Montag, 1. Oktober 2012

01.10.2012



Hallo, da bin ich wieder - dieses Mal sitze ich, umgeben von jungen Leuten (Durchschnittsalter vielleicht 20) in einem Hostel in San Jose. 6 Fernsseher laufen (ohne Ton, dafür aber bunt) Die Seiten sind flankiert von an Computer stehenden Menschen, an den Tischen sitzen Menschen mit Bierflaschen und Coctails, die sich unterhalten, auf die Bildschirme starren oder auistisch vor ihren Laptops und Handys sitzen. Im Vordergrund läuft moderne Musik, laut, sehr laut, aber angenehm ausgewählt, eher Schmalz und Salsa - ich bins zufrieden. Ist alles ein bisschen wie in einem Fishbowl, unwirklich. Sicher ein Ort, an dem man kurz nach dem Abiur interessante Menschen kennenlernt. Nach 9 Uhr gibt es das Bier biliger und die Cocttails auch. Das dazu gehörige Restaurant ist aber gut, ich habe schon irgendeinen Fisch auf exotisch zubereitet gekostet - und es hat gut geschmeckt. Ebenso der Pineapplesaft - Frisch und kalt. genau richtig. Auch ein bisschen fancy zubereitet im Glas und mit Strohhalm. Das Ganze in einem Newhouse Ambiente - bisschen Holz, bisschen rusitkal, aber Nature-Touch, kombniert mit Technik und Cool. Dazwischen: bequeme Sofas, auch zwei in rotem Leder, hell, aber nicht kühl beleuchtet. Der Blick zum Fenster hinaus zeigt die Lichter der ganzen Stadt hinter der Terrasse - das könnte phantastisch sein, ich bin aber nicht sicher, ob dies als Werbung taugt, denn San Jose ist nicht gerade eine schöne Stadt - die Lichter der Stadt verdecken eher als beleuchten glücklicherweise gnädig die scchmutzige Zweietagigkeit aus Holz, Beton und Wellblechdachgewirr mit eingesprengselten Betonklötzchen (= Möchtegernhochhäusern, die sich gerippeartig aus dem Flachhäusermeer recken). Das Hostel wirbt mit seinem Swimmingpool im Innenhof - eher ein Planschpool, aber Innenhof stimmt, im Gegensatz zu vielen Hotels in den USA, deren Stolz darin besteht, ihr Schwimmingpool möglichst an die meistbefahrene Straße zu positionieren. Das Haus verfügt über Einzel- bzw. Doppelzimmer für ein Heidengeld, nämlich zwischen 40 und 75 Dollar - horrende Preise selbst für Costa Rica. Den Dorm gibt es für 14 Dollar die Nacht, Safe, heiße Duschen, Kaffee (morgens) gratis dazu. Ich bin im Mädcchentrackt untergeschlüpft, denn das Hostel liegt direkt am Busbahnhof und das Wetter - vorsichtig ausgedrückt - ist sehr nass und kühl - ein Schock nach der Karibik! Von hier aus soll es morgen dann gleich mit dem Bus weitergehen! Die Leute: Jung, jung, jung - Studenten und Abiturienten, einige Oldies dazwischen gesprengt, die sich bemühen, auch jung auszusehen: Strickmützen (!?), T-Shirts, Kaputzenjacken, Kurzbeinhosen in Kaki, Turnschuhe, Sandalen, Schlappen, Trekkingausrüstungskram beherrschen das Bild. Die Sprachen: Gestammeltes Spanisch, gestenreich über die Tische gereicht, Englisch, auch italienisch, Skandinavisch, französisch, Hebräisch. Die Musik übertönt alles, macht alles einheitlich. Das ist nicht Costa Rica, sondern die universelle Gesellschaft der Backpacker, die auf Budget reisen. Man trifft sich. Wieder. Entlang der touristiscchen Pfade - egal, ob Costa Rica, Sidney, Bogota, San Franzisco. Nach einer heißen Dusche werde ich sicher gut schlafen. HIER.
Was hat der Tag gebracht? 6:15 aufgestanden, fertig gepackt, Punkt 7:30 als erste mein Frühstück bekommen - Omelett mt Käse, etwas Obst, ein Toast, Orangensaft (...) Kaffee, Rucksack geschultert und zum Wassertaxi. Mein Ticket ist schon bezahlt für das Boot. Der Himmel ist bedeckt, der Wind kühl - ein guter Abschied, ohne Sehnsucht zu bleiben. Alles klappt in Almirante tadellos  -ich werde erwartet und mitgenommen im Kleinbus zur Grenze. Die Prozedur dort kenne ich schon - ich gebe dem Grenzbeamten dort meine letzten 3 Dollar als Ausreisegebühr. Es reicht für einen Scherz über den Euro. Der Fussmarsch über die Bretterflut und den Grenzfluss Sixeola. Ich bin nicht sicher, ob die Bretter halten werden, mit Rucksack komme ich mir ordentlich schwer vor. Die Leute weichen nicht aus, ich schwanke bisweilen unter dem Gewicht, habe mir aber einen rollenden Gang, langsam, stetig, angewöhnt und komme gut vorwärts. Hier heißt es dann: WARTEN. Es sollen noch andere Leute kommen, aber sie kommen nicht. Werde ich den Bus nach San Jose noch bekommen? Ich bin unruhig und betrachte die Straße zur Grenze, die in ihrer Trostlosigkeit zurückstarrt. Endlich, 4 Leutchen, Holländer und Schweden, je ein Paar steigen grußlos ein - ich denke, unhöfliches Pack! Es bleibt dabei, sie reden nicht mit mir, allerdings schnell miteinander in gebrochenem Englisch, indem sie sich über ihre Erfahrungen in Nicaragua austauschen - der See in Grenznähe muss sehr schön sein, außerdem alles billiger als in CR entnehme ich ihrer Unterhaltung.  Am Fenster gleitet die Landschaft in müßigem Tempo vorbei. Bananenplantagen erstrecken sich bis zum Gebirge, das sich am Horizont müde entlangstreckt und blau schimmert gegen den goldblauen Himmel mit weißen Puffiwölkchen. Die blauen Plastiksäcke, die die Bananenstaude vor dem Regen und hungrigen Vögeln schützen sollen passen farblich perfekt. Die vorbeieilenden Häuser haben die Quelität der Häuser, die nur im Sonnenlicht gebadet ein romantisch-verwunschenes Aussehen habe, ansonsten aber Armut, Verwahrlosung, wenig stabile Bauweise und Pragmatismus bei Reparaturarbeiten signalisieren. Rechtzeitig in Puerto Viejo ´,den 11-Uhr-Bus bekomme ich also noch. Vielleicht schon, aber nur, wenn ich die ganze Zeit stehen will. Will ich nicht und für 10 Dollar schon gar nicht. Aber heute ist ja Sonntag, da gibt es um 13 Uhr noch einen Sonderbus nach San Jose. Den werde ich nehmen. Ich gehe zum Telefonieren - ich weß ja mittlerweile, dass es einen Shop für Internet und Auslandgespräche gibt - 200 Colones für jede Minute (ca. 35 Cent) Meine Schwester erreiche ich nicht - ich hinterlasse Nachrichten auf den Anrufbeantwortern meiner sonstigen Verwandtschaft - was machen die alle Sonntag vormittags um halb zwölf, im Gegensatz zu mir funktioniert doch deren Handy sehr gut und sie schleppen es auch ständig mit sich herum - nur wenn man sie anruft, dann hat man diese vermaledeite Mailbox dran. Daraufhn gönne ich mir erstmal ein leckeres Essen und strebe dem Cafe "Brot und Schokolade" zu - hier gibt es leckersten Schokoladenkuchen - ich entscheide mich für Dunkelbitterschoko-Kuchen mit Orangenaroma (aus Originalorganen) also bio-öko und selbstgemacht. Zusammen mit Mokkasahne und einem herrlichen Kaffee lasse ich es mir im heißen Sonnenschein unter einem Fan, der leise, aber gleichmäßig von der Decke schnurrt, gutgehn. Dann noch schnell die Postkarten in den Postkasten gesteckt - ist das überhaupt ein Briefkasten? Meine Unsicherheit nützt mir nichts - immerhin ist der Kasten direkt an der Tür der ansonsten geschlossenen Tür des Postamtes angebracht. Ich werfe meinen Schwung Postkarten, in den letzten Tagen kontinuierlich und individuell adressiert  in den Schlitz und höre das vertraute Rascheln anderer Poststücke - aha, es hat also geklappt beruhige ich mich. Dann zum wartenden Bus, Gepäck abholen, einen Dollar Sperrgebühr auszahlen (30 Cent mehr als abgemaccht - die Gier greift auch hier um sich), doch leider hält der Busfahrer noch Siesta, also wieder WARTEN. Endlich, es geht los. Ich sichere mir einen guten Fensterplatz - lang genug gewartet habe ich ja darauf! Öffne alle Fenster, denn die Hitze ist unerträglich. Das pure Sitzen verursacht Schweißausbrüche. Ich shaue aus dem Fenster und sehe die Leute am Strand - die ältere Frau mit Hut und heller Kleidung, die mit ihren beiden Hunden den Strand entlangläuft, das Wasser spritzt, die Familie mit geöffneter Heckklappe und Sonnenschirm, die unter den weitausholenden Ästen eines Baums am Strand ihren Picknick auspackt, der Fahrradfahrer, der sein Rad duch den schwarzen Sand schiebt, die Jungen, die von dem gestrandeten Schiff schwungvoll mit Köpper ins Wasser springen, sich gegenseitig neckend. Wir fahren entlang der Küste, Zeburinderherden, Plantagen, die Straße gesäumt von Häusern, mäßig viel Verkehr. Cahuita, Limon, jeweils eine Pinkelpause, Neuzustiege, der Bus ist voll. Occupado? No. Neben mir wird ein Mädchen, vielleich t10 Jahr alt hingesetzt. Dieses Kind, ein Strich in der Landschaft, schlaksig, wie in dem Alter vor der Pubertät häufig, Spinnenfinger, die ein Handy maltätieren, isst die gesamte Zeit bis San Jose ununterbrochen, zuerst Chips, ruhig, mechanisch, gleichmäßig, dann Pizza (fettig) in sich hinein. Wohin? Ich versuche ein Photo von der Insel, die Columbus begrüßt hat, zu machen. Das ist schwer. Der Bus macht mit seinen dunkelblauen Sitzen nur dne Anschein von Bequemlichkeit. Bestimmt hat er keine Federung. Wir werdén ununterbrochen hin und her gestoßen, unsere Körper werden sicher die Farbe dieser Sitze annehmen. Ich denke, ich bin langsam zu alt dafür. Aber dann werden meine Gedanken abgelengt, indem ich das erste Mal auf meiner Reise mein Handy als Musikspieler mit Ohrstöpsel nutze. Ich höre Calypso, dann eher zufällig fällt Alexandra mit ihrem Lied: Mein Freund, der BAum ein und ich bin ganz nachdenklich. Die Sonne ist fort, die Heiterkeit der bisherigen Fahrt ist wie weggeblassen. Der Himmel trübt sich ein, es ist halb vier, das Licht ist wie an einem Winternachmittag, neblig-schwallig, trüb-dunkel, die Straße glänzt schwarz-nass herauf. Am Starßenrand stehen vereinzelt, wie Zinnsoldaten ausgerichtet vor den Kuhherden und Plantagen einzelne Urwaldbäume, die ihre Astwurzeln ins nirgendwo herabfallen lassen. Sie stehen da wie Statisten. Ich werde ganz traurig. Die Traurigkeit meiner Umgebung wird noch dadurch pointiert, weil hier der Mensch nicht nur gezeigt hat, dass er seine Umwelt zu seiner Welt umgestalten will, sondern auch zeigt, dass er einen Willen zur Destruktion hat durch den Verfall und den Abfall , den er produziert. Fast schäme ich mich. Das alles wirkt in New York beruhigend und zivillisiert, hier wirkt es grausam und entwurzeln, denn der wahre Urwald ist am Horizont erkennbar und durch die stehen gelassenen ´, leeren, einsamen, nackten, jeden Tieres entblößten Restbäume wirkt alles uneindlich trostlos, ja durch die Gärten, die einige Menschen stolz vor ihren Häusern direkt an der Scchnellstraße angelegt haben wird allees noch zur Karikatur seiner selbst erhoben, denn die einzelnen , eingezäunten Sträuher mit Blumenpracht auf kurz geschnittenem Rasen, angeordnet in Kreisen und ausgerichtet in Reihen, wirken blass und armselig im Vergleich zu ihren Brüdern und Schwestern, die hier einmal gestanden haben - noch vor 20 Jahren! Wir fahren in den Nebelwald herein. Die Spitzen sind gar nicht mehr zu erkennen. Der Gegenverkehr fährt vollaufgeblendet, nicht schenll. Die Straße windet sich den Bergrücken Amerikas hinaus, gleich ist die Wasserscheide erreicht, aber leider keine Wetterscheide - der Regen nimmt zu. Der Nationalpark Barillo Carillo erscheint mir kleiner als biem letzen Mal, aber egal, jetzt ist es fast 5 Uhr, Zeit, dass wir nach 200 Km endlich in San Jose ankommen. Ich fühle mich müde und durchgeschüttelt und nicht sehr zuversichtlich. Meine erste Fahrt bei der ich mit niemanden gesprochen habe. Hat das was zu bedeuten? Wahrscheinlich nicht, jedenfalls möchte ich jetzt irgendwo ins Warme. Also - wie war noch mal die Adresse, die mir empfohlen wurde ... Und genau dorthin bin ich gegangen. Jetzt wird mir wegen der geöffneten Terrassentür doch langsam kalt, immerhin bin ich jetzt  auf über 1000 Metern Höhe. Immerhin werde ich da ganz gut schlafen,  zumal der Raum kein AC hat und auch keinen Fan. War schön, Euch meinen Tag mal so zu schildern, jetzt ist Bettzeit für mich

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über einen Kommentar!