Samstag, 8. Dezember 2012



Zur Eigentumsfrage:
Jetzt reise ich ja nun schon einige Zeit durch Neuseeland und am Anfang habe ich so ein Gefühl von Weite gehabt. Das hat sich geändert. Das Land ist durchgehend kultiviert, an den entlegendsten Orten stößt man auf den Hinweis, sich auf private property zu befinden, Zäune zäunen das ganze Land ein, selbst Orte, die durch ihre verwegene Position, ihre Einsamkeit, ihre Unzugänglichkeit kaum den Zutritt gewähren, werden geschützt von Hinweisschildern und Zäunen. Neben den Neuseeländern (die in den letzten 30 Jahren – nach Aussage meines Wirtes in Opotiki – von 1,5 auf 4 Millionen Mitbürger zugenommen hat), haben auch die Kühe an Anzahl zugenommen – es gibt unendlich viele, hier auf der Nordinsel jedenfalls mindestens so viele wie Schafe – das hat den Nachteil, dass die Kühe nicht mehr als Rasenmäher fungieren (weswegen sie häufig, obwohl sich der Verkauf der Wolle kaum noch lohnt, mit Schafen kombiniert werden (nicht „gepaart werden“), sondern ihr Fleisch wird offensichtlich auf den Weltmärkten nachgefragt – für die Umwelt ist das jedenfalls nicht der Knaller! (Furz). Sie sind jedenfalls sehr neugierig und ziemlich kommunikativ (man hört die jungen Buller ziemlich weit mit ihrem dunklen Muhen). Pauline vom Tree Hostel in Kohukohu im Norden, die eigentlich Australierin ist, meinte auf die Frage, was sie an Neuseeland im Gegensatz zu Australien besonders schätzen würde, dass es hier in Neuseeland eine Neigborhood gäbe (Australien ist zu groß dazu). Nun ja – die gibt es, aber anders als bei uns. Der nächste Nachbar wohnt meist ziemlich weit weg, aber immerhin, er ist da. Und dazwischen sind die grasenden Kühe oder Schafe. Das naturbelassene Land ist wenig – eigentlich habe ich bisher nur den Urewera Nationalpark kennengelernt, der noch in größerem Umfang Primärwald umschließt – der ist so unfruchtbar, das hier kein Gras ausreichend für Schafherden wächst, so dass die Bauern – meist entlassene Soldaten des ersten Weltkrieges – das Feld – im wahrsten Sinne des Wortes – räumen mussten nach teilweise jahrelangem Kampf und Krampf, aber schließlich eben doch und gleichzeitig diente dieser Wald, der sich aus einem Tiefland erhebt, den Maori als einziges Rückzugsgebiet, nachdem der Vertrag von Whangarei von den Engländern gebrochen worden war. Hier lebten auch die Maori, die diesen Vertrag nie unterzeichnet hatten, deshalb gibt es im Nationalpark noch mehrere Maoridörfer, aber das stört den großen Wald im Ganzen gar nicht. Also, man fährt und es gibt hier eigentlich trotz aller Wildheit (Vulkanausbrüche, Erdbeben) eigentlich keine Wildnis auf dem Lande, man trifft immer wieder auf irgendein Haus, ein Property-Schild, einen Zaun….

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über einen Kommentar!