Zur Eigentumsfrage:
Jetzt reise ich ja nun schon einige Zeit durch Neuseeland
und am Anfang habe ich so ein Gefühl von Weite gehabt. Das hat sich geändert.
Das Land ist durchgehend kultiviert, an den entlegendsten Orten stößt man auf
den Hinweis, sich auf private property zu befinden, Zäune zäunen das ganze Land
ein, selbst Orte, die durch ihre verwegene Position, ihre Einsamkeit, ihre
Unzugänglichkeit kaum den Zutritt gewähren, werden geschützt von
Hinweisschildern und Zäunen. Neben den Neuseeländern (die in den letzten 30 Jahren
– nach Aussage meines Wirtes in Opotiki – von 1,5 auf 4 Millionen Mitbürger
zugenommen hat), haben auch die Kühe an Anzahl zugenommen – es gibt unendlich
viele, hier auf der Nordinsel jedenfalls mindestens so viele wie Schafe – das
hat den Nachteil, dass die Kühe nicht mehr als Rasenmäher fungieren (weswegen
sie häufig, obwohl sich der Verkauf der Wolle kaum noch lohnt, mit Schafen
kombiniert werden (nicht „gepaart werden“), sondern ihr Fleisch wird
offensichtlich auf den Weltmärkten nachgefragt – für die Umwelt ist das
jedenfalls nicht der Knaller! (Furz). Sie sind jedenfalls sehr neugierig und
ziemlich kommunikativ (man hört die jungen Buller ziemlich weit mit ihrem
dunklen Muhen). Pauline vom Tree Hostel in Kohukohu im Norden, die eigentlich
Australierin ist, meinte auf die Frage, was sie an Neuseeland im Gegensatz zu
Australien besonders schätzen würde, dass es hier in Neuseeland eine
Neigborhood gäbe (Australien ist zu groß dazu). Nun ja – die gibt es, aber
anders als bei uns. Der nächste Nachbar wohnt meist ziemlich weit weg, aber
immerhin, er ist da. Und dazwischen sind die grasenden Kühe oder Schafe. Das
naturbelassene Land ist wenig – eigentlich habe ich bisher nur den Urewera
Nationalpark kennengelernt, der noch in größerem Umfang Primärwald umschließt –
der ist so unfruchtbar, das hier kein Gras ausreichend für Schafherden wächst,
so dass die Bauern – meist entlassene Soldaten des ersten Weltkrieges – das
Feld – im wahrsten Sinne des Wortes – räumen mussten nach teilweise jahrelangem
Kampf und Krampf, aber schließlich eben doch und gleichzeitig diente dieser
Wald, der sich aus einem Tiefland erhebt, den Maori als einziges
Rückzugsgebiet, nachdem der Vertrag von Whangarei von den Engländern gebrochen
worden war. Hier lebten auch die Maori, die diesen Vertrag nie unterzeichnet
hatten, deshalb gibt es im Nationalpark noch mehrere Maoridörfer, aber das
stört den großen Wald im Ganzen gar nicht. Also, man fährt und es gibt hier
eigentlich trotz aller Wildheit (Vulkanausbrüche, Erdbeben) eigentlich keine
Wildnis auf dem Lande, man trifft immer wieder auf irgendein Haus, ein
Property-Schild, einen Zaun….
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