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Heute Morgen lag ich wohlig in meinem „Einzel!“-Zimmer-Bett
(ich war einfach nur der einzige Gast im Hostel und hatte daher den Share-Room
für mich ganz alleine – ein seltenes und angenehmes Privileg) – die Matratze
war dick, nicht zu weich, nicht zu hart – kurz: bequem und ohne Rückenschmerzen
- , ich liege genau unter dem Fenster – frische Luft und Meeresrauschen vom
Feinsten bescherten mir eine sehr angenehme Nachruhe (nur eine Nachttischlampe
hat noch gefehlt zum vollkommenen Glück), jedenfalls, ich kuschele so im
Halbschlaf vor mich hin, als plötzlich ein Zug vorberauscht. Zuerst leise, dann
immer lauter werdend, schließlich direkt an meinem Zimmer vorbei, das Bett
wankt, ein Wind, der Zug ist vorbei, entfernt sich mit Rauschen und Grollen und
ist weg und ich weiß nicht, ob ich das wirklich eben erlebt habe, denn ich
befinde mich im Übergangsstadium zwischen Träumen und Wachen und vielleicht war
es nur ein Nachhall meines letzten Traumes, denn während ich wieder in Morpheus
Schoss zurückrutsche, sinnieren meine Gedanken darüber, wo denn hier eine
Bahnlinie ist, denn bei meinen gestrigen Spaziergängen habe ich keine Schienen
gesehen und denke noch, das wird irgendwie zu klären sein und mag es doch nur
ein Traum sein, da bin ich schon wieder weggenickt. Der Wecker bimmelt
pflichtschuldigst eine halbe Stunde später
und ich dusche und mache mich frisch für den Tag, mein Kaffee, meine
Corn Flakes, frische Milch, Marakuja-Lemon-Marmelade, Orangen, als der Wirt
kommt und mich nach meinem Befinden nach dem Erdbeben fragt. 5,8 auf der Skala,
140 Kilometer nach Nordwest (Richtung Roturua), 175 Meter tief lag das
Epizentrum, bei ihnen hat es ganz schön geschüttelt und gescheppert, beinahe 6
auf der Richterskala, das ist doch schon ganz schön viel und – (seine Frau ist
Japanerin) – sogleich hat er an einen Tsunami gedacht, wir so nah am Strand und
landeinwärts alles flach. Kein Traum also, sondern mein erstes Erdbeben – ich
bin platt. Klar wird mir, dass ich keinen Anlass zur Angst hatte, ja , beruhigt
wieder entschlummert bin, da ich eine Erklärung hatte, die meine Welt in
Harmonie geordnet hat – so unsinnig diese auch angesichts meines empirischen
Befundes war. Es ist doch erstaunlich, wie sich die Realität anpasst, wenn man
die Sachen beim Namen nennen kann. Der
Name wird die Sache selbst, so scheint es, die tatsächlichen Ereignisse
ignorierend. Eigentlich hätte ich doch aufspringen, mich auf den Boden
schmeißen oder hinauslaufen sollen (das Erdbeben dauerte nach Aussage meines
Wirts ziemlich lange und die akustischen Signale habe ich ganz richtig als
heranrollend, einrauschend, hinausgrollend erkannt) oder doch zumindest das
Neue, erstmalige Erleben erkennen müssen – aber nichts! Es scheint, als ob die
weltbewegenden Neuigkeiten an mir vorbeidonnern und ich immer noch an den
Weihnachtsmann glaube, weil ich das, schein´s, so will – ziemlich konservativ –
wenn ich nichts Neues – auch wenn es gefahrvoll ist, wahrnehmen will, dann scheine ich einen
ausgeprägten Selbstschutz zu haben!
Andererseits passt das auch gut zu meinen Gedanken
betreffend Sprache in den letzten Tagen. Die Wanderungen der letzten Tage
förderten meinen Wunsch, doch etwas mehr von den mich umgebenden Pflanzen zu
wissen – schon seit einiger Zeit benenne ich sie, weil ich sie unterscheiden und
wieder erkennen möchte – einige begrüße ich nämlich mit großer Freude und
möchte ich auch gezielt ansprechen können. Angefangen hat alles mit Ponga, dem
Silberfarnbaum – einer meiner Lieblinge! Seine exotisch-urwüchsige Schönheit,
zusammen mit dem Drachenbaum erinnert er mich immer an die Dinosaurierphase
unserer Erde, gepaart mit Eleganz und Zartheit hat mir vom ersten Augenblick an
gefallen, So gibt es den Fledderbaum, den Drachenbaum, die Palme mit den
Beerchen, die Officestachler, die Urwaldriesen (ziemlich pauschal, alles, was
groß und geheimnisumwittert ist) usw. Natürlich kann ich mich so nicht über die
jeweiligen Pflanzen verständigen, aber das will ich ja auch eigentlich gar
nicht. Ich reise allein, mache meine Wanderungen allein und die Bezeichnungen
brauche ich ja deshalb nur für mich und für meine Zeit hier. Trotzdem, so kann
ich wenig mehr über die grüne Umwelt erfahren. Bisweilen stoße ich auf Namen –
z.B. heute war ich in einer Art Botanischen Garten, aber auch sonst haben Bäume
hier (bei den Maori) bisweilen eine herausragende Bedeutung, weswegen sie
touristisch auch besonders herausgestellt werden, also z.B. Informationstafeln
zeigen u.Ä. Besondere Bäume haben hier eigene Namen (ihr erinnert euch sich an
Tane, den Kauri), heute z.B. habe ich Taketakerau, einen Puriri, der mindestens
600, maximl 2000 Jahre alt ist und einem bestimmten Stamm als Knochenhaus
diente (und daher absolut, also bei Todesstrafe (durch Menschen wie auch durch
Götter), unter Tapu stand) – der knorrige Greis wird von zwei Ahnengöttern
geschützt und bewacht (obwohl die Knochen schon vor einiger Zeit entfernt
wurden).
Nun, jedenfalls sind einige Bezeichnungen für Dinge, über
die sich eine bestimmte Gruppe von Menschen verständigen will (sic) ganz und
gar passend über alle kulturellen Verschiedenheiten hinweg. Man kann sich keinen
besseren Namen ausdenken, so meine ich. Und obwohl ich Schwierigkeiten mit dem
Maori habe, so lohnt es sich doch, einige ihrer Naturbezeichnungen zu lernen.
Manchmal ist das so, als ob man Kieselsteine im Mund hat und die rollen gegen
das Aussprechen an und queren und hindern, manchmal sind die Begriffe so
ähnlich, dass ich sie nur etwaig ausspreche und damit etwas anderes bezeichne. Aber
bei einigen Pflanzennamen habe ich doch das Nennen der Pflanzen gelernt, z.B.
beim Pohutukawa, dem hiesigen Weihnachtsbaumersatz. Mit seinen spritzeligen
roten Blüten säumt er die Straßen und das Herz und leuchtet einem nun
allerorten entgegen.
Sein Name passt zu ihm als wäre es ein individueller Name,
unterstreicht er doch das Knubbelige (das Niedliche im Namen), das Große (der
lange Namen) , genauso wie das Schimmernd-(weiche Vokale)-Rot-Grüne (das harte
K)
Weitere höchst wunderlich-schön-passende Namen sind z.B.
Manuka (Lepto spermum coparium), Kohekohe (Dysoxylum spectabile), Nikau (Rhopalostylis
baueri) oder Tawa (die lateinische Zuordnung konnte ich nicht mehr lesen, da
die Tafel etwas älter war), Über Agathis australis (KAURI) habe ich ja bereits
geschrieben, jedenfalls ein erstaunlicher Baum, der sich selbst entzweigt und
der Materialreichste Baum weltweit ist, da der gesamt Stamm einen identischen
Durchmesser hat, also auch oben, daher das Spargelförmige
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