Sonntag, 9. Dezember 2012



Kurz, bevor ich mich ins Bett begebe, hier nun eine Kurzchronik meiner Reise seit meinem letzten Standort Taupo.
Von dort bin ich sträit nach Napier gefahren,, einer Stadt, die bei einem Erdbeben Ende der 20er Jahre völlig zerstört wurde und dann einheitlich im Jugendstil wieder aufgebaut wurde. Kurz: eine der wenigen Städte hier mit Charakter. Die sonstigen Städte sind eher Örtchen und sehr funktional um eine Hauptachse angelegt. Interessantes Shoppen ist hier nicht Trumpf, sondern eher gezieltes Einkaufen. Anders in Napier, das wie ein Kurort geruhsam, aber in Eleganz vor sich hinlebt und großen Wert – auch im Kaufangebot – auf seine Jugendstilfacade legt. Die Stadt, elegant auf eine ansteigende Höhe gestaffelt mit Blick aufs Meer in eine weite Buch ist ruhig, behäbig, lässig, herrlich lasziv mit einem tollen Japaner. Die Bilder hierzu habe ich schon eingestellt.
Von dort ist es nicht mehr weit bis Gisborne. Hier startet die Reise zur Ostkapumrundung - 334 km von Gisborne to Opotiki auf der # 35 – hier fährt man durch Maoriland, mehr als 90 Prozent aller Menschen, die hier leben, gehören mehreren Stämmen an: Hawai Ngai Tai iwi – Whanau-a-Apanui iwi – Ngati Porou iwi –Ngati Kahungunu
Und die Tuhoe (Richtung Te Urewera). Überall sieht man die Marae – für Fremde Tapu-Gebäude, für die jeweilige Familie der (!) Versammlungsraum für alles und jedes. Zu erkennen daran, dass sie aussehen wie turnhallen und immer durch ein rot angestrichenes Holztor (siehe Foto) zu betreten sind, die Schnitzereien stellen die Ahnen dar. Hier hört man auch noch tatsächlich Menschen Maori sprechen (nach meinem Reiseführer sollen ca. 35 Prozent der dortigen Bevölkerung Maori als Muttersprache sprechen) – Ich habe nur drei Wörter gelernt:
Kia Ora / Haere Mai = Herzlich Willkommen und Haere Raa = Auf Wiedersehen. Die Umrundung hat bei mir nur 2 Tage gedauert, da am Nachmittag des zweiten Tages das Wetter wirklich sehr stürmisch-regnerisch-kaltnass geworden ist und so Eile geboten war, zumal die letzten 120 km nur Küstenstraße mit unterschiedlichsten Stränden war – bei Sonnenschein eine unvergleichlich famose Angelegenheit. Bei Regen neese. Die Gegend wurde seit dem 11. Jahrhundert durch die Maori jedenfalls besiedelt und gleich hinter Gisborne stößt man auf eine interessante Verbindung, nämlich auf Whangara. Das ist der Drehort eines einfach tollen Filmes (und Schauplatz eines ebenso tollen Buches), nämlich Whalerider (Wer den Film noch nicht gesehen hat, der sollte es schleunigst tun). Für den Film wurden zwei Ereignisse zusammengenommen, die hier tatsächlich geschehen bzw. gegenwärtig sind. Nämlich unweit von Gisborne am Ende der Wainuibucht strandeten am 18. März 1970 59 Spermwale, die nicht mehr gerettet werden konnte. Nach erfolglosen Rettungsversuchen, musste man die Wale unter einem riesengroßen Sandberg beerdigen. In Whanara nun soll nach Maorimythologie die legendäre Paikea, die auf einem Wal nach Neuseeland reiste und an die im Meeting House, dem Marai, gedacht wird durch ausdrucksstarke Schnitzereien, gelandet sein, um so ihrem Stamm einen Platz zu schaffen. Ihr Reittier, der weiße Wal, verwandelte sich nach erfolgreicher Landung in eine Insel, die dem Bay vorgelagert ist.
Die Gegend war wohlhabend als cook landete. Die ersten Europaer, die sich ansiedelten, waren dann Walfäger, bald aber folgten Missionare, Händler, Farmer und Holzfäller. Von ihrem Handel zeugen heute noch verfallene Fishing wharften, z.B. in Tolaga, im Waima und im HicksBay, wo sie heute ein entfremdetes Dasein als Schwimmsprungbrett, oder Fischerstandort fristen. Die große Veränderung kam 1863 mit dem Schaf – alles wurde gerodet, Wollindustrie, Fleischfabriken und benachbarte Industrien machten sich breit bis in die 30er Jahre, als die Weltwirtschaftskrise hier voll zuschlug. Bis in die 60er Jahre machte hier eigentlich alles dicht und geblieben sind winzige Restsiedlungen, teilweise Geisterstädt, Beschaulichkeit, und neuerdings Kühe, die überall grasen. Wiederaufforstungsprojekte gibt es auch, aber eigentlich ist die Gegend so geblieben wie sie um 1950 herum war. Man findet auch noch einige alte Holzkirchen, architektonische Mischungen aus christlicher und Maorikunst, z. B. die Kirche in Tikitiki namens ST. Mary´s Church die 1924/6 gebaut, bzw. Geweiht wurde. An der Südküste steht ein Leuchtturm, der heute nur noch von Touristen gestürmt wird (ca. 700 Stufen), die Leuchten sind seit neunzehnhundertfünfundachtzig automatisch. Das Besondere an diesem Leuchtturm ist aber immerhin, das er sich auf dem östlichsten Punkt der Erde steht – hier beginnt jeder neue Tag!
Also, ihr merkt schon, das war alles total interessant, aber es war eigentlich noch schöner als interessant, die Landschaft ist – obschon kuliviert – urwüchsig und oft mächenhaft, das Meer rau und tobend anbrandend – ein gutes Surfrevier, habe ich mir sgen lassen.
Bevor ich von Napier aber die Ostumrundung machte, verbrachte ich noch ein paar Tage im Urewera-Nationalpark auf dem Campingplatz (primitiv, aber phantastisch gelegen) und nachdem ich die Schotterstraße nach Norden wweitergefahren bin, musste ich , um nach Gisborne zu kommen, noch die Waioeka Gorge entlangfahren – war auch nicht schlecht. Außerdem gab es hier, da man Wege schaffen musste für Siedler, Soldaten des ersten Weltkrieges, die Land bekommen hatten, besondere Brücken, nämlich die Manganuka Bridge und die Tauranga Bridge – beide Siedlungsversuche schlugen aber fehl, da der Boden zu unfruchtbar für Grasland und damit nicht gut genug für Schafe war, deshalb ist das heute alles Naturschutzgebiet – unglaublich.

2 Kommentare:

  1. OHHHH! Ich lese gerade Dein Buch, nämlich "Bis ans Ende der Welt" von Lukas Hartmann, ein fiktiver Roman über Cooks Entdeckung der Südsee. Ist super geschrieben, macht Spaß! Werd ich nach dem Korrekturstapel weiterlesen...Und ich habe vergessen Dir zu erzählen, dass ich erneut Kohle für ne England-Fortbildung bewilligt bekommen habe. Allerdings steht noch nicht fest, ob der Kurs zustande kommt, habe heute Morgen mega-polite Antwort des Kursveranstalters bekommen, in der er sich zweimal für die Wartezeit entschuldigte. Ich liebe England! :-) Drück mir die Daumen, dass das nochmal klappt, bevor Comenius den Austausch nächstes Jahr einstampft! Wennb`s klappt, hab ich zwei Wochen in Bath! BATH! Ich liebe Bath! Und dann kann ich da so Arbeitsblätter über die Römer in Bath und Jane Austen entwerfen. Wie geil ist das denn, bitteschön?!Also: Drücken!
    Es schneit übrigens immernoch...
    Wenn das so weitergeht, komme ich morgen nicht hier weg...Kannst Du Dich an Hachenburg vor zwei Jahren erinnern? So.
    So, zurück an den Schreibtisch,Lg Nico

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