Truppentransporter, die als Busse im Nahverkehr genutzt werden. Privatwagen sieht man noch selten, die Privilegierten schauen noch nicht einmal aus ihren verspiegelten Fenstern hinaus, sondern stur geradeaus. Zum ersten Mal sehe ich Fahrräder als Alltagsgefährten, doch ihre Zeit ist angezählt, denn die ersten Mopeds und Roller schnurren bereits durch die Straßen. Die Fahrraddichte schätze ich geringer ein als die von München – so hatte ich es mir eigentlich nicht vorgestellt. Aber immerhin wird das Rad noch genutzt als normales Verkehrsmittel von Männern und Frauen und auch von Kindern. . Hier sind noch die Fahrradrikschas Zuhause, die allerdings nicht die ganze Stadt, die sich über ein riesiges Areal erstreckt, abdecken können mit ihrer Leistung. Die Gassen, die die Tangenten verbinden, sind klein und oft nicht asphaltiert. Sie sind weitgehend spezialisiert auf ein bestimmtes Gewerbe, die Schmuckgasse die PC-Gasse, die Zeitungsgasse usw. Alles hat den Hauch von Provinz. Selbst in der Millionenstadt Yangon hat man das Gefühl, in einem großen Dorf zu sein. So hielt ich mich am ersten Tag im Buddha-1-Haar-Tempel auf und kam ins Gespräch mit einem Mönch (der zweite Mönch konnte kein Englisch) und mit einem Mann, der schon einiges herumgereist war und dessen Englisch ganz gut, wenn auch schwer verständlich war für mich (nicht international sahen seine durch die Bethelnuss orange-gefärbten-Zähne aus – da kommen alte Erinnerungen an Indien auf, weil hier – wie damals dort – allerorten die Menschen dank Bethel ihre Eingeweide beständig hervorwürgen und auf die Straßen und Wege oder sonst wohin röcheln, rotzen, kotzen, spucken). Am nächsten Tag spricht mich letztere auf der Straße an – mindestens 3 KM Luftlinie vom Tempel und ziemlich weit östlich des Zentrums – so klein kann die Welt sein – ich konnte es kaum fassen. Yangoon selbst spiegelt weder Unterentwicklung noch Militärdiktur wider. Alles ist eher beschaulich, die höchsten Gebäude sind noch immer die Stupen (einige Ausnahmen starten jetzt allerdings schnell durch), aber es gibt verwirrend viel zu sehen, die tausenden von Verkaufsständen, die bunt gekleideten Menschen, die kleinen Opferstellen und Altäre (besonders an jedem Boddhibaum), die zehntausenden kleine Fressbuden, ja , selbst das Supermarktzeitalter hat bereits begonnen, allerdings noch mit asiatischer Bürokratie (einer schreibt die Rechnung, einer unterzeichnet, der nächste trägt das Geld (und das Wechselgeld wieder zruück), einer macht die Abrechnung usw.) Neben den buddhistischen Tempeln (die 7 Haare Buddhas ihr Eigen nennen! Und diese Reliquien mit Gold zuschütten) gibt es viele christliche Kirchen – allesamt in sehr gutem Zustand, auch eine Synagoge und mehrere Moscheen. Die muslimische Bevölkerung ist auch nach außen hin aufgrund ihrer Kleidung und Haartracht (Hennagefärbter Bart) erkennbar, die Frauen mit verstecktem Haarschatz zumindest, manchmal aber auch Ganzkörperversteck.
Das Essen betracchte ich im Moment noch mit einiger Vorsicht, denn es scheint, dass die Burmesen Eingeweideküche sehr schätzen. Schweineohren, -schnauze, und Borstenschwänzchen gehören ebenso zu einem guten Essen wie auch Geflügel, das aber, so wie´s ist, klein geschnitten wird, so dass man beim Essen ziemlich Obacht geben muss, dass man die spitzen Hühnerknochen nicht versehentlich mit herunterschluckt. Zubereitetes Gemüse schmeckt sehr gut und ist vielseitig, doch auf grund der Panierungswut weiß man nicht immer, was man bekommt. Heute hier am See habe ich versucht, einen gegrillten Fisch zu bekommen (und keinen panierten oder in Curry ertränkten), es war ziemlich aufwendig. Immerhin klappte dann die Verständigung über die Bitte, ein Fisch BBQ zu machen. Das Ergebnis war zwar noch nicht superlecker, aber besser als mishandelter Fisch. Dafür habe ich dann Rohkostgemüse dazu bekommen, Wahrscheinlich glaubten die netten Wirtsleute, ich vertrüge die scharfe hiesige Küche nicht und haben alles für einen leichten Magen hergestellt, der Fisch war übrigends ungewürzt! Naja – so lebe ich wenigstens gesund!
Übrigens wird mein Eindruck hier geprägt durch die klimatischen Bedingungen, denn diesmal bin ich kurz vor (!) der Regenzeit hier angekommen. Alles ist ausgetrocknet, ockerfarben, durstig, staubig. Die Sonne flirrt herunter und verpackt alles in einen Quasi-schalldichten Raum. Der Dunst hängt über dem Yangon-River, genauso wie über dem Gebirge hier im Shan-Gebiet, die Sicht ist begrenzt, überblendet, kaum Grün zu sehen. Vom Flugzeug aus (beim Einflug) zieht man das Braun der darbenden Felder nur unterbrochen durch die goldenen Spitzen der Stupas, die sich über das ganze Land verteilen und ihren Glanz üppig verteilen
Die Kleidung der Menschen hier steht auf der Kppe vom Traditonellen zum „Modernen“. Noch tragen die Männer ihren Longyi, auch die Wohlhabenden, geradezu schick in Maaßgeschneiderten Anzügen. Die Frauen tragen ihre Longyi-röcke und passende, teils seitlich, teils mittig geknöpfte Blusen dazu, viel Spitze, viel Muster. Die grobknochigen Gesicher sind häufig mit Lehmmustern verschmiert oder verziert in Mustern, die vor Hit ze und Insekten schützen sollen. Doch auch hier sind Stöckelschuhe, T-Shirts, Adidas-Hosen und Jeans schon angekommen. Ebenso wie das Internet. Es gibt keine internetfreien Zonen mehr, auch wenn Wifi noch nicht so weit verbreitet ist, so hat man doch Zugriff darauf, allerdings ist es bescheiden langsam und kostet einige Euro, aber es ist da! Die Burmesen lieben ihre Handys und nutzen jede Gelegenheit, damit herumzuspielen. Gibt es keinen Internetempfang, dann wird halt ein Spiel darauf gespielt oder die gespeicherten Fotos angeguckt. Es ist natürlich noch nicht so ausgeprägt wie in Singapore, wo man sich fragt, was die Menschen vor der Erfindung des Cell-Phones gemacht haben.
Gestern bin ich mit dem Nachtbus zum Inle-See gefahren und zum Glück, nicht wie angekündigt, um 3 Uhr nachts hier mitten in der Stadt ausgesetzt worden, sondern da der Bus gnädig eine Verspätung hatte, erreichten wir Nyaungsshwe erst kurz vor 6 Uhr und damit kurz bevor das Leben hier losgeht. Es war also alles einsam, aber dank Lonely Planet hatte ich meinen Stadtplan und entdeckte meine Pension nur wenige Blocks entfernt. Zum Glück ist mein Gepäck etwas geleichtert durch die letzten beiden Pakete und so stiefelte ich also langsamen Schrittes gen Kanal und Hostel. Dort angekommen wachte das Personal gerade auf, entdeckte mich auf dem Klo, wohin ich zuerst geeilt war und teilte mir mit, dass mein Zimmer leider noch nicht verfügbar sei. Damit hatte ich um diese Uhrzeit natürlich auch noh nicht gerechnet, ebenso wenig, dass kurzerhand ein Nachtbett für die Belegschaft neu bezogen und mir zum Schlafen angeboten wurde. Denn während der nächtlichen Busfahrt war an Schlaf eigentlich nicht zu denken gewesen, denn einmal war die sogenannte Shan-Autobahn eine Asphaltlochfalle und eine elendes Gehopsel und zweitens lief bis gegen 23 Uhr eine Unterhaltungsschau auf voller Lautstärke im mitfahrenden DVD Player. Das ist schlimmer als ein Schlagmichtod-Kinofilm (die aktuellen Bruce Willis Überlebensfilme gibt es hier übrigends überall schwarzgebrannt bereits zum Verkauf). Den mitreisenden Burmesen, die die Mehrheit der Passagiere bildeten (außer mir war nur noch ein Thai-Autralien-Paar an Bord), gefiel´s jedenfalls, sie lachten laut und vernehmlich. Also – ich war total übermüdet, traumwandelte durch die Gegend und fackelte also nicht lange, sondern legte mich in das mir angebotene Bett hinter der Reception in einem Verschlag. Kaum lag ich, da sprang ein knarrender Fan an und einige außenmotor betriebenen Schnellboote stackten vorbei und der Eisschrank erwachte zum Leben und hinter der Wäscheleine erwachten einige Mitglieder des Stabes zum Leben – also ich dachte, hier kann ich niemals schlafen und während ich das noch dachte, schließ ich schon fest für die nächsten 5 Stunden. Ein herrlicher Schlaf, Endlich keine Schwüle mehr, Kühle im Haus, beruhigende Geräusche des Alltags im Hintergrund – ich schlief sicher und ruhig wie in Mutters Schoß.
Morgen früh geht’s früh raus, da ich mir zusammen mit einer anderen Frau aus China (Xiao Mao = kleine Katze) ein Boot zusammen gemietet habe um den INle See zu erkunden. Ich bin gespannt.

13.03.2013
Da ich heute zum Internethotspot gehen möchte, setzte ich mich doch tatsächlich zur besten Tageszeit an meinen Laptop um zu berichten. Gestern bin ich einfach nur totmüde ins Bett gesunken, den Laptop in meinem Schoß und habe fest und sicher geschlafen, so dass ich auch die Fotos von gestern nicht mehr sichern konnte.  Der Tag gestern war so olala. Prima war, dass ich nicht alleine war, sondern jemanden zum unterhalten hatte. Es war auch sehr interessant, mit Xiao Mao zusammen zu reisen, da ich einiges über das „moderne“ China gelernt habe. Xiao Mao ist – trotz der Schwierigkeiten, denen sich Chinesen gegenübersehen, um Visa zu erhaschen – weitgereist. Sie ist Ingenieurin (Bachelor), stolz auf ihre Ausbildung und zukunftsoptimistisch. Mit ihrer Uni war sie schon auf einem Austauschprogramm in Indiana (sie mag die USA nicht – zu kommerziell und Scheinfreundlichkeit (nunja, da könnte man auch einiges über China sagen zu diesen Themen)), ein halbes Jahr arbeiten in Polen (an den Wochenenden gings in die benachbarten europäischen Länder, da Schengen-Statut), daneben war sie schon in ganz Südostasien (Burma ist ihre letzte Station, sie findet es teuer, - ich finde es hier auch teuer, da die Preise sich seit dem letzten Jahr verdreifacht haben für Touristen, da zu viele Touristen, aber zu wenige Hotels, so dass das Preis-Leistungsverhältnis überhaupt nicht mehr stimmt, für ein ziemlich dürftiges Zimmer mit dreckigen Gemeinschaftsduschen und Kinderklo zahlt man 25 Dollar und mehr)), auf den Philippinen, . Indonesien und in Pakistan und im Iran/Türkei und in zahlreichen afrikanischen Ländern, so dass es kurzweilig ist, ihren Erlebnissen zuzuhören. Als nächstes möchte sie nach Südamerika, dafür will sie Spanisch lernen, ich nehme es ihr ab, denn sie spricht wirklich gut Englisch 8und das mit 3 Ausrufezeichen, denn normalerweise versteht man das Englisch der Chinesen selbst beim besten Willen nicht).
Die Bootsfahrt zum See war ein Erlebnis der besonderen Art. Zum einen: Der See. Fast verlandet, geschmückt mit Seerosen und Riedgrasbüscheln, die aus dem Wasser staken, umgeben von deforestierten Berghängen, die im Dunst an den seitlichen Horizonten wabern. Der See ähnelt einer Autobahn – für Außenmotorbetriebenen Langbooten, die unterschiedlich beladen (mit Touristen auf  bequemen Stühlchen, Burmesen im Haufen zwischen Kisten und Säcken und tief liegenden Schaluppen nur mit Kisten, Säcken und prallvollen Tomatenkörben, die rot im Sonnenlicht in unterschiedlichen Rot- bis Grüntönen vor sich hinschimmern). Die Bauernkähne sausten in Richtung Nyguangshwe den Kanal hinauf, um ihre Ernte zum Absatzmarkt zu befördern, was sie interessanterweise direkt unterhalb der Terrasse meines Hotels an einem viel befahrenen oder besser viele Schiffe festgestakten Kanal taten, nämlich hier wurden die Waren in der Früh kurz nach Sonnenaufgang so gegen 6:30 Uhr entladen und auf Karren und Jeeps zur Weiterbeförderung beladen. Das war natürlich sehr interessant, beim Frühstück (Omelett mit Zwiebeln und Tomaten, eine KANNE Tee, Banane, Melonenstück , 3 Toasts mit Butter und Marmelade,, also ein wirklich fürstliches Mahl und das i Zimmerpreis inbegriffen) anzuschauen und auch ein paar Fotos zu machen, die aber,, so finde ich , nicht gerade gelungen sind, aber als Erinnerung taugen sie wohl doch. Aber zurück zum See: Zwischen alle den dahinflitzenden Schnellbooten und Schaluppen: Fischerbote, ca 3 Meter lang, betrieben mit Rudern, die mit Fuß- und Unterschenkelkraft kunstvoll fortbewegt werden, während mit den Händen das Netz oder die Reusen kontrolliert werden. Genau wie die Bauern tragen die Fischer Stroh- oder Holzhüte, ihren Longyi und ein Hemd oder eine Bluse, keine Schuhe. Der obligate Sonnenschutz im Gesicht darf nicht fehlen, was ihnen ein Erdfarbenes Aussehen verleiht. Trotz der Außenbordmotoren ist alles in Watte getaucht und still, wie auf einer Bühne, die leicht überblendet ist. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, als wir in Richtung eines Marktes in die kleinen Kanäle inmitten der Uferbinsen eintauchen. Aus breiten Kanälen werden immer schmalere Wasserstraßen, der Seeboden schrammt schlammig am Bootsboden vorbei und das Schiffchen schauckelt darob leicht wie im Wind, surrt sich aber – zum Glück – immer wieder frei und gleitet voran, weiter hinein in das künstliche Grün der shwimmenden Gärten. Der See wird nicht nur von den Erdmassen, die die baumlosen Berghänge herabgespült werden und die Kanäle, bald auch den See in ein milchiges Braun tauchen, verlandet, sondern auch von den Bauern, die mit Hilfe von Bambusstangen, die Seepflanzen festhalten, den Schwemmboden auffangen und so neues Festland schaffen. Immer dichter wird die Bebauung, zuerst der Bambus-Stroh-Ried-Hütten auf hohen Stelzen, dann immer sämiger wird der Grund, immer geformter die Kanäle, bis man auf eine ziemlich dichte Bebauung mit Teakholzhäusern stößt, die den Kern der Dörfer hier ausmachen, Kanäle (kleine Schaluppen, die mit Paddeln fortbewegt werden,  sind das Hauptverkehrsmittel, obwohl , sobald der Reisbau (und der Weinanbau) beginnt, sind hier auch die Büffel Zuhause. Kleine Dammstege dienen als Wege, die schließlich in breitere Gassen entlang der in Stein gefassten Kanäle münden. Dort war denn auch der Markt, der bunt und vielfältig war. Betel und Tee sind offensichtlich die Hauptnahrungsmittel, den Tee gibt es noch kostenfrei per Thermoskanne auf den Tischen, wenn man etwas von dem Gesottenen in den kleinen, offenen Gaststätten bestellt. Ich hatte per Zufall (Zeigeprinzip) frittierten Kohl, Minze und Tofu auf meinem Teller und es war – obschon natürlich etwas fettig – echt lecker und hat mich angenehm satt gemacht zusammen mit 4 Bechern Tee (ohne Zucker!).  Bohnen (auch in fester, zu Platten gepresster Form) in vielerlei Farben, Tomaten, Knoblauch, Zwiebeln, Gurken, diverse Grünkräuter standen im Angebot, dazu Töpfe aus Metall und Ton, Tagesartikel (Waschpulver u.Ä.). Die Fleischtheke bot Schweineohren und Eingeweide (und viele Fliegen), die eine oder andere Pharmacy prunkte mit hunderten mit chinesischen undoreanischen Schriftzeichen bemalten bunten Päckchen, voll mit Pillen und Wässerchen. Auch T-Shirts, Shorts, Longyis und Tücher gegen die morgendliche Kühle standen zum Verkauf. Schließlich: Süßigkeiten – ich ließ mich von einer nahezu zahllosen Bäuerin mt orangerotem Bethelmund mit Zahnstummeln zum Erdnuss in Sirupplatte für einen Euro überzeugen, immerhin strahlt sie ob des guten Geschäfts freudig in die Kamera für das gemeinsame Foto.  Der Weg zurück zum Boot war heiß und staubig und ich glaube, den Dreck kriege ich aus meinen Füßen nimmermehr heraus. Die Sicht auf die kunstvoll geflochtenen Matten, die die Wände der Häuser, die wir passierten, schmückten, entschädigten aber dafür. Die Weiterfahrt stockte dann etwas, weil unser Boot einen Motorschaden hatte (der Riemen musste erneuert werden) und von da an war die Fahrt etwas dröge, denn der nachfolgende buddhistische Tempel sah – wie hier die meisten – wie auf einer Bühne aus. Nett am Wasser gelegen, umgeben von touristischen Restaurant, neu renoviert, sah alles irgendwie künstlich aus. Zutrtt zum inneren Schrein, in dem die Goldklumpen lagern, die ständig durch die Gaben der Gläubigen wachsen (nur Goldplättchen, die IM Tempel gekauft werden, sollen für die Heiligkeit bürgen, die Goldplätten, die natürlich billiiger sind, die man VOR dem Tempel kaufen kann hingegen ermangeln der göttlichen Gnade), haben nur Männer (Ladys prohibited), als Begrüßung ein Schild, dass die Touristinnen auffordert, keine Shorts und in jedem Fall einen BH zu tragen. Kaum hatte man die Treppen erklommen zur Tempelplattform (die einen herrlichen Teakholzfußboden hatte, auf dem man angenehmst wandeln konnte, zudem – sehr angenehm war der frische Luftzug im Tempel, da Türöffnungen zu allen vier Himmelsrichtungen den Durchzug gewährten), kam auch schon ein Typ angeschlichen und bat einem scheinbar subaltern-demütig, in Wirklichkeit aber sehr fordernd, das Kamerageld zu spenden (also die Erlaubnis, Fotos zu machen, zu kaufen zu einem Festpreis, aber spenden kliingt natürlich unverfänglicher). Da man nun seinen Obolus entrichtet hatte, hieß es – mit dem Gefühl, dass man auch etwas für sein Geld haben wollte, und jegliche Pietät über Bord werfend – die Kamera auf alles zu halten, was sich bewegte oder eben im Gebet verhaltend sich nicht bewegte. Ein Tourist hüpfte gar dynamisch ins zentrale Heiligtum und hielt die Kamera direkt ins Gesicht der Gläubigen. Nun, keine schöne Erfahrung. Das mit der Kommerzialisierung sollten die sich hier noch einmal überlegen. Schließlich durchfuhren wir auf dem Weg zurück die schwimmenden Gärten, auf denen aber im Moment noch nicht so viel los war (da die Haupterntezeit erst in ein bis zwei Monaten naht) und dann ging es über den See zurück Richtung Dorf, aber halt: wir hatten das Boot doch für den ganzen Tag gemietet und es war erst gegen 16 Uhr. Macht nichts. Unser Bootsmann, der uns noch sein Dorf zeigte (das Besondere hier war das Ungeplante, denn die Kinder des Dorfes waren ob der Peanutsspende total happy und wollten auch – an Technischeem generell interessiert – unsere Kameras ausprobieren, daob herrliche Aufnahmen entstanden!), fand, da wir die für die Tour geplanten 6 Liter nun verfahren hatten, dass ihm eine Rast guttat und band unser Boot kurzerhand an einen inmitten des Sees steckenden Pfosten, da im Preis inbegriffen natürlich die Sicht auf den Sonnenunntergang über dem See war. Seiner Meinung nach hieß dies also 2 Stunden Pause. Die Sonne stach noch heiß, das Wasser , zwar kühl, konnte aber nicht bebadet werden, da kein Badezeug und Longyi dabei (ansonsten unsittlich für Ausländer) und zu Fuß konnten wir auch nirgendwohin, da wir mitten in der Fahrrinne feststeckten. Unser Bootsführer hatte die Ruhe weg und legte sich nieder zu einem Nickerchen. Gerne wären wir vorher über seine Pläne informiert gewesen, dann hätten wir irgendwo länger Pause gemacht, aber so baten wir ihn schließlich, die Bootsfahrt vorzeitig abzubrechen (denn offen gestanden versprach ich mir nicht so besonders viel von einem Sonnenuntergang im Dunst) und wir kehrten zurück zum Hostel an unseren kleinen Kanal.  Danach mühte ich mich (mit Hilfe eines geliehenen Reiseführers – einiges gäbe ich nun darum, mir in den USA einen Kindle mit Internetbasierung gekauft zu haben, da hätte ich rechtzeitig die Reiseführer runterlanden können, aber in Deutschland sind die Downloads ja richtig teuer und ja, Bücher habe ich tausendmal lieber, aber Gewicht und Sicherheit sind doch auch gute Argument für einen Kindle, also nächstes Mal – wird es das geben?) mühen, meine weitere Route zu planen, damit ich noch eine Unterkunft bekäme. Ich entschied mich gegen einen Besuch der 8059 Buddhastatuen im Cave bei Pindaya, da die Erreichbarkeit mindestens als ziemlich schlecht zu bezeichnen ist (will man nicht eine dreistündige Taxefahrt für 50 Dollar buchen) und stattdessen werde ich morgen nach Kalaw fahren, einem Ausgangspunkt für viele Trekkingtouren (aber dazu habe ich keine Lust, bin im Moment richtig faul). Danach geht’s nach Mandalay. Weiter nördlich soll es nicht gehen, da dort Unruhen herrschen (bombing), worum genau es geht, konnte ich bisher nicht eruieren. Jedenfalls waren die meisten Hostels schon ausgebucht (das Telefon in meiner Unterkunft funktionierte wenigstens), bis ich endlich etwas fand – nicht gerade meine favorisierte Unterkunft, aber die hätte ich wohl vor ein bis zwei Monaten buchen müssen. Das erscheint mir aber zusätzlich schwierig, da man hier die Transportmittelsituation nicht so ganz leicht durchschaut. Die meisten Busse reisen nachts, stundenlang für wenige Kilometer, die Schiffe stecken schon mal fest, dann dauert die Fahrt einen Tag länger. Meistens geht die Reise spätabends oder frühmorgens los, so dass man sich überlegt, ob man noch ein Hotel braucht, da man morgens nicht weiß, wie man zum Busbahnhof kommen soll oder aufwachen soll (z.B. Abfahrtszeit nach Yangoon 4:45 Uhr, Fahrtzeit 12 bis 15 Stunden, falls keine Verspätung). Alleinreisen bedeutet hier aber nun, darauf angewiesen zu sein, da man sich Taxis nicht leisten kann (die Pickups finde ich meistens nicht, da ich die Schrift hier nicht lesen kann und die wenigsten Leute schon Englisch sprechen). So also meine bisherigen Pläne, mal schauen, was ich verwirklichen kann.   
13.3.2013 Abends im Internetshop
Na, das hat ja super geklappt, hier noch ein paar News vom heutigen Tage, da ich noch zwanyig Minuten habe: Heute war ich mit dem Fahrrad unterwegs, bin entlang des Sees gefahren (naja, ein paar Kilometer landeinwaerts) und zwischendurch habe ich mich uebersetzen lassen, herrliche Luft draussen auf dem Inle/Lake. Die Gegend hier ist herrlich fruchtbar, dunkelbraune Ackerkrume, zz. ist Zuckerrohrernte, ein schoener Anblick. Ueberall laufen die Zuckerrohrpressen in Konkurrenz zum Vogelgezwitscher. Auch hier habe ich wieder viele Schmetterlinge gesehen (allerdings meist nicht sehr bunt, dafuer gross) Gestern habe ich uebrigends das erste Mal in meinem Leben gesehen wie sich Schmetterlinge paaren / interessant. Daneben habe ich Kormorane und viele Reiher und Enten und andere Flugtiere gesehen, die aufgeschreckt durch den Motorenlaerm der Boote hastig davonflogen. Die Menschen scheinen Tiere hier zu moegen. Katzen und Hunde sieht man viele, die meisten ausreichend ernaehrt und einigermassen zutraulich. Fuer Voegel habe ich in Yangon was Nettes gesehen. Entlang einer Hauptstrasse war der Buergersteig etwas ueberdacht zum Eingang eines Buerohauses. Unterhalb der Ueberdachung hatte eine gute Seele mindestens zwanzig Vogelhaeuschen angebracht und das Zwitscherte und Zirpte! Viel Nachwuchs. Wenn man die augen zugemacht hat, war s wie im Wald. 
Das Verhalten der Einheimischen ist anderes als auf den Philippinen oder auf Bali. Die Leue sind sehr ernsthaft, eher scheu. Koennen sie Englisch und kennen Fremde, dann sind sie freundlich, aber gelaechelt wird eher mal nicht! Selbst die Kinder schauen meist ganz ud gar ernsthaft drein. Die Jugendlichen sind natuerlich wie ueberall auf der Welt. Wenn sie koennen: halbstark (bloss nicht freundlich sein, sondern Erwachsene igorieren oder patyige Antworten geben. Alleinradelnde Maedchen laecheln einen zum Glueck immer an wenn man sie anstrahlt. Die Kinder sind noch am zutraulichsten. Erstaunt war ich ueber die Mode der Jugendlichen. Wenn s geht Lederjacke (puh, ist das heiss), passend zum neuen Moped und blond gefaerbte Haare (die natuerlich bei der schwarzen Grundierung eher rot/braun sind) Geschminkt wird kaum, eigentlich nur als Geschaefsfrau oder als reiche Frau, habe ich bisher eigentlich nur am Flughafen und in den grossen Hotels gesehen. Etwas Merkwuerdiges habe ich beobachtet, naemlich, dass hier zwar Rechtsverkehr herrscht, aber die Wagen sind englisch, also Steuer ebenfalls an der rechten Seite / etwas ungewoehnlich. Jedenfalls hatte ich mit meinem fahrrad (das fast nur von Auslaendern gefahren wurde, die Leute hier fahren Motorrad/Roller) keine Schwierigkeiten gehabt. 








Heute Abend war ich bei einer Marionettenvorfuehrung. Das war mal was anderes. Die Puppen tanzten! Ich habe mir einen kleinen Prinzen geholt, mit dem kann ich mich jetzt unterhalten (auch wenn ich ihn von jetzt ab herumschleppen muss). Cathrin

1 Kommentar:

  1. Liebe Cathrin, kurz ein Mailchen, bevor es zum Italienischkurs geht...
    Burma hört sich in deinen Erzählungen nach meinem Land an: Ruhig könnte ich gebrauchen :-)
    Die Freundin, die mit mir in Indien war, war davor das Jahr mit STudiosus in Burma und fand es wunderschön. Sie sagt, es sei das tollste Land, in dem sie je war, weil es so herrlich schön sein soll. Und sie sagte, die Leute seien so nett.Das hört sich ja in deinem Bericht auch so an :-)
    Und da sitzt Du glücklich in der Sonne, während wir hier heute Morgen minus 13 Grad hatten und jetzt der schmelzende Schnee von meiner Küchendecke tropft. Mein Vermieter war gerade da...
    Ich hasse Schnee mittlerweile. Dauernd ist es kalt und steig sind die Hosenbeine nass und die Socken klamm. Furchtbares Wetter.Gestern konnte ich nicht mal zum Hula, weil die Fahrt doch sehr lang erschien bis Sankt Augustin. Es hatte den ganzen Tag geschneit. Heute Mrorgen waren die Straßen im Kreis noch nicht geräumt. Ätzend, sag ich Dir.
    Jetzt scheint die Sonne und der Himmel ist blau, als wäre der tollste Frühling.
    Meine Nachbarn haben unten ne Eisbar aufgebaut und mich gefragt, ob ich teilnehmen will, aber ich hab ja Kurs und schwimmen und da Italienisch jetzt 2 Wochen ausgefallen ist, will ich da unbedingt hin.
    Habe eben erneuten Versuch für eine Fortbildung gestartet. Mal sehen, ob ich England noch mal krieg, nachdem ich letztes Mal den ersatztermin nicht angenommen habe. aber so, wie ich gerade unter Arbeit und Erschöpfung stehe, war es die richtige Entscheidung, denn die Luft ist so kurz vor Ostern mal wieder voll raus.
    Als ich mir in thailand übrigens ne Puppe geholt hab, war im Kopf der Kokon einer Kakerlake, die rauswuselte, als ich dran rumbohrte. Die Puppe fristet ihr Dasein in einer thailändischen Hotelmülltonne...Also, check den Prinzen!
    Hast Du Kranichfischer und diese Typen auf den Stangen schon gesehen?
    Viel Spaß in Mandalay- was für ein TRaum!
    Ich muss los,
    ach, und danke für die Postkarte, ist gestern eingetroffen,
    LG Nico

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