Sonntag, 18. November 2012

Bin in einer ultramodernen Herberge unweit von Auckland in den an der Westküste gelegenen Waitakere Ranges gelanded. Das letzte Haus im Küstenörtchen Piha. Heute Nacht werde ich gut schlafen: In der oberen Etage eines Stockbettes in Familiengröße - eher eine Schlaflandschaft, denn ein Bett - und enthoben den Niederungen meiner Mitschläfer im (auch hier so genannten) Dorm. Ich bin Mitglied des BBH, einer dem deutschen Jugendherbergswerk vergleichbaren Organisation geworden - allerdings unterhält diese Organisation keine eigenen Häuser, sondern zertifiziert Hostels und gibt deren Bewertung durch die Gäste in einem kleinen Booklet bekannt - sehr hilfreich! Nimmt man diejenigen, die über 90 Prozent bekommen haben ("GEfällt mir"), dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen - man braucht sich nur noch positiv überraschen zu lassen. Die Preise sind in allen Häusern vergleihbar - ein Bett im Dormitory oder im Shared Room kostet zwischen 23 und 30 NZD (jeweils ein Drittel abziehen um auf den Europreis zu kommen). Der Kamin brennt gemütlich und ich sitze im Trocknen, während draußen immer noch der Regen fällt und die Temperaturen ungewöhnlich niedrig sind - alle warten auf den Frühling, der einfach nicht so richtig kommen will (kein Wunder, ich - die Regenmacherin vom Dienst - bin ja auch hier) Heute war das Wetter ziemlich gut, aber sehr windig
Nicht so schlimm wie vor einigen Tagen am Ninety Mile Beach (er ist nur 90 Kilometer lang), da habe ich die Tür des Wagens nicht aufbekriegt! Im Gegensatz zu den letzten beiden Tagen, an denen es dauergeregnet hat und es einfach nur trüb war, hat aber heute endlich mal wieder die Sonne gescchienen und so sah das heute Mittag aus - einige Leute haben das stürmische Wetter für ihre sportlichen Aktivitäten genutzt (ich hingegen für einen ausgedehnten Strandspaziergang):



Übrigens ist der Strand wirklich schwarzsandig - bisher war er entweder weiß, beige oder rosa - nun, richtig schwarz - ihr seht die Dokumentation im Einführungsbild.
Während die Leute hier also sportlich aktiv sind, habe ich wieder meiner neuentdeckten Leidenschaft "Tiere entdecken und vor die Linse bekommen" gefrönt. Ich hatte auch alle Gelegenheit dazu, denn etwas weiter nördlich befindet sich die einzige Festlandkolonie hier auf Neuseeland von Tölpeln, die ich bisher nur aus Walt Disney Filmen (Bernhard und Bianca) kannte. Wie immer war das Naturereignis wunderbar besuchbar und so teilte ich dieses Erlebnis - dank der formidablen Wege und Ausschilderung - mit einigen Duzend Chinesen und Indonesiern und (wahrscheinlich) einigen Neuseeländern - und nun also auch mit Euch:




  


 Die Tölpel brüten gerade - allerdings habe ich ziemlich lange suchen müssen, bevor ich ein Kücken gefunden habe! Wenn die Jungen flügge geworden sind Ende Januar, dann kommt sogleich die zweite Bewährungsprobe (die erste ist der erste Flugversuch - man sieht es auf den Bildern nicht, aber hier stimmt der Satz "living on the edge", denn das tun die Tölpel, ihre Kolonie nestelt in der Steilküste und der Wind pfeift darauf zu - glücklich das kleine Tölpelchen, dass nicht sogleich an der Feldwand zerschmettert oder auf den Felsspitzen über dem Wasser aufgespießt wird oder ...), nämlich der mehrere tausend Kilometer weite Flug nach Australien - dort bleiben die jugendlichen Vögel dann ca. 4 Jahre und kehren dann zurück zu ihrer Geburtskolonie, suchen sich einen Lebenspartner (kann dauern) und suchen sich einen Brutplatz (kann dauern). Also, bis die ihr erstes Ei gelegt haben (es ist immer nur eins, ein zweites würde die Klippen hinunterkullern, das jeweilige Elternteil - die Brut wird geteilt im Schichtdienst - ist gerade dick genug für ein Ei): kann dauern (meiner Rechnung nach ca. 6 bis 8 Jahre - mein Gott, wie alt werden diese Tiere?! Je länger die Tiere da sind (und die Alten sterben), desto sicherer wird der Brutplatz in der Mitte der Kolonie. Nachdem Nicoletta mir von ihren Beförderungsprüfungen erzählt hatte (zu der ich ihr viel "Glück" wünsche - eher Gerechtigkeit), ging es mir die letzten zwei Tage mal wieder so richtig schlecht und die Demütigungen der letzten Jahre waren ganz präsent - zusammen mit dem Schietwetter hatte ich meine depressiven Tage! Aber irgendwie haben mir die Tölpel gut getan - ich fand sie gar nicht Tölpel, sondern faszinierend und sehr hübsch mit ihren gelb-orangen Köpfen und den herrlich weiß-schwarzen Schwingen. 
Eigentlich  hätte es mir auch schon gestern wieder besser gehen können, denn zuerst hatte ich Audienz bei dem ältesten Bewohner Neuseelands:
 Tane Mahuta, ca 2000 Jahre alt und noch ganz lebendig. Obschon...ist bei den Kauribäumen genauso wie bei den Menschen, je älter sie werden, desto unansehnlicher werden sie. Alle Kauribäume, die wegen ihres hervorragenden Holzes - stabil und gerade gewachsen - sämtlich gefällt wurden von den Europaern seit 1840 und so wurde der Norden der Nordinsel völlig entblößt und stattdessen zogen all die Schafe und viele Kühe auf grüne Weiden, na jedenfalls, einige Reste gibt es noch und dazu gehört ein kleiner Nationalpark südlich der Hokinga-Bucht (dort hatte ich übrigens auch eine sehr gute Übernachtung inmitten von Nussbäumen und in einem Blumen-Blütenmeer), der gehört mittlerweile wieder den Maori als Wiedergutmachung für ihre Enteignung und des Bruches des Vertrages von Warangei. Die Kauribäume wachsen gerade wie Spargel in lichte Höhen, erst so ab 10 bis 15 Metern Höhe fängt die Belaubung an. Bei den alten Bäumen sind viele der Äste abgestorben (ganz weiß im Holz) und auf dem Totholz wachsen neue Bäume. Das Ganze überragt den restlichen Wald um einiges. Die Kauribäume haben sehr empfindliche Wurzeln, die nahe der Oberfläche liegen, Deshalb werden oft Plankenwege gebaut, auf denen man dann durch den Urwald gehen kann - einfach toll. Bei Tane Mahuta fand so eine Art Gedenkfeier statt. Eine Busladung Maori (alle in Hawaihemden) sang Lieder zur Guitarre und freute sich des Lebens (trotz Regens). Beim Zweitältesten Kauri (der etwas dicker ist) saß hingegen andächtig in Medidation versunken und danach über die Meditation reflektierend ein Deutscher Mittelalter Brillenträger, Typ Asket, zusammen mit seiner beflissentlich schweigenden Gattin  - einfach peinlich. Ich habe dann mal so getan, als würde ich nicht dazugehören, was schwer ist, denn hier sind so viele Deutsche, so dass ich mich frage, wieviele Deutsche überhaupt noch in Deutschland sind. 
Ich bin allerdings auch ins Meditieren darüber gekommen, warum die Neuseeländer allein vom Aussterben bedrohte Lebewesen wie den Kiwi und den Kauri zu ihren nationalen Iconen erheben. Was sagt das über den Nationalcharakter Neuseelands aus - sind die Hiesigen morbide? oder Boten einer neuen Zeit, die all die Zerstörung unserer Erde durch den Menschen sichtbar machen. Die Inseln sind vollgestopft mit Verbots- bzw. Schutzschildern für die wenigen überlebenden Exemplare. Ob davon Kiwi und Kauri überleben werden, das weiß ich allerdings nicht. 
zweimal abgelehnt werden, beim dritten Versuch muss diesem stattgegeben werden.Nachdem ich Simon an einer Tankstelle an der A1, der Hauptverkehrsachse nach Auckland hinausgelassen hatte, landete ich in einem von Belgiern geführten Hostel für die Nacht - na, das passte ja (das Bett war übrigens auch belgishc nämlich nicht beschlaftbar, ich habe jedes Holzstück in meinem Rücken gespürt, habe also in dem total engen Zimmerchen (6 Leute in drei Etagen auf 8 qm)nicht gut geschlafen. 
Neben der Bedeutung des Kauri für die Maori als Symbol des Lebens habe ich auf Reisen im Nordland noch einiges mehr über die Mystik der Maori gelernt. Vor einigen Tagen war ich ganz im NOrden Neuseelands - nicht am nördlichsten Punkt (der ist etwas weiter im Osten und nach einem französischen Okupator benannt, le Surville, der parallel mit Cook versuchte, Neuseeland zu kolonialisieren), aber jedenfalls dort, was viele für den nördlichsten Punkt halten (gleich daneben ist aber jedenfalls der westlichste Punkt, das Cap Maria von Diemen - hier ein Bild - ich bin zum Strand hinuntergelaufen und 2961 Shcritte wieder hinaufgeklettert! 
Also: In dieser Gegend kamen die Maori vor einigen hundert Jahren auch an aus dem polynesisch-pazifischen Raum. Tuki Tahua, ein Chief, leiß 1793 die erste Landkarte Neuseelands anfertigen, um sein Herrschaftsgebiet zu zeigen, Hier eine Replik: (siehe oben). Die Karte zeigt das heutige Nordland (das heutige Auckland begrenzt die Karte auf der linken Seite, der Norden ist rechts) Über die Karte führt eine gestrichelte Linie. Das ist der Weg der Toten, die am Nordkap, dem Te Rerenga Walrua (die Pakhata, also die Europäer, nannten es Cap Reinga) in ihre alte Welt zurückkehren. Ein schönes Bild - Zurückkehren in das Land der Väter, also dorthin, wo man hergekommen ist, dem Norden, dem Polynesischen Raum, die Maori nennen es Hawaiki. Aber im übertragenen Sinne ist das Land der Väter auch das Reich der Toten, denn dahin sind alle Väter (und Mütter-)generationen eingegangen. IN der Vorstellung der alten Maori lag dieses Reich der Toten also im NOrden, dort, woher die Vorfahren ursprünglich nach Neuseeland gekommen waren. Die Verstorbenen verlassen die Welt genau dort, wo sich Te Moana Tapokopoko a Tawhalei (das männliche Element, also die Tasmanische See) und Te Tal o Whitireia (das weibliche Element, also der Pazifik) miteinander vereinigen (in Form der aufeinanderstürmenden Wellen, die hier deutlich zu ereknnen sind) und so das Leben schaffen. Die Toten trinken aus 2 Quellen, die man am Cap Reinga findet, nämlich aus dem Te Walora a TAne (dem Lebenswasser der Göttein Tana) zur Rinigigung der Seelen der Toten und dann aus dem Te Wai Wheroa Rata - das ist praktisch das Eintrittsbillet zum Reich der Toten - trinkt der Tote nicht davon, so muss (!f) er in das Reich der Lebenen zurückkehren. Dort, wo die Quellen ins Meer fließen, sieht man einen auffälligen Fels ins Meer ragen, den Te Rerenga Walrua, auf dem ein ein Baum, ein Pohutukawati, wächst, der den speziellen Namen Kahika hat, denn über seine Wurzeln als Stufen steigen die Toten hinab ins Totenreich, also ins Wasser. Selbst wenn man an all dies nicht glaubt, so ist (!) dieser Ort etwas Besonderes, wie ihr hier auf meinem Bild sehen könnt:
Der moderne Tourist begibt sich zum alten Leuchtturm, der oberhalb dieses mystischen Ortes steht und fotograpfiert sich vor der Unendlichkeit des nördlichen Meeres (Pazifik)
Am Cap gibt es eine ganze Menge zu sehen,nämlich herrliche Dünen, die riesengroß sind und diedie jungen Leute dazu animieren, Sandzu surfen - nichts mehr für mich (so einen Kick habe ich noch nie gebraucht, bin ich viel zu ängstlch für) und die karge Baumlandschaft - auf dem Campingplatz genau unterhalb des Leuchtturms am Strandwanderweg habe ich prima geschlafen in meinem Mietauto und am nächsten Morgen eine Wanderung durch die Mangroven gemacht.



Übrigens - es sei doch noch angemerkt, hatte ich am Tag vorher in der Tat ein quasi-mystisches Erlebnis, nämlich es gab um 10:40 am eine partielle (90%) Sonnenfinsternis - nur für Euch ein Bild daon (ich finde das Bild zwar schön, aber besonders viel erkennt man nicht, meine ich) Ich war gerade auf einem Strandspaziergang als es dunkler wurde, so wie in einem Schwarz/weiß Film war alles plötzlich - Chiffontischtuch über alles ausgebreitet. : 
Bevor ich für heute Schluss mache, hier noch mein obligatorisches Bild für Nicoletta - träume süß trotz Prüfungsstress:

1 Kommentar:

  1. Danke für das Special-Schlaf-gut-Foto, kann ich für übermorgen gebrauchen :-) Stunde zwei steht, ich harre der Dinge, die da kommen ... UND ich wollte dich definitiv NICHT frustrieren! So ein Mist, dass Dir das zwei Tage versaut hat. Das ist es vermutlich einfach nicht wert, also sieh zu, dass Du Deine Auszeit genießt! Obwohl ich sagen muss, dass Dein Sturmfoto auch die Ostsee sein könnte ;-), aber die Tölpel sind ganz wunderbar, die hätt ich auch gerne bestaunt - trotz all der Chinesen und Deutschen, die da anscheinend überall rumflitzen :-) Gibt`s keinen bebrillten Asketen für Dich da? Sehr schöner Beschreibung!
    Cathrin, ich bewundere Dich! Ich find das so klasse, wie Du alleine durch die Welt fährst- Wahnsinn. So mutig wär ich nicht.
    Ganz liebe Grüße nico

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