Nun, es ist bedauerlich, aber
mal wieder funktioniert das Internet nicht – der Browser antwortet nicht,
obwohl alles bezahlt ist! Das macht mich immer richtig ärgerlich. Wenn ich
schon einmal die Gelegenheit habe zu mailen oder meine Mails zu empfangen, dann
will ich die doch auch nutzen. Nun ja – also schreibe ich mal wieder vor und
hoffe, dass es Morgen geht (auf dem öffentlichen PC kann ich zwar schreiben –
allerdings mit lautem Fernsehen im Hintergrund und einiger Kühle, ca. 15 Grad –
ich friere mir den A…ab dabei! Fotos jedoch kann man fast nie einspielen, da
USB-Zugang verwehrt wird aus Sicherheitsgründen (immerhin verständlich))
Also – seit einiger Zeit habe
ich nicht mehr geschrieben. Zuerst, in Auckland, habe ich mich erst einmal
hingesetzt – meist in den lauschigen Garten meiner Pension, die mir sehr gut
gefallen hat – und habe meine weitere Reise geplant indem ich meinen
Reiseführer durchgearbeitet habe.
Spontanität ist leider hier
auch wieder nicht – das Reisen hat sich doch sehr zu seinem Nachteil
entwickelt! Vieles muss (!) vorher online gebucht werden, insbesondere ab dem
15 Dezember, da dann hier die Sommerferien losgehen und die Neuseeländer ganz
wild auf Wandern sind, also sind alle Unterkünfte ausgebucht, ja sogar für die
Zeltplätze muss man sich anmelden. Selbst, wenn man bei der
Nationalparksverwaltung einen Hüttenpass gekauft hat (ohne darf man die Hütten
nicht betreten – es wird kontrolliert) hat man kein Anrecht auf einen
Hüttenpass, denn wer zuerst kommt, der mahlt zuerst, also auch dann muss man
sein Zelt mit durch die Gegend schleppen, incl. Kocher, Abfall, Vorräten und
Wechselklamotten. Seit dem letzten Jahr ist das „Wildcampen“ verboten und wird
ob der Neuheit des Gesetzes auch strikt kontrolliert – man muss sich nicht
wundern, wenn nachts gegen 23:00 Uhr plötzlich jemand am Fenster Deines Autos
anklopft und Deine Anmeldepapiere sehen will (auf einem Campingplatz, ansonsten
ist Campen eh verboten und wird mit horrenden Strafen bedroht, ca. 200 NZD)
Wird man beim Abfall-Liegenlassen ertappt (Denunziation wird Vorschub
geleistet), dann sind schon einmal 1000 NZD fällig. Immerhin wird alles
angekündigt, so dass man weiß, was einem blüht bei Zuwiderhandlungen.
Übernachtungen sind recht
teuer, wenn man alleine reist. Einzelzimmer der billigen Kategorie beginnen
etwa bei 45/50 NZD und steigen schnell auf 60 bis 70 NZD – wie gesagt – in der
Billigkategorie. Reist man zu zweit, zahlt man übrigens i.d.R. das Gleiche oder
nur geringfügig mehr, weil alles auf der Grundlage des Raumes festgelegt wird.
Überall gibt es jedoch die Möglichkeit in Dormitories zu nächtigen – plant man
nicht die Unterkunft auf der informierenden Grundlage eines guten Reiseführers,
so kann es einem passieren, dass man in seinen Schlafsaal mit 25 anderen Schläfern
teilen muss – für den Preis von ca. 23 – 30 NZD. Unabhängig vom immer gleichen
Preisniveau gibt es in der Qualität aber sehr große Unterschiede! Schließlich
bieten viele Backpacker auch noch sog. Shared rooms an, also i.d.R. gut
ausgestattete „Hotelräume“, die man sich mit zwei bis fünf anderen Menschen
teilt. Meist hat man aber ein
integriertes Badezimmer, einen Eisschrank und eine Nacchtischlampe, die
allesamt das Leben leichter machen. Auch
die Campingplätze haben mehrere Kategorien: Will man an das Stromnetz und ev.
auch noch heiße Duschen (bei den hier zz herrschenden Temperaturen – es ist
nachts bis ca. 5 Grad kalt, tagsüber um die 16 bis 18 Grad warm (?), der
Seewind ist allerdings ziemlich kühl, so dass man leicht friert, auch regnet es
hier durchaus, auch dauerhaft über längere Zeit - will man das) , so zahlt man auch hier um die 30 NZD, also
genauso viel wie für einen Dorm-Platz. Die Billigausgabe eines Campingspots
sind die sog. Doc-Plätze, die nur über Trinkwasser, Plumpsklo und ev. noch über
kalte Duschen verfügen, hier zahlt man zwischen 3 und 8 NZD in der
Selbstregistrierung. Oft kann man diese Plätze aber nur nutzen, wenn man ein
Chemieklo dabei hat und kein Dreckwasser produziert. Man muss also planen,
damit man die ganze Sache noch bezahlen kann oder um überhaupt noch ein Bett zu
bekommen.
Ich habe mich schließendlich
für folgende Lösung entschieden: Billigwagenmete – obwohl das Benzin teuer ist,
genauso teuer wie in Deutschland – habe ich doch so alle Freiheit im Gegensatz
zum Bussystem, das genauso teuer ist wie die Wagenmiete. In dem Auto für die
Nordinsel kann ich gut schlafen, der Wagen ist als Minicamper deklariert, d.h.
er hat ein Bett (Matratzen und Bettzeug), einen kleinen Brenner, Minieisschrank
(der nur läuft, wenn ich fahre), Moskitonetz und Standzelt, das an der
Hinterklappe zu befestigen ist. Ebenso gibt es einen Klapptisch mit 2 Stühlen.
Jede dritte Nacht verbringe ich in einem Hostel für Internet und Wärme. Auf den
Wanderungen schließe ich mein Gepäck weg (Planung, wo eine Möglichkeit dazu
besteht) und ansonsten habe ich für die Südinsel einen kleinen Wagen gemietet
(ohne Übernachtungsmöglichkeit), so dass ich dort in den Dormitories oder in
den Shared Rooms nächtigen werde, einmal die Woche geht’s in ein Einzelzimmer,
damit die liebe Seele auch einmal Ruhe hat.
Wie ist es mir bisher ergangen?
Eigentlich ziemlich gut. In Auckland habe ich in einer Pension gelebt, die
überraschend günstig war, dabei sehr sauber und angenehm privat in einem
Einzelzimmer mit shared Bath- und Restroom. Die Küche war gut ausstaffiert, ich
hatte sogar ein Eisfach für mich und habe mir sogleich Eiscreme geholt – das
Wetter in meiner Auckland Zeit war insgesamt nämlich gut. Nachts habe ich gegen
die Kälte die Heizung angemacht – die auch immer funktioniert hat. Der Garten
war wunderbar, die Lage in Stadtnähe, aber in einem ruhigen Viertel direkt mit
gutem Busanschluss optimal. Die erste Übernachtung war chaotisch. Nicht ich,
aber die Organisation dort. Das begann schon damit, dass die Unterkunft
plötzlich unter einem anderen Namen firmierte als im Internet angegeben.
Immerhin stimmt die Adresse. Als ich abends in der Orewa Marco Polo Backpackers
ankomme, kann ich aber nicht zum Hostel vorstoßen, denn es liegt fünf Meter
über Normalnull, d.h. der Besitzer hat gerade das gesamte Erdreich vor dem
Eingang eingebnet um dadorten Parkplätze zu bauen – ich sehe mich also mit
einer Baugrube und einem Backer konfrontiert. Meine Rufe in die Dunkelheit
hinauf werden jedoch erhört und schon turnt ein sportlicher Mann in die
Baugrube, bietet mir an, mein Auto irgendwie zum Hotel zu befördern und tut
letzteres, indem er den nahen Fahrradweg auf der anderen Seite des Hostels,
verborgen durch Buschwerk (ich glaube nicht, dass Fahrradfahrern bewusst ist,
dass es dort einen Fahrradweg gibt – obwohl Neuseeland im Moment bemüht ist und
dies mit einer lauten Campagne auch begleitet, ein zusammenhängendes
Fahrradnetz zu etablieren. Jedenfalls kann ich dort verborgen und
verkehrswidrig meinen Wagen für diese eine Nacht abstellen, klaube noch schnell
die für diese Nacht notwendigen Dinge zusammen in völliger Dunkelheit , kämpfe
kurz mit einem Wäschekreuz bevor ich das Hostel über die Dusch-WC-Anlage
betrete, besser gesagt, durch dieselbe. Dort duscht gerade ein Mensch und friert
nun im Durchzug. Mein Guide stellt sich als Gast des Hauses heraus. Steve ist
Maori, wohnt zz. Mit seiner Frau dort, bis sie ihre neue Wohnung beziehen
können. Er ist Lehrer für Kochkünste, seine Frau ist Maorilehrerin – beide sind
sehr tatkräftig und hilfsbereit, da fühle ich mich kia ora, also willkommen.
Meine Anmeldung in dem Sketchbook des Managers ist nicht sogleich auszumachen,
erkann seine Handschrift nicht lesen. Schließlich hilft ihm meine Aussage, wann
ich gebucht habe. Die Küche ist groß und geräumig, hat aber nur 4 Stühle.
Nebenan – keine Tür sperrt den Lärm aus – laufen parallel zwei Fernseher auf
voller Lautstärke in verschiedenen Programmen. Nur der Nachtwächter schaut zu.
Die Gäste versuchen sich in der Küche zu unterhalten – was nur bisweilen
möglich ist und unter entsprechender Lautstärke oder sitzen im kleinen Garten
über der Baustelle und rauchen. Einige schlafen im einzigen Dormroom – sechs
Menschen in 3 Stockbetten, eng gepackt, kein Fenster, nur eine geschlossene
Tür. Ute, die Krankenschwester aus Hof, liegt schon im Bett und trauert im
Voraus, da sie Neuseeland übermorgen verlassen muss. Die Aussicht, sich noch mit einer anderen
Frau, auch nicht mehr taufrisch – also mit mir – zu unterhalten, lockt sie in
die Küche, in der ich gerade zu Abend esse. Die Töpfe sind alle riesig – dabei
sind hier nur Einzelreisende! Sie erzählt von ihrer bisherigen Reise und das
klingt alles toll, obwohl Unterkünfte und Wetter häufig eher bescheiden waren
und Frischfisch nicht auf dem Speiseplan steht, dafür Nudeln, Nudeln, Nudeln.
Aber die Landschaft, die ist einfach toll, sagt sie und wird immer trauriger,
den sicheren Arbeitsalltag vor ihrem inneren Auge. Wir schelchen zusammen in
den Schlafzimmer, oder ich sollte besser sagen in die Schlafkoje, die ist
nämlich sehr beengt und alle anderen schlafen bereits. Die finale
Negativüberraschung folgt auf den Fuss, denn unter meiner dünnen Matratze fehlen einige Bretter und zwar just da, wo
mein Hintern ist. Der fällt nun eine Etage tiefer, mein Steiß wird arg
malträtiert. Schließlich finde ich in einer zusammengekwetschten
Embrionalhaltung quergelegt in der oberen Betthälfte eine Schlafposition bis
zum frühen Morgen. Nun ja – auch mal gut, früh aufzustehen. Die Sonne lacht und
Ute gibt mir noch ihre Medikamente mit auf dem Weg und ihre Butter und ihren
Honig, denn diese Dinge muss sie nicht unbedingt wieder zurück nach Deutschland
mitnehmen. Morgens will ich den Ort so schnell verlassen, dass ich meinen
Eisschrankinhalt vergesse – schade um die unheimlch leckeren Schokoplätzchen!
Fazit: Gut, dass ich überall schlafen kann. Immerhin hat die Dusche
funktioniert und Wärme war aufgrund der Enge und der angewärmten Atemluft auch
gegeben. Herrlicher Sonnenschein
begleitet mich zu meinem nächsten Ziel, einer abgeschiedenen Little-Earth-Lodge
in der Nähe von Wangerei. Hier stimmt eigentlich alles. Glück auch, dass ich
meinen Shared Room mit Cal und Pieter teile. Pieter kommt aus den Niederladen,
unternimmt seine erste Reise und kocht prima Nudeln mit Zucchini-Tomatensoße,
zu der ich sogleich eingeladen werde. Cal ist Neuseeländer aus Christchurch,
schon etwas in die Jahre gekommen, so etwa 70 Jahre alt, und ist auf Tournee.
Er singt in Altersheimen Schlager zum Träumen und sich Erinnern mit einigem
Erfolg seit er vor einigen Jahren als Grundstücksmakler aufgehört hat. Cal
erzählt viel über Neuseeland, das Reisen, und die Pest, also über
eingeschleppte Tiere, die die Fauna und Flora Neuseelands nun bedrohen. Außer
einer Fledermausart gab es hier wohl keine Säugetiere, die Vögel fühlten sich
sicher und verlernten das Fliegen – sehr zu ihrem Pech, denn das macht sie zu
einer leichten Beute für alle Rauber, seien es Marder, Katzen, Hunde (später
höre ich, dass de Maori, als sie vor 600
bis 1000 Jahren hierher kamen auch einen Hund mitgebracht haben, einen weißen
Bettvorleger, deren Besitz den Chiefs vorbehalten war – diese weiße Hunderasse
soll aber mittlerweile auch ausgestorben sein!), oder die heute bestgehassten
Possums, die irgendwann im 19. Jh gegen die Kaninchenplage eingeführt wurden.
Stolz erzählen einem die Neuseeländer, wie man Possums am besten ausrottet und
wann sie das letzte Mal ein Possum überfahren haben. Tatsächlich muss es viele
Possums geben, denn auf der kleinen Küstenstraße hierher nach Paihia habe ich
allein 13 überfahrene gezählt. Es gibt hierzulande Possumgerbereien und
Possummetzgereien und große Schlachtprogramme und entlang der Reservate und
Nationalparks stehen überall Kästen wie Mäusefallen, die die Possums darin
hindern sollen, in die Parks, die hermetisch mit speziellen Zäunen abgedichtet
– possumfrei gemacht – wurden, zu gelangen. Possums töten Vögel, essen aber
wohl auch die frischen Keimlinge, so dass die Vegetation empfindlich gestört
wird. Jedenfalls ist es ein nationales Anliegen, das Possum, das Kaninchen,
den Marder hierzulande auszurotten, denn
die restlichen Kiwis will man gerne erhalten, damit die nationale Ikone
überleben kann also. Hunde töteten in den vergangenen Jahren 70 Prozent aller
reporteten Totfälle von Kiwis°!
Irgendwie tun mir die Possums ganz schön leid°! Cal propagiert auch das tägliche Eincremen
mit hochprozentigem Sonnencreme, denn er hatte Hautkrebs und ist daher ständig
bewaffnet mit einem Hut und bis zur Kinnspitze eingepackt. Cal spendiert den
Orangensaft zum Abendessen, denn der Wein ist uns ausgegangen und hiernicht
ersetzbar, da wir einige Kilometer außerhalb des nächsten Ortes sind. Direkt
neben unserer Lodge befinden sich einige Höhlen, die durch Glühwürmchen
erleuchtet werden – dafür muss man allerdings bis zur Unterhose in eiskaltes,
fließendes Wasser einsteigen , nachdem man einige Felsen überquert hat und
einen die unterirdische Kühle umfängt.SDrumherum steht der Rockforest, bizarr
ausgewaschene Felsen inmitten eines Urwaldes. Die Lodge selber ist eher privat
– betritt man einen Raum, dann zieht man zuerst die Schuhe aus. Die gut
eingerichtete Küche und ein Aufenthaltsraum, bestückt mit Büchern, Spielen und
einem Packen DVD´s, zuvörderst der Hobbittriologie, befinden sich in einem
Extrahaus gegenüber der Lodge, so dass niemand gestört werden kann. Die Lodge selber hat 4 Zimmer, davon
ein Shared Room. Alle Zimmer haben eine volle Fensterfront in die freie Natur
hinaus. Bei Uns funktioniert der Vorhang nicht, also freie Sicht. Einfach
fantastisch sind die neuen Matratzen – ich schlafe wie im siebten Himmel. In
der zweiten Nacht bin ich sogar mit einer weiteren deutschen Krankenschwester –
die solange reist, bis sie endlich die Zusage zu ihrem Medizinstudienplatz
(nach sechs Jahren Wartezeit) hat – Tanja, allein im Zimmer, wir fühlen uns wie
in einem Privatzimmer, zahlen aber nur für den Dorm. Prima. Jedenfalls kann ich
nach der Horrornacht in Orewa endlich ausschlafen – für denselben Preis. In
Puihia wartet eine moderne Unterkunft auf mich. Ich habe die Luxusausgabe des
Dorm, den Sharedroom gebucht, liege mit zwei holländischen Mädels in einem
Zimmer mit eigenem Bad und Eisschrank. Fernsehen hätten wir auch, bestünde denn
ein Bedarf – die Wettervorhersage schauen wir uns schon einmal an. Der Anfang
unserer Bekanntschaft ist sehr erfolgreich, denn Charlotte erzählt begeistert
von ihren Erlebenissen in den USA und berichtet auch von ihrer Nacht mit der
Kellerassel, auf n
Niederländisch heißt das
Pissabed – ein sicherer Lacherfolg in einem Englischsprachigen Land. Ansonsten
ist Charlotte etwas verwöhnt, doch Selbstständigkeit gewohnt. Ihr Schlaf ist
nur leicht, weswegen ich jetzt auch im Dunkeln schreibe, denn das Licht stört
sie (andererseits schaut sie – auf laut gestellt – die Sportschau, während ich
lesen möchte). Das andere holländische Mädchen ist als Au-Pair-Girl in Auckland
für eine Familie, deren Kinder zehn, vierzehn und achtzehn sind.
Die Wirtsleute für dieses große
Haus – die Saltwater Lodge, sind sehr nett. Das jüngste Kind ist gerade 5
Wochen alt und ist, im Gegensatz zu dem sehr regen Zweijährigen, noch nicht
sehr orientiert. Hier werde ich meine Wäsche waschen, denn das geht ganz
unkompliziert in der Waschküche im Keller. Das Auto parkt problemlos in der
Tiefgarage – die Kundschaft ist im Schnitt zwanzig Jahre alt und ich komme mir
vor wie eine Großmutter, zumal die meisten Gäste Deutsche Jugendliche sind –
wie finanzieren die sich ihren Aufenthalt hier bloß. Wahrscheinlich durch einen
Wörk- und Stay-Aufenthalt. Also, bis jetzt sind meine Erfahrungen erstaunlich
gut insgesamt, bestenfalls unterhaltsam. Hoffentlich geht das so weiter.
Die Neuseeländer sind
jedenfalls ein recht angenehmes Volk. Ihr Umgang ist äußerst höflich
miteinander. So ist es üblich, sich beim Busfahrer, bevor man aussteigt, persönlich
zu bedanken. Das mit dem Kjuen haben die Costa Ricaner besser gemacht, aber man
lässt sich gegenseitig immer den Vortritt, so dass es nicht zum Drängeln kommt.
Distinguess ist gepaart mit Lebensfrohmut – eine gute Mischung. Allerdings
verstehe ich das Englisch, das hier gesprochen wird nicht immer. Generell
betont es die tiefen Vokale o und u. Auch werden die Wörter eher deutsch
ausgesprochen. So wurde ich gefragt ob ich einen bussi Dai /Es wird so
gesprochen wie geschrieben) gehabt hatte (Busy day). Die Australier lästern ob
der neuseeländischen Aussprache von fusch and schubs (fish and chips) nicht
ganz zu Unrecht, allerdings meine ich, dass kein Anlass zum darob Lästern
vorliegt, denn der Sprachgesang hat etwas äußerst Kommodes ganz im Gegensatz
zum lebhaften Habitus der Sprecher - eine ansprechende Kombination. Jedenfalls
haben die nur 4 Millionen Inselbewohner viel Platz, wie ich feststellen konnte
und auch genügend Raum für Individualität. Der Lebensstandard unterscheidet
sich nicht von dem in Deutschland, jedoch ist alles ein wenig teurer –
wahrscheinlich , so hoffe ich jedenfalls für die Neuseeländer, verdienen sie
auch ein wenig mehr als die Deutschen.
Heute hatte ich Gelegenheit,
etwas über die Maori, die sogenannten Ureinwohner zu lernen. Ureinwohner ist
vielleicht nicht ganz richtig, denn die Maori wanderten auch erst relativ kurz
vor der Ankunft der Europäer ein. Ihre Besiedlung begann wohl so vor 1200
Jahren, die letzten Schübe landeten erst vor ca 550 Jahren, kurz bevor Abel
Tasman die Inseln umrundete (er setzte keinen Fuss an Land, wahrscheinlich war
ihm sein Leben zu lieb, die Maori waren Kannibalen und bekriegten sich
gegenseitig intensiv –übrigens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hnein. Erst
Cook im achtzehnten Jahrhundert landete an und ihm folgten in schneller Folge
andere Europäer. Besonders originell finde ich die Einwanderung der Schotten
auf die Südinsel. Man fand so viele Gemeinsamkeiten mit den Maori, gleiches
Klima, ähnliche Landschaft, ähnliche Traditionen (Röcke, Kriegstanz, Tatoos)
und Hass auf die Engländer, dass es rasch zu einer engen Bindung kam. Da sich
jemand, der ein Achtel Blutsanteil Maori hat, gleich ganz Maori nennt, trifft
man blauäugige, rothaarige Maori , die stolz auf ihren Iwi /Stamm) sind zuhauf
auf der Südinsel. Nicht überall waren die Engländer gehasst. Hier im Nordland
mochte man sie sogar recht gerne, denn man lernte viel von ihnen und erhandelte
noch mehr, z.B. Waffen. Letztere dienten
zur gegenseitigen, recht erfolgreichen Ausrottung feindlicher Stämme
(Maorikriege achtzehnhundertfünf- und sechsundvierzig), so dass viele Chiefs
ihre Europäer von den anderen Stämmen abschotteten. Die Maori lernten schnell
und begannen einen eigenen Handel, der allerdings als illegal galt, da
unbeflaggt. Also gründete man die Konförderation der unabhängigen Maoristämme
1835, mit eigener Flagge und einem Konförderationsvertrag. Dieser existiert
übrigens bis heute, so dass Neuseeland zwei Nationalfarben hat. 1840 kam es zum
Vertrag von Waitangii – die Engländer interpretierten den Vertrag so, dass die
Chiefs die Superiorität der britishen Krone anerkannten, die Maori deuteten den
Vertrag hingegen so, dass ihnen dadurch Eigentum und Souveränität durch die
britische Krone garantiert wurden. Heute wird Der Waitangi treaty ground von
der Maori geführt und nur ihre Sicht der Dinge lernt man bei der Führung, die
ich heute mitgemacht habe, kennen. Seit dem hundertjährigen Jubiläum gibt es
gegenüber dem britischen Governeurspalast nun ein Maoriversammlungshaus, indem
auch Kulturvorführungen stattfinden. Interessant ist, dass die Maori niemals
durch eine britische Armee geschlagen oder jemals besiegt wurden, daher rührt
auch ihr ungebrochenes Selbstbewusstsein. Ihnen gefiel die europäische
Zivilisation und deren Vorteile zum Luxusleben, so dass sie sich gut
assimilierten. In den letzten Jahrzehnten wurden die alten Traditonen
wiederentdekct und gehören heutzutage zur unverwechselbaren Identtät auch der
anderen Neuseeländer, so z.B. der Europaer, aber auch der vielen Asiaten
(Chinesen, Japaner, Koreaner). Maori wird aktiv gesprochen, ist offizielle
Sprache bei Gericht und in der Verwaltung und in bestimmten Schulen- Es hat
zahlreiche Vorteile, Mitglied eines Stammes zu sein, da es mittlerweile
Wiedergutmachungen und Rückübereignungen von Land regnet. Maorisein hat auch
etwas Trotzges, etwas Dagegensein, aber insgesamt sind die Maori keine
Ewiggestrigen. Sie wollen beides, die Privilegien der Vergangenheit und den
Fortschritt der Gegenwart – und sie bekommen mittlerweile, nach einer langen Zeit
des Ausschlusses und der Diffamierung, auch beides. Ihre kulturelle
Bereitschaft, Neues zu integrieren, zeigt sich z.B. auch in der Musik. So
gehört die Guitarre, die Ende des achtzehnten Jahrhundert erst mit den
Europäern ins Land kam, zu den traditionellen Musikinstrumenten der Maorimusik.
Die Tänze erinnern an polynesische Gepflogenheiten (Palmenröcke wiegen sich zum
Rollen der Hüften, Stampftänze mit seitlichem Ausfall-Gleitschritt) und
Hollywood der 59er Jahre. Anders hingegen die Kriegstänze, die durch Kraft und
Schnelligkeit, Ausdrucksstärke und sehnige Körperspannung beeindrucken.
Rollende Augen, Ausfallschritte und herausgestreckte Zungen sollen die
Friedferitigkeit des Gegenüber testen und erfreuen heute in
Traditionsveranstaltungen die Zuschauer oder peitschen die Zuschaueremotionen
beim anstehenden Rugbymatch auf.
Wie immer habe ich Euch ein
paar Bilder herausgesucht, die ich besonders mag oder die etwas Typisches
meiner letzten Reiseimpressionen zeigen.
Doch zuvörderst möchte ich zwei
Personen besonders erfreuen. Zuerst Nicoletta, für die ich heute ein
ausgefallenes Tierbild einstelle, jedenfalls ein Tier, dass nicht skrätscht und
knispert.
Sodann eine kleine Überraschung
für Karina Meyerholz – alle lassen Dich grüßen!
Endlich auch einmal wieder
Bilder von mir – ich hoffe, sie gefallen Euch.
Wie immer war ich wieder auf
der Jagd nach Tieren und einige, wenn auch keine exotischen, sind mir in der
Tat vor die Linse geraten
siehe 1
Bisher war ich nur in Auckland
und im Nordland, Aber schon hier ist die Landschaft ganz außergewöhnlich.Das
liegt nicht nur an der ellenlangen Küste und den herrlichen Stränden und
wunderschönen Buchten, sondern vor allen Dingen an der Botanik. Fasznierte mich
in den USA die Kargheit der Landschaft, in Costa Rica die Tierwelt und auf Fiji
das Meer, so sind es hier die Bäume, die urweltlich und bizarr daherkommen.
Besonders die Stachelbäume und die Farnbäume haben es mir bisher angetan und
ich habe noch keine Kauriwälder zu Gesicht bekommen!
siehe 2
Aber auch die Landschaft hat einigen
Charakter. So ist es doch faszinierend, in unmittelbarer Nähe einer Großstadt –
Auckland – einen neuen Vulkan zu haben (neben den mehr als 50 alten). Der
Rongatoto ragt gegenüber dem Stadtzentrum als wohlgeformter Kegel aus dem Meer
und man kann ihn auch besuchen und steht auf Halden von Bimsstein umringt von
Primärwald – das alles für einen Fährfahrt von fünfundzwanzig Minuten.
Beeindruckend ist die Nähe der urwüchsigen Natur zur Zivilisation des 21.
Jahrhunderts. Sehr deutlich wird das, weil man Auckland über einige Kilometer
entlang der Küsten und der Felsinselwelt sehen kann
siehe 3
Kultivierte Landschaft erinnert
an Wales oder die Mitlands, ist nur schöner, weil milder. Dazu bevölkert von
Millionen von Schafen, die einen anmähen. Die Küsten hingegen sind wild und
rau, genauso wie der Urwald, die Reste, auf die man allerorten stößt, sind
unglaublich direkt, wie ein Eintauchen in die Saurierzeit.
siehe 4
Viel Spaß beim
Bilderschauen. Cathrin
Ich hab weiter oben ne Nachricht hinterlassen. Hier sei nur kurz angemerkt: Ich mag das Maoribild, hätte es aber in anderer Rollenverteilung noch lustiger gefunden :-)
AntwortenLöschenDas mit den Unterkünften hört sich doch alles noch ganz gut an und das mit den Autos macht Dir doch nichts aus! Wie hoch ist der Kurs für 1 NZ Dollar?
Lg nico