Samstag, 8. Dezember 2012

Heute ist der 8.Dezember
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Heute Morgen lag ich wohlig in meinem „Einzel!“-Zimmer­­-Bett (ich war einfach nur der einzige Gast im Hostel und hatte daher den Share-Room für mich ganz alleine – ein seltenes und angenehmes Privileg) – die Matratze war dick, nicht zu weich, nicht zu hart – kurz: bequem und ohne Rückenschmerzen - , ich liege genau unter dem Fenster – frische Luft und Meeresrauschen vom Feinsten bescherten mir eine sehr angenehme Nachruhe (nur eine Nachttischlampe hat noch gefehlt zum vollkommenen Glück), jedenfalls, ich kuschele so im Halbschlaf vor mich hin, als plötzlich ein Zug vorberauscht. Zuerst leise, dann immer lauter werdend, schließlich direkt an meinem Zimmer vorbei, das Bett wankt, ein Wind, der Zug ist vorbei, entfernt sich mit Rauschen und Grollen und ist weg und ich weiß nicht, ob ich das wirklich eben erlebt habe, denn ich befinde mich im Übergangsstadium zwischen Träumen und Wachen und vielleicht war es nur ein Nachhall meines letzten Traumes, denn während ich wieder in Morpheus Schoss zurückrutsche, sinnieren meine Gedanken darüber, wo denn hier eine Bahnlinie ist, denn bei meinen gestrigen Spaziergängen habe ich keine Schienen gesehen und denke noch, das wird irgendwie zu klären sein und mag es doch nur ein Traum sein, da bin ich schon wieder weggenickt. Der Wecker bimmelt pflichtschuldigst eine halbe Stunde später  und ich dusche und mache mich frisch für den Tag, mein Kaffee, meine Corn Flakes, frische Milch, Marakuja-Lemon-Marmelade, Orangen, als der Wirt kommt und mich nach meinem Befinden nach dem Erdbeben fragt. 5,8 auf der Skala, 140 Kilometer nach Nordwest (Richtung Roturua), 175 Meter tief lag das Epizentrum, bei ihnen hat es ganz schön geschüttelt und gescheppert, beinahe 6 auf der Richterskala, das ist doch schon ganz schön viel und – (seine Frau ist Japanerin) – sogleich hat er an einen Tsunami gedacht, wir so nah am Strand und landeinwärts alles flach. Kein Traum also, sondern mein erstes Erdbeben – ich bin platt. Klar wird mir, dass ich keinen Anlass zur Angst hatte, ja , beruhigt wieder entschlummert bin, da ich eine Erklärung hatte, die meine Welt in Harmonie geordnet hat – so unsinnig diese auch angesichts meines empirischen Befundes war. Es ist doch erstaunlich, wie sich die Realität anpasst, wenn man die Sachen beim Namen nennen kann.  Der Name wird die Sache selbst, so scheint es, die tatsächlichen Ereignisse ignorierend. Eigentlich hätte ich doch aufspringen, mich auf den Boden schmeißen oder hinauslaufen sollen (das Erdbeben dauerte nach Aussage meines Wirts ziemlich lange und die akustischen Signale habe ich ganz richtig als heranrollend, einrauschend, hinausgrollend erkannt) oder doch zumindest das Neue, erstmalige Erleben erkennen müssen – aber nichts! Es scheint, als ob die weltbewegenden Neuigkeiten an mir vorbeidonnern und ich immer noch an den Weihnachtsmann glaube, weil ich das, schein´s, so will – ziemlich konservativ – wenn ich nichts Neues – auch wenn es gefahrvoll ist,  wahrnehmen will, dann scheine ich einen ausgeprägten Selbstschutz zu haben!

Andererseits passt das auch gut zu meinen Gedanken betreffend Sprache in den letzten Tagen. Die Wanderungen der letzten Tage förderten meinen Wunsch, doch etwas mehr von den mich umgebenden Pflanzen zu wissen – schon seit einiger Zeit benenne ich sie, weil ich sie unterscheiden und wieder erkennen möchte – einige begrüße ich nämlich mit großer Freude und möchte ich auch gezielt ansprechen können. Angefangen hat alles mit Ponga, dem Silberfarnbaum – einer meiner Lieblinge! Seine exotisch-urwüchsige Schönheit, zusammen mit dem Drachenbaum erinnert er mich immer an die Dinosaurierphase unserer Erde, gepaart mit Eleganz und Zartheit hat mir vom ersten Augenblick an gefallen, So gibt es den Fledderbaum, den Drachenbaum, die Palme mit den Beerchen, die Officestachler, die Urwaldriesen (ziemlich pauschal, alles, was groß und geheimnisumwittert ist) usw. Natürlich kann ich mich so nicht über die jeweiligen Pflanzen verständigen, aber das will ich ja auch eigentlich gar nicht. Ich reise allein, mache meine Wanderungen allein und die Bezeichnungen brauche ich ja deshalb nur für mich und für meine Zeit hier. Trotzdem, so kann ich wenig mehr über die grüne Umwelt erfahren. Bisweilen stoße ich auf Namen – z.B. heute war ich in einer Art Botanischen Garten, aber auch sonst haben Bäume hier (bei den Maori) bisweilen eine herausragende Bedeutung, weswegen sie touristisch auch besonders herausgestellt werden, also z.B. Informationstafeln zeigen u.Ä. Besondere Bäume haben hier eigene Namen (ihr erinnert euch sich an Tane, den Kauri), heute z.B. habe ich Taketakerau, einen Puriri, der mindestens 600, maximl 2000 Jahre alt ist und einem bestimmten Stamm als Knochenhaus diente (und daher absolut, also bei Todesstrafe (durch Menschen wie auch durch Götter), unter Tapu stand) – der knorrige Greis wird von zwei Ahnengöttern geschützt und bewacht (obwohl die Knochen schon vor einiger Zeit entfernt wurden).

Nun, jedenfalls sind einige Bezeichnungen für Dinge, über die sich eine bestimmte Gruppe von Menschen verständigen will (sic) ganz und gar passend über alle kulturellen Verschiedenheiten hinweg. Man kann sich keinen besseren Namen ausdenken, so meine ich. Und obwohl ich Schwierigkeiten mit dem Maori habe, so lohnt es sich doch, einige ihrer Naturbezeichnungen zu lernen. Manchmal ist das so, als ob man Kieselsteine im Mund hat und die rollen gegen das Aussprechen an und queren und hindern, manchmal sind die Begriffe so ähnlich, dass ich sie nur etwaig ausspreche und damit etwas anderes bezeichne. Aber bei einigen Pflanzennamen habe ich doch das Nennen der Pflanzen gelernt, z.B. beim Pohutukawa, dem hiesigen Weihnachtsbaumersatz. Mit seinen spritzeligen roten Blüten säumt er die Straßen und das Herz und leuchtet einem nun allerorten entgegen.
Sein Name passt zu ihm als wäre es ein individueller Name, unterstreicht er doch das Knubbelige (das Niedliche im Namen), das Große (der lange Namen) , genauso wie das Schimmernd-(weiche Vokale)-Rot-Grüne (das harte K)

Weitere höchst wunderlich-schön-passende Namen sind z.B. Manuka (Lepto spermum coparium), Kohekohe (Dysoxylum spectabile), Nikau (Rhopalostylis baueri) oder Tawa (die lateinische Zuordnung konnte ich nicht mehr lesen, da die Tafel etwas älter war), Über Agathis australis (KAURI) habe ich ja bereits geschrieben, jedenfalls ein erstaunlicher Baum, der sich selbst entzweigt und der Materialreichste Baum weltweit ist, da der gesamt Stamm einen identischen Durchmesser hat, also auch oben, daher das Spargelförmige

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